Internet: http://denkmal-leipzig.de.vu

Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 2. Juni 2010
© Leipziger Volkszeitung

Rat blickt mit Festakt zurück

Vor 20 Jahren konstituiert sich erste frei gewählte Stadtverordnetenversammlung /
Magirius wird Präsident

Heute wird es festlich: Die Ratsfraktionen erinnern im Neuen Rathaus an die erste Sitzung des frei gewählten Stadtrates vor 20 Jahren.

Hintergrund: Nach der Friedlichen Revolution 1989 fanden am 6. Mai 1990 in Leipzig erstmals freie Kommunalwahlen statt, am 30. Mai 1990 folgte dann die erste öffentliche Sitzung der neu gebildeten Stadtverordnetenversammlung. Damit endete die Arbeit des Runden Tisches, der dem vor der politischen Wende gewählten Gremium folgte. Das hatte sich nach einer völlig konfusen Beratung im Januar 1990 selbst aufgelöst - als Konsequenz der Wahlfälschungen vom Mai 1989.

Auf der ersten Sitzung des neuen Rates am 30. Mai 1990 wurde Superintendent Friedrich Magirius zum Stadtpräsidenten gewählt. Dieses Amt gibt es nach Änderung der Hauptsatzung nicht mehr. Mit 115 von 123 möglichen Stimmen votierte eine überwältigende Mehrheit für den als Einzelkandidat angetretenen Superintendenten. "Wir müssen uns offenhalten, dass die Bürger einbezogen, ihre Initiativen berücksichtigt werden, damit die im Augenblick über der Stadt liegende Lähmung beendet wird. Darin sehe ich auch meine Aufgabe", sagte Magirius nach der Wahl im LVZ-Interview.

Zur Festveranstaltung, bei der auch der Thomanerchor auftritt, sind Mitglieder des damaligen wie des heutigen Stadtrates eingeladen. Drei Abgeordnete haben übrigens seit damals ununterbrochen ein Mandat: Margitta Hollick (Linke), Christian Schulze (SPD) und Ingo Sasama (Grüne). Als Gastredner werden neben Magirius und Michael Burgkhardt (FDP), ebenfalls ein Mann der ersten Stunde, auch Hinrich Lehmann-Grube (SPD), der am 6. Juni 1990 erste frei gewählte Oberbürgermeister Leipzigs, erwartet. Noch vor der Kommunalwahl hatte der damalige Oberstadtdirektor von Hannover die DDR-Staatsbürgerschaft angenommen. In seiner Antrittsrede verwies der neue Erste Mann dann auf die schlimme Ausgangslage in Leipzig, die sich im Zustand der Gebäude, der Umwelt, der Verkehrswege zeige. Gravierende Probleme für die nächste Zeit seien durch akuten Geldmangel und geschwächtes kommunales Eigentum gekennzeichnet. Zumindest Letzteres könnte auch noch heute gelten. Leipzig habe national wie international einen guten Ruf auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet, "Mit diesem Pfund müssen wir als kluge Knechte wuchern", sagte Lehmann-Grube seinerzeit.

Zum Festakt heute haben sich viele Stadträte der ersten Stunde wie Dieter Michel (CDU), Johannes Hähle (CDU), Lothar Tippach (PDS), Joachim Fischer (SPD), Christian Scheibler (Bündnis 90) angesagt. Auch einstige Bürgermeister wie Rudolf Ahnert (CDU), für Bauwesen zuständig, sowie Wolfgang Lentz (SPD), Dezernent für städtische Betriebe, wollen kommen. Zu der Sitzung, die 18.30 Uhr beginnt, sind auch Gäste willkommen.

Mathias Orbeck

Quelle: http://nachrichten.lvz-online.de/
© LVZ-Online, 13.02.2010, 00:08 Uhr

Einheitsdenkmal: Kritik an Leipziger Wettbewerb

DW

Angesichts des in dieser Woche für den Berliner Standort neu gestarteten eingeschränkten Wettbewerbs für ein Einheits- und Freiheitsdenkmal auf dem Schlossplatz gerät das offen verlaufende Wettbewerbsmodell für ein Leipziger Denkmal in die Kritik. "Ich gehe davon aus, dass aus dem Leipziger Wettbewerb mit seinen drei Standort-Alternativen am Ende kein tragfähiger Vorschlag für ein Denkmal herauskommt", prophezeit der CDU-Politiker Günter Nooke. Er setzte sich 1998 mit anderen Mitstreitern an die Spitze einer Initiative Freiheits- und Einheitsdenkmal.

Nookes Befürchtungen, so Informationen der LVZ, werden auch in Kreisen der Bundesregierung, insbesondere im Amt des zuständigen Kulturstaatsministers, geteilt. "Die Erfahrungen mit dem ersten Berliner Wettbewerb, bei dem über 500 Vorschläge und Ideen eingereicht worden sind, zeigen, dass ein derart offenes Verfahren zwar den Prozess der politisch-historischen Bildung der Bevölkerung fördert, aber doch keine praktikable Lösung bildet", sagte Nooke gegenüber der LVZ. Für das Leipziger Denkmal, für das der Bund rund fünf Millionen Euro zur Verfügung stellen will, läuft auf einmütigen Stadtratsbeschluss ein offener Ideenwettbewerb mit drei denkbaren städtischen Standorten. "Die Leipziger müssen aufpassen, dass am Ende nicht jemand auf die Idee kommt, das Denkmal nach Plauen zu geben, wenn sich die Frage stellen sollte, wer die ersten Mutigen im Herbst 1989 auf der Straße waren", so Nooke.

Der heutige Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung bedauerte, dass die Nikolaikirchensäule auf dem Kirchenvorplatz, die seit 1999 an die Friedliche Revolution erinnert, "so wenig von den Bürgern als Denkmal angenommen" worden sei. Natürlich habe Leipzig als Stadt des eindrucksvollsten Zeichens im Herbst 1989 Anspruch auf ein großes erinnerndes Zeichen, aber "die politisch Verantwortlichen in der Stadt sollten die Bürger darauf vorbereiten, dass dieser laufende Wettbewerb eher kein Ergebnis bringen wird" und dass man, entsprechend des Berliner Vorbilds, "einen zweiten Wettbewerbsanlauf" brauchen wird. Dann mit präziseren Vorgaben über Standort, zur Verfügung stehendes Geld und den beabsichtigten Zweck, rät Nooke. "Irgendwann sollte es dann doch klare Vorgaben geben."

Im jetzigen Berliner Zweit-Wettbewerb ist vorgesehen, bis zum 3. Oktober 2010 zu einem fertigen Modellvorschlag zu kommen.


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 22. Oktober 2009
© Leipziger Volkszeitung

Weißgerber als Festredner?

Borna (thl). Wie Bornas CDU-Fraktionschef Roland Wübbeke gestern ankündigte, haben die Bornaer Christdemokraten eine Alternative für Kurt Meyer als Festredner der städtischen Festveranstaltung zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution im Stadtkulturhaus vorgeschlagen. "Auch unserer Ansicht nach ist es nicht vertretbar, dass zur Erinnerungsveranstaltung ein ehemaliger SED-Bezirkssekretär die Festrede hält. Wir haben Oberbürgermeisterin Simone Luedtke aufgefordert, Herrn Meyer auszuladen. Stattdessen sollte Gunter Weißgerber die Festrede halten", so Wübbeke. Weißgerber unterstützte das Neue Forum, wurde dann Gründungsmitglied der SDP (Sozialdemokratischen Partei in der DDR) und trat von November 1989 bis März 1990 als Redner bei den Montagsdemos auf. Dieser Vorschlag sollte gestern Abend bei einem Treffen der Fraktionsspitzen mit der Oberbürgermeisterin diskutiert werden, so Wübbeke.

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Lesen Sie die Festrede "20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit".


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 23. Oktober 2009
© Leipziger Volkszeitung

Streit um Festredner

CDU boykottiert Gedenkfeier

Borna (thl). Der Vorschlag der CDU-Stadtratsfraktion, Gunter Weißgerber als Festredner für die städtische Erinnerungsveranstaltung "20 Jahre nach der Friedlichen Revolution" am 5. November im Stadtkulturhaus zu engagieren (die LVZ berichtete), fiel bei Oberbürgermeisterin Simone Luedtke auf unfruchtbaren Boden. Wie Fraktionschef Roland Wübbeke gestern erklärte, verlief das Gespräch der CDU mit Luedtke am Mittwochabend "ausgesprochen unbefriedigend. Frau Luedtke rückt nicht davon ab, einen ehemaligen SED-Bezirkssekretär die Festrede halten zu lassen." Weswegen die Christdemokraten von kommunaler und Landesebene "nicht zu der Veranstaltung erscheinen" werden, wie Wübbeke erklärte. Man missbillige ausdrücklich nicht die Person Meyer, aber den Umstand, dass ausgerechnet ein ehemaliges Mitglied des sozialistischen Systems in den Mittelpunkt der Veranstaltung gerückt werde. Wübbeke: "Frau Luedtke lehnte es auch ab, den von uns vorgeschlagenen Gunter Weißgerber als zweiten Redner einzuladen."

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Lesen Sie die Dokumentation.

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Nach Redaktionsschluß (lt. Anruf Manuela Krause): Es wird eine Sondersitzung des Stadtrates am 2.11.2009 in Borna geben. Diese Sondersitzung wird ein geändertes Festprogramm beschliessen. Zum geänderten Festprogramm gehören die Festredner Rüffert und Weißgerber. Die Festveranstaltung wird am 5.11.2009 stattfinden.
Fazit: Die Mehrheiten jenseits der SED von 1989 stehen in existenziellen Zusammenhängen noch immer. Sollte sich der Stadtrat tatsächlich durchsetzen, wäre dies auch ein großer Erfolg gegenüber der im Hintergrund sicher stark mitagierenden Bundes- und Landes-SEDPDSLinken....

Zum Sachverhalt: Vor ca. 2 Wochen rief mich der Landrat Dr. Gey an und fragte, ob ich bereit wäre, am 5.11. in Borna zu sprechen. Die Oberbürgermeisterin (Linke) möchte Herrn Mayer, seines Zeichens den bekannten 6 von Leipzig angehörend und vormalig SED-Bezirkssekretär für Kultur gewesen, allein reden lassen. Ich erklärte mich bereit, agierte jedoch in keiner Richtung. Einige Tage später meldete sich Bernd Klose (OBM Markkleeberg) und signalisierte, dass sich die Kreis-SPD mit ins Getümmel begibt. Inzwischen sagte Herr Mayer ab, die OBM'in von Borna wollte nur noch die Grußworte von Mayer und einem Pfarrer verlesen und das sollte es dann aus Sicht dieser Frau gewesen sein. Was die langsam anlaufende Gegenbewegung im Stadtrat und Bevölkerung noch mehr in Wallung brachte.

MfG
GW


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 15. Oktober 2009 (Printausgabe - Seite 4)
© Leipziger Volkszeitung

„Zerstritten und verschlissen“

Sachsens SPD-Urgesteine Weißgerber und Fornahl rechnen mit ihrer Partei ab / Kritik am Linkskurs

INTERVIEW

Leipzig. Sie sind sächsische SPD-Urgesteine, und ihre Namen standen für den SPD-Erfolg im Freistaat: Gunter Weißgerber (53), von 1990 bis Oktober 2009 Mitglied des Bundestages, und Rainer Fornahl (62), von 1998 bis 2009 im Bundestag. Beide holten 2005 zum dritten Mal in Folge ihr Direktmandat in Leipzig, jetzt treten sie aus der aktiven Politik zurück. Im Interview sprechen sie über den Niedergang der SPD und warum für sie die Annäherung an die Linke der falsche Weg ist.

Frage: Sie haben beide die SPD im Osten mit aufgebaut und seit 20 Jahren in verantwortlichen Ämtern gearbeitet. Was fühlen Sie, wenn Sie sich den heutigen Zustand der SPD anschauen?

Gunter Weißgerber: Das haben wir uns 1989 ganz anders vorgestellt. Was in den letzten Jahren passierte, ist verheerend. Wir haben kein gutes Bild in der Regierungsverantwortung abgegeben. Der Spaltpilz zerfrisst die Partei.
Rainer Fornahl: Ich bin tief erschüttert über die Situation. Die SPD, die eigentlich ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft hat, wird an den linken Rand gedrängt. Wenn sie sich nicht wieder in die Mitte bewegt, kommt sie aus dem Tief nicht heraus.

Waren Hartz IV und Rente mit 67 Fehler der SPD?

Weißgerber: Nein. Auf dem Höhepunkt der Hartz-IV-Debatte, 2005, sind wir beide als Direktkandidaten in Leipzig in den Bundestag gewählt worden.
Fornahl: Und das trotz einer heftigen Auseinandersetzung über die gesamte Agenda 2010, nicht nur über Hartz IV. Man muss dazu stehen und es begründen, und zwar bei jeder Gelegenheit, auch in Diskussionen mit Gewerkschaftsvertretern und Arbeitslosen. Das haben wir gemacht.

Aber Ihre beiden Direktmandate in Leipzig sind verloren gegangen an die CDU. Nicht einmal Wolfgang Tiefensee konnte ein Direktmandat für die SPD retten. Schmerzt Sie das?

Fornahl: Natürlich tut das weh. Ich würde da aber nicht Tiefensee die Schuld geben. Er musste alles ausbaden, was die SPD im Bund, in Sachsen und auch in der Kommune zu verantworten hat.

In Brandenburg koaliert nun die SPD mit den Linken. Gehört das ins normale politische Spektrum?

Fornahl: Mir tut das weh, dass der Bürgerrechtler Platzeck diesen Weg geht zu einer Partei, die im Wesentlichen doch noch die alte SED repräsentiert.
Weißgerber: Die SPD muss sich entscheiden, in welche Richtung sie laufen will.

In Sachsen hat die SPD fünf Jahre mitregiert. Gebracht hat ihr das aber auch nicht viel bei den Wählern.

Fornahl: Das hat einen ganz einfachen Grund. Die Landtagsfraktion bestand aus zwei Teilen: Der eine wollte nicht so recht mitregieren, der andere konnte sich auch nicht entscheiden. Damit lässt sich der eigene Anteil an der Regierungsarbeit schlecht darstellen.

Also ist die Sachsen-SPD ein Haufen von Individualisten und Egoisten?

Weißgerber: Die Minister Stange und Jurk und auch der Fraktionsvorsitzende Dulig haben eine gute Arbeit geleistet. Aber eine Partei, die sich selbst Opposition ist, vermittelt keine Erfolge. Manchmal hat das schon etwas Sektenähnliches.

Ist Martin Dulig der Richtige an der Spitze der Sachsen-SPD?

Weißgerber: Da auch er erkannt hat, dass die Mitte vernachlässigt wurde, kann er es schaffen.
Fornahl: Die Frage ist, wie intensiv der Widerstand der sächsischen SPD dagegen sein wird.

Muss sich Ex-Verkehrsminister Tiefensee wieder mehr in die sächsische und die Leipziger SPD einbringen?

Weißgerber: Tiefensee muss jetzt ran und sich der Partei in Sachsen und Leipzig wieder stärker annehmen. Er hat das Zeug und die Fähigkeiten dazu.

Der Eindruck, dass sich Tiefensee um Sachsen und Leipzig intensiv kümmert, drängt sich aber nicht gerade auf.

Weißgerber: Es gibt Stimmen, die sagen, er habe zu wenig Wahlkampf hier gemacht. Das kann ich aber nicht einschätzen. Er kann jedenfalls die Leute für sich einnehmen.
Fornahl: Er war vier Jahre lang Bundesminister und damit für alle Regionen verantwortlich. Darüberhinaus musste er ausbaden, was andere zu verantworten haben, Stichwort Citytunnel. Wenn er überhaupt noch eine Chance haben will, dann muss er jetzt regelmäßig und mit aller Kraft vor Ort für Leipzig und für Sachsen ackern.

Der künftige SPD-Chef Sigmar Gabriel und die designierte Generalsekretärin Andrea Nahles haben ein Bündnis mit der Linken im Bund für 2013 nicht ausgeschlossen. Ist das der neue Kurs?

Weißgerber: Wenn man Mehrheiten ändern will, muss man schauen, wo diese sind. Und diese sind in der Mitte. Mit einer Politik, die weit nach links geht, ist das nicht zu schaffen. Momentan bieten wir ein zerstrittenes und verschlissenes Angebot, das müssen wir ändern.
Fornahl: Ich halte den Schwenk nach Links für eine falsche Botschaft. Wenn man sich genau anschaut, wo die Linken hinwollen, dann führt das zu einem anderen Gesellschaftsmodell. Das will die Mehrheit bei uns nicht.

Ist Gabriel der richtige Mann an der Parteispitze?

Weißgerber: Aufgrund des aktuellen Personalangebots ist es sicherlich die beste Variante. Er ist ein politisches Alphatier.
Fornahl: Er kann kraft seiner Ausstrahlung und seiner Rhetorik die eigenen Mitglieder und auch das Publikum beeindrucken. Er ist eine Führungsfigur und strahlt Charisma aus. Was machen Sie nach Ihrem Abschied aus der aktiven Politik?
Fornahl: Ich will erst mal 20 politische Jahre setzen lassen. Dann werde ich in Ruhe schauen, ob ich auf den Themenfeldern, wo ich aktiv war, mich wieder einbringe. Das betrifft vor allem den Energie-Sektor. Man kann sich in Leipzig aber auch im Ehrenamt auf verschiedenen Feldern engagieren.
Weißgerber: Ich will in meinem Büro für wirtschaftliche Entwicklung Investoren beraten, die Projekte in Deutschland und Osteuropa verfolgen. Ich habe in meinen 20 Jahren in der Politik viele Menschen kennen gelernt, die Rat suchend an mich herantraten. Da will ich als Selbstständiger weitermachen, ohne öffentliche Gelder und Subventionen.

Interview: Anita Kecke/André Böhmer

 

Das vollständige Interview finden Sie unter: www.lvz-online.de/download


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 12. Oktober 2009 (Printausgabe - Seite 17)
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Der Tag danach

9. Oktober wurde gefeiert, doch auch am 10. lebt Leipzig mit der Friedlichen Revolution

Es regnet. Glück gehabt, Leipzig, mit deinem großen und gelungenem Erinnern an die Friedliche Revolution vor 20 Jahren. Doch auch am Tag danach beherrscht das historische Weltereignis die Stadt.

In der Nikolaikirche

Zum Sonnabendmorgen ist die Nikolaikirche schon wieder voller Menschen. Kein Friedensgebet, kein Konzert steht auf dem Programm, sondern „nur“ eine Kirchenführung. Da die aber von Revolutionspfarrer Christian Führer durchgeführt wird, kommen die Leipzig-Besucher in Scharen. „So einen Ansturm wie heute haben wir selten“, weiß Günter Thiel, der im Kirchen-Shop allerlei Devotionalien an den Mann bringt. Vor allem Führers Buch „Und wir sind dabei gewesen“ ist ein Renner. Touris kaufen es und lassen sich gleich noch eine Widmung reinschreiben. Thiel hat auch noch eine Aufgabe zu erfüllen. Er bittet zur Turmführung in gut 70 Metern Höhe. Bis zur Plattform sind auch an diesem Tag danach 213 Stufen zu erklimmen. „Hält jung“, weiß der 68-jährige Rentner.

Im Zeitgeschichtlichen Forum

Wenige Meter von St. Nikolai entfernt empfängt Rainer Eckert, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums, die Gäste zum Museumsfest anlässlich des zehnjährigen Bestehens seines Ausstellungs-, Bildungs- und Veranstaltungshauses. Seit der Eröffnung im Oktober 1999 wurden mehr als 140 000 Besucher gezählt. Vor allem die 2007 neu gestaltete Dauerausstellung zieht Interessierte an. Eckert steht noch ganz unter dem Eindruck des Vortages: „So hatte ich das nicht für möglich gehalten. Leipzig hat seine große Bedeutung als Erinnerungsort ins Bewusstsein des ganzen Landes gerufen. Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt haben mit ihrer Teilnahme an den zahlreichen Feiern ein eindrucksvolles Bekenntnis abgegeben: Wir wollen das und wir können das.“

Das dürfte vor allem in Berlin angekommen sein. In diesem Kontext bemängelt auch Eckert eine offensichtliche Fehlplanung für den Besuch des Festakts im Gewandhaus. Dass so viele Plätze frei blieben, ist auch für ihn nicht zu verstehen, und dass Berliner Revolutions-Urgesteine wie Bärbel Bohley und Rainer Eppelmann – er ist immerhin der Chef der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur – im Gewandhaus fast unterm Dach platziert wurden, ist schlicht ein Fauxpas. Eppelmann verließ tief verärgert das Gewandhaus. Im Zeitgeschichtlichen Forum herrscht hingegen am Tag danach nur gute Stimmung. Die Flugträumer, eine Artistik- und Gauklershow, laden in skurrilen Kostümen und Stelzen schon vorm Haus ein, es gibt Jazz, Chansons und Kabarett.

In der Gaststätte Barfly

Es regnet immer noch. Das stört aber die ehemaligen Bürgerrechtler und Bürgerrechtlerinnen gar nicht. Sie treffen sich im Barfly in der Karl-Liebknecht-Straße. Organisator Uwe Schwabe ist von den Socken, fast 100 Protagonisten von einst sind gekommen und lassen mit ihren Erinnerungen die Nacht zum Tag werden. Für die meisten ist es das erste Wiedersehen seit fast 20 Jahren. Keine Reden werden gehalten, keine Hymne erklingt, man spricht mit- und durchein-ander, man hat viel zu erzählen. Von der Insel Rügen reiste Stefan Walter an. Er schrieb Revolutionsgeschichte, weil er schon zu DDR-Zeiten einen VW Golf besaß und mit dem Gefährt vielfach der Bote der Bürgerrechtsgruppen war. Walter hängte auf der Autobahn schon mal die Stasi in ihren eher müden Wartburgs ab. „Stefan fuhr den Friedensgolf“, weiß Schwabe.

Aus Braunschweig kam Anke Hansmann. Vor 20 Jahren saß sie im Markuskirchen-Gemeindeamt am Kontakttelefon und gab Infos an die West-Journalisten durch. Freude übers Wiedersehen auch bei Martin Jankowski, der als Liedermacher die Revolution begleitete und über den 9. Oktober das Buch „Der Tag, der Deutschland veränderte“ schrieb. Seit Jahren lebt er in Berlin. Sein Eindruck damals und heute von Leipzig: „Vor 20 Jahren gab’s graue Fassaden, aber strahlende Gesichter. Heute gibt es strahlende Fassaden, aber zu viele Nörgler.“

Katrin Hattenhauer war eine besonders mutige junge Frau und geht nun als bildende Künstlerin ihren Weg. Morgen abend wünscht sie sich eine volle Nikolaikirche. Dann eröffnet sie dort ihre Ausstellung „Für ein buntes Land mit offenen Menschen“. Zur Vernissage spricht Christoph Wonneberger, es spielen Ex-Bürgerrechtler Jochen Läßig und Band.

Thomas Mayer

Ausstellung in der Nikolaikirche vom 13. bis 25. Oktober, Vernissage morgen (13. Oktober) 19 Uhr, Finissage 25. Oktober, 20 Uhr, mit Lichtinstallation im Kirchenschiff.

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Antifa protestiert gegen Heldenstadt

1800 Demonstranten ziehen durch die Innenstadt / Polizei: „Keine nennenswerten Vorkommnisse“

Etwa 1800 Demonstranten der linken Szene sind am Sonnabend durch die Innenstadt gezogen. Unter dem Motto „Still not lovin‘ Germany“ (zu deutsch: Wir lieben Deutschland immer noch nicht) protestierten sie am Tag nach dem Leipziger Lichtfest gegen die Feierlichkeiten zum 9. Oktober 1989. Der Umzug führte vom Hauptbahnhof über den Augustusplatz, die Einkaufsmeile Neumarkt und Petersstraße, zum Markt, zu Neuem Rathaus und Runder Ecke bis zum Willy-Brandt-Platz zurück. Er richtete sich unter anderem „gegen die historisch falsche Darstellung der Wende und gegen Nationalismus“, so die Veranstalter in einer Pressemitteilung, „gegen die landläufige Darstellung, dass Deutschland heute ein Volk von freiheitsliebenden Demokratinnen sei.“

Viele Touristen, die am Tag nach dem Leipziger Lichtfest noch in der Stadt weilten, nahmen den Aufmarsch mit einer Mischung aus Kopfschütteln und Belustigung zur Kenntnis. Mancher geriet auch außer sich angesichts der Parolen, die aus dem Marschblock skandiert wurden: „Leipzig – Heldenstadt, wir haben dich zum Kotzen satt“ etwa oder: „Wer Deutschland liebt, den können wir nur hassen“. „Als wir vor 20 Jahren unseren ganzen Mut zusammennahmen und auf die Straße gegangen sind, waren die hier noch gar nicht geboren“, sagte ein Mann und deutete auf die trotz Dauerregens sonnenbebrillten Antifa-Jugendlichen. „Ohne den Herbst ’89 könnten die heute nicht so ungehindert ihre Ansichten rumbrüllen.“

Aus rein polizeilicher Sicht bot der Aufzug „keine nennenswerten Vorkommnisse“, teilte Polizeisprecher Uwe Voigt am Abend mit. Die Beamten mit Tuchfühlung zum Marschblock trugen auf Weisung von Polizeipräsident Horst Wawrzynski normale Dienstuniform. In Nebenstraßen, vor allem aber an besonders sensiblen Bereichen am Neumarkt und in der Petersstraße waren auch Einheiten in der deutlich rustikaleren Einsatzkombi und mit Helm aufgezogen. Außerdem hatte die Polizeiführung schwere Technik wie Wasserwerfer und Räumfahrzeuge unweit der Demo-Route in Bereitschaft.

Doch die wenigen Zwischenfälle ließen sich manuell klären: Zwei 18-jährige Demonstranten kamen in Gewahrsam wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz. Der eine hatte einen Schlagring bei sich, der andere eine Abschussvorrichtung für Pyrotechnik. Ferner flogen aus dem Marschblock zwei Böller, was allerdings folgenlos blieb. Einmal versuchten Demonstranten, Einsatzkräfte mit Abfall zu bewerfen. Brenzlig wurde es kurzzeitig in der Petersstraße, als Autonome mehrere Beamte einkesselten und bespuckten. Polizeichef Wawrzynski wurde daraufhin gegenüber Demo-Anmelderin Angela Marquardt kurz laut und unmissverständlich. Die frühere PDS-Prominente und heutige Vertraute der designierten SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles stellte daraufhin per Lautsprecherdurchsage ihre verhaltensauffällige Zielgruppe ruhig.

Zu den Vorwürfen der Leipziger SPD, der Demo-Aufruf sei eine Beleidigung der Leipziger und an der Grenze zur freien Meinungsäußerung (die LVZ berichtete), mochte sich Marquardt nicht äußern. Eine Pressesprecherin des Veranstalter-Bündnisses teilte lediglich mit, man sei ob der SPD-Kritik „irritiert“.

Frank Döring

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 7. Oktober 2009 (Printausgabe - Hauptseite/Seite 17)
© Leipziger Volkszeitung

Neue Stiftung

Friedliche Revolution

Leipzig (kru). In Leipzig wird sich am 9. Oktober die Stiftung Friedliche Revolution gründen. Initiatoren sind Ex-Nikolaikirchenpfarrer Christian Führer, der Grünen-Stadtrat Michael Koelsch, HTWK-Professor Rainer Vor und Hans-Jürgen Röder, der Chefredakteur des Evangelischen Pressedienstes Ost.

„Wir unterscheiden uns von allen Initiativen, die mit 1989 zu tun haben, dadurch, dass wir nicht den Blick zurück richten, sondern die Idee von damals in die Zukunft tragen“, sagte Koelsch. Es ginge nicht darum, Helden zu verehren, sondern den Geist von 1989 weiterleben zu lassen. Die Stiftung habe sich vorgenommen, dort „den Finger in die Wunde zu legen“, wo Demokratie in Gefahr ist und Ungerechtigkeit herrscht. Angestrebt wird, die Stadt, die Sparkasse und das Unternehmen Verbundnetz Gas als Mitstifter mit ins Boot zu holen.

 

© Leipziger Volkszeitung - Seite 17

Stiftung zum Herbst ’89 entsteht

Gründung am 9. Oktober / Koelsch: Wir wollen keine Helden verehren

Der Gründungstag passt: Am 9. Oktober soll in Leipzig die Stiftung Friedliche Revolution aus der Taufe gehoben werden. Das kündigte ihr zukünftiger Vorstandsvize Michael Koelsch, Stadtrat der Grünen, gegenüber der LVZ an. Auch Ex-Nikolaikirchenpfarrer Christian Führer wird dazugehören.

„Ich, Führer, der Berliner Journalist Hans-Jürgen Röder und der Leipziger Professor Rainer Vor haben das Ganze vorangetrieben“, so Koelsch. Letzterer hatte sich im Frühjahr als Kulturbürgermeister beworben, konnte sich aber nicht durchsetzen. In der neuen Stiftung wird Koelsch Vize-Chef sein. Vorsitzender soll Rainer Vor von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig werden. Röder ist Chefredakteur des Evangelischen Pressedienstes Ost.

„Vor vier Jahren gab es mal die Bezahlnummer 91089, die ich für die Nikolaikirche besorgt habe und die für den 9. Oktober 1989 stand“, erzählt Koelsch. „Die Leute konnten darüber Geld für die Kirche spenden. Es kamen zwar 5000 Euro zusammen, aber es lief doch zu schleppend. Da haben wir gesagt, das Geld bringen wir in etwas Neues ein, wir gründen eine Stiftung.“ Aus den vier Gründern werden vier Vorstände. Im Kuratorium sitzen unter anderem Grünen-Europaabgeordneter Werner Schulz sowie Theologe Friedrich Schorlemmer.

„Wir unterscheiden uns von allen Initiativen, die mit 1989 zu tun haben, dadurch, dass wir nicht den Blick zurück richten, sondern die Idee von damals in die Zukunft tragen“, sagt Koelsch. „Wir wollen keine Helden verehren.“ Die Stiftung habe sich vorgenommen, dort „den Finger in die Wunde zu legen“, wo Demokratie in Gefahr ist und Ungerechtigkeit herrscht. Führer sei ja schon gebeten worden, zwischen Nord- und Südkorea oder zwischen Israel und Palästina zu vermitteln. „Wir wollen aber erst einmal klein anfangen und uns zu Beginn auf Vorträge beschränken.“ Angestrebt wird, Stadt, Sparkasse und das Unternehmen Leipziger Verbundnetz Gas als Mitstifter mit ins Boot zu holen. Bereits drin ist Werner Zapf, potenter Industrieller (Hersteller von Fertiggaragen) aus Bayreuth. Er habe die Stiftung mit „einem bedeutenden Betrag unterstützt“, sagt Koelsch.

Mit der Initiative „Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“ gebe es seit einem Jahr „produktive Gespräche“, so der Grünen-Stadtrat weiter. Das Angebot, in der Stiftung mitzuwirken, liege vor. „Ich will aber auch nicht verhehlen, dass manche in der Initiative uns gegenüber skeptisch sind. Denn es besteht die Furcht, dass die Unterstützung für sie nun wegen uns weniger wird. Das wollen wir aber keinesfalls. Im Gegenteil. Wir brauchen ein gut aufgearbeitetes 1989, um davon ausgehend in die Zukunft zu wirken.“ Denkbar sei zum Beispiel, die Demokratiekonferenz, die Ende Oktober das erste Mal in Leipzig stattfindet, danach regelmäßig gemeinsam mit der Kommune zu veranstalten.

Peter Krutsch

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 8. Oktober 2009
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Streit um Stiftung Friedliche Revolution

Bürgerrechtler fühlt sich von Ex-Nikolaikirchenpfarrer hintergangen / Führer weist Kritik zurück

Gegenwind für die Stiftung Friedliche Revolution: Mitglieder der Initiative „Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“ haben Kritik an dem neuen Gremium geübt. Bürgerrechtler Uwe Schwabe sagte, er fühle sich von Ex-Nikolaikirchenpfarrer Christian Führer hintergangen.

Initiatoren der Stiftung sind Führer, Grünen-Stadtrat Michael Koelsch, HTWK-Professor Rainer Vor sowie Hans-Jürgen Röder, Chefredakteur des Evangelischen Pressedienstes Ost. Führer werde „von diesen Leuten nur benutzt“, so Schwabe vom Archiv Bürgerbewegung. In der Stiftung sei kein Vertreter der in Leipzig bestehenden Initiativen dabei. Viele hätten abgesagt, sich zu beteiligen, wie zum Beispiel der sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Michael Beleites (Mitglied der Initiative). Letzterer sagt: „Die Abmachung war so, dass aus der Initiative drei Mitglieder ins Kuratorium kommen. Die Stiftung wollte diese aber selbst benennen. Doch aus meiner Sicht ist es selbstverständlich, dass die Initiative selbst ihre Leute vorschlägt.“ Nach langer Diskussion sei dies gelungen. Einer der Drei, die nun mit im Kuratorium der Stiftung sitzen, ist einer ihrer größten Kritiker: Uwe Schwabe. Er sagt, er fühle sich von Führer hintergangen, weil dieser mit in der Initiative gesessen, sie aber nicht über sein neues Vorhaben informiert hätte. „Wir arbeiteten miteinander, ohne dass er etwas gesagt hat. Die Stiftung wurde im Hintergrund aufgezogen, dann wurden wir vor Tatsachen gestellt.“

Das kritisiert auch Rainer Eckert, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums und Vertreter der Initiative. Letztere halte seit zehn Jahren die Erinnerung an die Friedliche Revolution aufrecht, sei aber nicht in die Entwicklung der Stiftung eingebunden worden. Eckert wehrt sich zudem gegen die Aussage von Koelsch, die Stiftung unterscheide sich dadurch von der Initiative, dass sie den Blick nach vorn richte. „Wir sind doch kein Traditionsverein“, so Eckert.

Wenn die Initiative sich in Gegenwartsthemen einmische, begrüße er das, so Koelsch. „Wir wollen aber ausdrücklich politisch sein, das habe ich bei ihr bislang nicht festgestellt.“ Er sei erstaunt über die Angriffe: „Es gab eine Abstimmung, die beide Seiten gebilligt haben.“ Der LVZ liegt ein Brief vor, in dem die Initiative der Stiftung „gutes Gelingen und eine gute Zusammenarbeit“ wünscht sowie die Änderung des Namens und der Satzung bestätigt. Koelsch weiter: „Es verwundert mich schon, wenn Herr Schwabe ins Kuratorium einer Stiftung will, die er gleichzeitig kritisiert.“

Auch Christian Führer wies die Kritik zurück: „Ich habe es dreimal gesagt, dass wir die Stiftung machen wollen, es aber nicht an die große Glocke hängen möchten, damit uns das keiner wegschnappt. Schwabe weiß das seit zwei Jahren.“

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte, er unterstütze die Stiftung persönlich und sitze auch im Kuratorium. „Alle anderen Entscheidungen überlasse ich dem neuen Stadtrat, der sich noch einmal grundsätzlich mit dem Gedanken der Stiftung beschäftigen will.“ 150 000 Euro seien dafür eingeplant, aber noch nicht freigegeben.

Peter Krutsch/Mathias Orbeck

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 16. Oktober 2009
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Bürgerrechtler Schwabe kehrt neuer Stiftung den Rücken

Bürgerrechtler Uwe Schwabe tritt aus dem Kuratorium der gerade erst gegründeten Stiftung Friedliche Revolution aus. „Nach längerer Überlegung und nach Studium des Materials, das die Stiftung zur Gründung herausgegeben hat, ist eine Mitarbeit bei der Stiftung für mich nicht möglich“, schreibt Schwabe an die Mitglieder der Initiativgruppe 9. Oktober, der er angehört. „Wir sollten als Initiativgruppe nicht in die Stiftung gehen, sondern der Stiftung einen Platz in unserer Initiativgruppe anbieten.“ Der Bürgerrechtler war als einer von drei Vertretern der Initiative ins Kuratorium der Stiftung gewählt worden.

„Wenn die Friedliche Revolution, wie von der Stiftung gefordert, heute weiter geführt werden soll, würde dies zwangsläufig die Abschaffung unserer Demokratie bedeuten“, glaubt er. Die Stiftung wurde am 9. Oktober unter anderem von Theologe Friedrich Schorlemmer (er sitzt auch im Kuratorium) vorgestellt. Letzterer hatte sich unlängst für eine Zusammenarbeit von SPD und Linken ausgesprochen, was Schwabe ebenfalls kritisiert.

kru

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 20. August 2009 (Printausgabe - Seite 18)
© Leipziger Volkszeitung

Fischer-Arts Freiheit

Erster Teil seines neuen großen Wandbildes gestern eingeweiht

Foto: Wolfgang Zeyen
Staatskanzleichef Johannes Beermann (links) mit Michael Fischer-Art.

Die Friedliche Revolution grell und bunt an einer Wand am Brühl. Leipzigs prominentester Haus- und Hofmaler Michael Fischer-Art macht das möglich. Gestern wurde der erste Abschnitt seines neuesten Werkes mit Titel „Das Bild zur deutschen Einheit – 20 Jahre Friedliche Revolution“ vorgestellt.

Der Maler weiß, was er malt. Fischer-Art war 19, als von Leipzig aus das Ende der Deutschen Demokratischen Republik eingeläutet wurde. Die Wortlaute der Demoplakate haben sich auch ihm ins Gedächtnis eingebrannt: „Wir sind das Volk“, „Pressefreiheit“, „Die Mauer muss weg“, „Stasi in den Tagebau“. Denn Fischer-Art marschierte mit um den Ring, nachdem er Monate zuvor als Mitglied der Jungen Gemeinde der Bethanienkirche beim Pleißemarsch zu den 78 Zugeführten gehörte. Michael Fischer-Art durfte in der DDR kein Abitur machen, er arbeitete in verschiedenen Berufen und war im Herbst ’89 Krankenpfleger in der Psychiatrie. Mit der Friedlichen Revolution begann auch seine Freiheit. Er konnte das Abi nachholen, an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studieren und sich fortan seine Freiheit nehmen, so wie er will, Kunst zu produzieren.

Sein neues Bild wird monumental, ist auf 30 Meter Höhe und 100 Meter Länge konzipiert. Auf 3000 Quadratmetern werden sich bis zu 900 Demonstranten tummeln. Der Künstler könnte sich sein Bild auch als Einheitsdenkmal vorstellen. Da sein Kunstwerk privat finanziert wird, würden doch Steuermittel gespart. Fischer-Art: „Mit fünf Millionen Euro lassen sich viele Schulen in einen einwandfreien Zustand versetzen.“

Wem Fischer-Arts Art nicht gefällt, der könnte sich vielleicht dank dieser Überlegung mit der recht eigenwilligen Revolutionskunst anfreunden. Der Künstler äußerte auch seinen konkreten Vorschlag, wo nicht gebrauchte Denkmalsgelder mit verwendet werden könnten: „Zum Beispiel für die Schule im Auwald, die zum letzten Mal im Jahr 1972 saniert wurde.“

Zur Bildweihe ist der Chef der Sächsischen Staatskanzlei, Johannes Beermann (CDU), nach Leipzig gekommen. „Es ist wichtig, dass wir auf ganz vielfältige Art und Weise die Ereignisse im Herbst 1989 würdigen“, sagt er. Fischer-Art habe mit dem Wandbild seine persönlichen Erfahrungen verarbeitet. Beermann: „Durch die Erfahrungen des Künstlers sind das Wandbild und der dabei entstandenen Bilderzyklus besonders authentisch, so dass mit diesem Bild nicht zuletzt der Ruf Leipzigs als Hauptstadt der Friedlichen Revolution unterstrichen wird.“ Zum Thema Einheitsdenkmal fällt dem Politiker ein: „Ja, es ist auch ein Denkmal.“

Nun also offiziell anzublicken: Im linken Bereich die friedliche Demonstration am 9. Oktober, im Mittelteil wird das Thema „Flucht in die Freiheit“ dargestellt, rechts der Mauerfall. 3,5 Tonnen Acrylfarbe werden verbraucht, 20 Helfer, vom Praktikanten bis zum Anwalt, malen mit aus. Ende September soll alles fertig sein.

Thomas Mayer

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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 30. Oktober 2009 (Printausgabe - Seite 18)
© Leipziger Volkszeitung

Der Leipziger Maler Michael Fischer-Art vor seinem 3000 Quadratmeter großen Wandgemälde zwischen Brühl und Richard-Wagner-Straße. Links neben seinem Kopf der einzige Farbklecks des zweiten Abschnitts: der gelbe Pullunder Hans-Dietrich Genschers, der auf dem Balkon der Botschaft in Prag seine Worte spricht.
Foto: André Kempner

Gewollte Unvollendete lockt täglich hunderte Schaulustige

„Nein, ich habe hier nicht versucht, ein malerisches Pendant zu Beethovens Unvollendeter zu schaffen“, sagt der Leipziger Künstler Michael Fischer-Art lachend. Des Rätsels Lösung für den fast komplett in Graustufen gehaltenen zweiten Teil des riesigen, ansonsten aber knallbunten Wandbildes zwischen Brühl und Richard-Wagner-Straße sei ganz einfach. „Die dort dargestellte Balkon-Szene mit Hans-Dietrich Genscher, der in der deutschen Botschaft in Prag den unten Wartenden ihre Ausreise verkündet, hat bekanntlich abends im Dunkeln stattgefunden.“ Einziger Farbklecks inmitten des Schwarz-Weiß-Grau: der gelbe Pullunder des damaligen, aus dem nahe Halle stammenden Außenministers.

„Und das ist auch der Endzustand“, erläutert Fischer-Art, der in dem auffälligen Kontrast zum farbigen Rest des etwa 3000 Quadratmeter großen Hinguckers auch eine „gestalterische Idee stecken“ sieht. Man entwickele sich ja auch weiter. „Wenn ich die gesamte Wand farbig gestaltet hätte, wäre doch gerade dieser Teil völlig abgesoffen“, ist sich der Künstler sicher, der Mitte September in Anwesenheit von Hans-Dietrich Genscher ein Gemälde mit der berühmten Balkonszene für dessen saniertes Geburtshaus im halleschen Stadtteil Reideburg übergab.

Das große Wandbild am Brühl mit seinen knapp 1000 Einzelfiguren ist übrigens schon seit Wochen ein Besuchermagnet. Immer wieder bleiben Menschen stehen, diskutieren und fotografieren. Auch die Busse der Stadtrundfahrt fahren nur im Schritttempo vorbei. „Wir haben es erst kürzlich von Praktikanten testen lassen: Jeden Tag werden davon zwischen 600 und 800 Fotos geschossen“, so Fischer-Art nicht ohne Stolz. Zudem freue es ihn, dass er zwölf Jahre nach dem ersten Wandbild nun noch einmal die Chance erhalten habe, „Geschichte bildlich für die nächste Generation festzuhalten“.

mape

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 7. Mai 2009 (Printausgabe - Seite 4)
© Leipziger Volkszeitung

Alles Banane
Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmal: Leipziger Pfarrer Führer fordert als Jurymitglied neuen Standort

Berlin. Die Freiheitsbestrebungen des deutschen Volkes in Denkmalform zu bringen, ist nicht gerade eine leichte Aufgabe. Was sich manche Künstler jedoch bei ihren Entwürfen für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin gedacht haben, ist – gelinde gesagt – fraglich. So sind beispielsweise eine Giraffenskulptur oder eine überdimensionale goldene Banane vor dem Berliner Schlossportal zu sehen. Ein Künstler kam auf die Idee, ein Café Deutschland einzurichten, in dem es am Tag der Deutschen Einheit umsonst Kuchen geben soll, während wieder ein anderer seine kreative Energie in eine musizierende New Yorker Freiheitsstatue steckte, die einen schwarz-rot-goldenen Zauberwürfel vor sich herträgt. Dann gibt es da viele bunte Spielzeug-Pferde, die um den Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals galoppieren oder eine Kombination aus Freiheit, Einheit und Einkauf, wobei eine überlebensgroße Skulptur einen Einkaufswagen mit Kugeln in Nationalfarben schiebt. Eine offenkundige Parodie stellen schließlich die fröhlichen Schlümpfe dar, die sich auf einem Steinpodest tummeln.

Ab sofort sind die insgesamt 532 Denkmalentwürfe für die Öffentlichkeit im Berliner Kronprinzenpalais oder im Internet zugänglich. Besucher können dann selbst entscheiden, ob die Entwürfe zu Recht allesamt von der Jury abgelehnt wurden.
„Es war einfach kein Entwurf dabei, der dieser wichtigen Aufgabe gerecht werden konnte“, begründet Jurymitglied Christian Führer die Entscheidung, den Wettbewerb noch einmal neu aufzurollen. Mit manchen Ideen sei die Friedliche Revolution schlicht ins Banale oder gar Lächerliche gezogen worden. Auch das häufige Hantieren mit der Deutschlandkarte missfiel der Jury. „Da war eine Deutschtümelei bei vielen Vorschlägen zu spüren, die es mir ganz kalt ums Herz werden ließ. Auf ein patriotisches Denkmal können wir verzichten“, kritisiert der ehemalige Pfarrer der Nikolaikirche gegenüber dieser Zeitung.

Doch so sehr der Mitinitiator der Montagsdemonstrationen über die vielen Pferde, Ringe und Nationalfarben enttäuscht war – den Künstlern will er die Gestaltung nicht allein zum Vorwurf machen. „Viele Kreative sind daran gescheitert, einen mit Erinnerung überfrachteten Platz gestalten zu müssen. Die Berliner und der Deutsche Bundestag sollten noch einmal überdenken, ob der Schlossplatz mit dem Sockel des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals der richtige Ort für ein Einheitsdenkmal ist“, sagt Führer.

Aus der gescheiterten ersten Berliner Auswahlrunde zieht der Pfarrer im Ruhestand die Konsequenz, dass für das geplante Denkmal in Leipzig nur der Wilhelm-Leuschner-Platz in Frage komme. „Die Künstler brauchen zur Gestaltung eine freie Fläche. Der Augustusplatz wäre damit schlicht überfrachtet.“

Der sächsische Bundestagsabgeordnete Jan Mücke (FDP) fordert dagegen, das „verkorkste“ Berliner Projekt ganz aufzugeben und sich auf das geplante Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal zu beschränken. „Im Lichte der Entwürfe muss der Bundestagsbeschluss revidiert werden. Wenn in Berlin eine goldene Banane gebaut wird, ist das eine Verhöhnung der Friedlichen Revolution.“ Ellen Großhans

?Die Ausstellung ist bis 31. Mai im Berliner Kronprinzenpalais, Unter den Linden, täglich von 10 bis 20 Uhr zu sehen.

Internet: www.wettbewerb-denkmal.de


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 30. März 2009 (Printausgabe - Seite 17)
© Leipziger Volkszeitung

SPD für Einheitsdenkmal

Borriss begrüßt Umfrageergebnis

Die SPD bekennt sich nach den Worten ihres Vorsitzenden Gernot Borriss weiterhin zur Errichtung des Freiheits- und Einheitsdenkmals in Leipzig. Wie berichtet, will der Bund dafür fünf Millionen Euro spendieren. „Wir wollen weiter für das Denkmal werben und dabei möglichst viele Menschen mitnehmen“, sagte der Sozialdemokrat.

Er begrüßte das Ergebnis der repräsentativen Umfrage des Instituts für Marktforschung. Das Resultat ist nach Einschätzung von Borriss eine „Chance für die weitere Debatte“. Besonders ermutigend sei die hohe Zustimmung zum Denkmal unter jungen Befragten. Laut Umfrage unter 1010 Leipzigern hatten sich 47 Prozent dafür ausgesprochen, dass Leipzig das Denkmal bekommt (die LVZ berichtete). 48 Prozent meinten, die Stadt brauche kein neues Denkmal, es gebe genügend andere, die an den Herbst 1989 erinnerten. Bei den Befragten zwischen 18 und 29 Jahren waren 72 Prozent für das Denkmal.
Borriss betonte, für das Selbstverständnis der Leipziger SPD bilde die Grunderfahrung von 1989 das entscheidende Motiv. Das gelte auch deshalb, weil erst durch die Friedliche Revolution die Sozialdemokratie an ihrem historischen Gründungsort Leipzig „wieder legal aktiv werden konnte“. Das Denkmal gehöre hierher, an den „entscheidenden Ort der Friedlichen Revolution“.

mi

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 13. März 2009 (Printausgabe - Seite 10)
© Leipziger Volkszeitung

"Wir brauchen kein weiteres Denkmal"

Prominente sprechen in der LVZ-Autorenarena über Gedenken an '89, ...

Langsam türmt sich das Thema auf, Gespräch für Gespräch, Diskussion für Diskussion. Der Mauerfall - als 20-jähriges Faktum und als nicht vollzogener Akt in den Köpfen - hat starke Präsenz auf der Buchmesse. Analysen, Rückschau und Ausblick gab es auch am ersten Tag in der LVZ-Autorenarena mit zahlreichen Promis.

Erich Loest hofft, dass spätestens die übernächste Generation nicht mehr zwischen Ost und West unterscheidet. Bis dahin müsse man viel aufarbeiten und auf Unsinnigkeiten verzichten wie den heimlichen Wettstreit unter ostdeutschen Städten, wer das Exklusivrecht habe auf die ersten Protestschritte - es spiele keine Rolle, ob zuerst Plauener, Leipziger oder Dresdner auf die Straße gingen. Loests klare Haltung zur Debatte um die Leipziger Gedenkkultur: "Wir brauchen kein weiteres Denkmal - die Nikolaikirche ist ein begehbares." Dass sein Roman "Völkerschlacht", der nun mit dem Buch "Löwenstadt" um- und fortgeschrieben wurde, quasi einen dritten Teil bekommt, bezweifelt der Schriftsteller - sein Held Alfred Linden sei Anfang 90, man dürfe ihn nicht mehr allzu sehr strapazieren.

Anderer Meinung in Bezug auf das Wende-Denkmal ist Christian Führer. Der Nikolaikirchen-Pfarrer im Ruhestand plädiert für eines, das dem Stellenwert der Montagsdemos und deren Folgen gerecht wird. Groß solle es sein und am besten auf dem Leuschnerplatz stehen. Um die Erinnerung wach zu halten, schrieb er das Buch "Und wir sind dabei gewesen". Kritik übt er an der fehlenden Behutsamkeit der damaligen Bundesregierung. Keine Überlegungen, beide bisherigen Nationalhymnen gegen eine gemeinsame zu tauschen - auch als Symbol für Gleichheit. Führer wundert sich zudem über den 3. Oktober als Einheits-Feiertag. "Der 9. Oktober war das entscheidende Datum, ich hoffe, dass man das noch bis zum Jubiläum im Jahr 2014 korrigiert."

...

Mark Daniel

Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/90869.html
© LVZ-Online, 11.03.2009, 18:46 Uhr

Leipziger sollen Standort für Einheitsdenkmal mitbestimmen

Leipzig. Bei der Suche nach einem Standort für das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig sollen die Bürger ein gewichtiges Wort mitreden. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte am Mittwoch, er setze auf eine möglichst breite Diskussion in Bürgerforen und im Internet. Jung hat drei mögliche Standorte ausgesucht, die er dem Stadtrat als Grundlage für eine Debatte vorlegen will: Den Augustusplatz, den Wilhelm-Leuschner-Platz und eine Fläche vor dem Hauptbahnhof. Entscheiden müsse am Ende der Stadtrat - möglichst noch vor der Sommerpause.

Das Denkmal soll an den 9. Oktober 1989 erinnern, als rund 70.000 Menschen bei einer friedlichen Demonstration auf dem Leipziger Ring das Ende der DDR einläuteten. Leipzigs Stadtspitze hatte lange dafür geworben, dass neben Berlin auch die Messestadt ein offizielles Einheitsdenkmal bekommt. Der Bund steuert für das Denkmal fünf Millionen Euro bei.

Für das in Berlin geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal haben sich nach dpa-Informationen etwa 1.300 Interessenten gemeldet, die an der Gestaltung mitwirken möchten. Die Anmeldefrist dafür war am Dienstag abgelaufen. In der ersten Stufe des weltweit offenen Ideenwettbewerbs wird das Preisgericht am 27./28. April etwa 20 Bewerber zur Teilnahme an der zweiten Runde auswählen.

Der 9. Oktober 1989 sei ein „weltgeschichtliches Datum“, betonte Jung. Das Denkmal sei wichtig, damit auch noch in hundert und mehr Jahren an die historische Dimension und Bedeutung Leipzigs beim Mauerfall erinnert werde. Jung zufolge soll das Denkmal spätestens zum 25. Jahrestag der friedlichen Revolution 2014 stehen. Wenn der Standort feststeht, soll im Oktober der Wettbewerb zur Gestaltung ausgeschrieben werden. Auch hier plädiert Jung dafür, möglichst weit zu denken. „Wir müssen die Bilder aus den Köpfen kriegen, die Denkmäler als große Pyramiden, Skulpturen, Klötze sehen.“

dpa

Quelle: BILD Leipzig vom 10. März 2009
© BILD Leipzig

Milchtöpfe weg wegen Einheitsdenkmal?

Tiefgaragen-Eingänge am Augustusplatz sollen neuem Wende-Monument weichen

von Erik Trümper

Leipzig - Seit 1998 prägen sie den Augustusplatz, die acht Eingänge zur Tiefgarage. Lieb gewonnen hat sie niemand. Für die Leipziger sind die kalten Metall-Glas-Konstruktionen einfach nur die hässlichen "Milchtöpfe". Nun könnten die Dinger verschwinden.
Möglich würde es durch das für Leipzig geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal. Der Bürgerverein Deutsche Gesellschaft e.V. (ihm gehören u. a. Bundestagsabgeordnete an) wird das Projekt - wie in Berlin - auch in Leipzig begleiten. Und favorisiert dabei zwei Standorte: den Leuschnerplatz und den Augustusplatz.
Der Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber (53, SPD):
"Am Leuschnerplatz hätte man Gestaltungsfreiheit. Allerdings lösten sich dort die Demonstrationen eigentlich nur auf. Daher bevorzugen wir den Augustusplatz."
Weißgerber weiter: "Zugleich hätte man dann auch Gelegenheit, in einem Abwasch viele Sachen in Ordnung zu bringen. Denn wenn man vom Johannisplatz kommt, sieht man wegen der 'Milchtöpfe' nur noch ein bisschen von der historischen Fassade, die durch die neue Uni wiederhergestellt wird".
Also: Weg mit den Dingern! Wobei auch die Pagode (samt Kiosk/Restaurant) ein "Opfer" werden könnte. Denn auf dem Augustusplatz ist für ein Denkmal eigentlich kein Platz mehr. Daher wird die Ratsversammlung Mittwoch nächster Woche einen Antrag behandeln, der eine deutliche gestalterische Verbesserung des Augustusplatzes zum Ziel hat - unter Beachtung der Mietverträge.
Die Zeit wäre da:
Am 9. Oktober 2009 soll das 5 Millionen Euro teure Denkmal (plus Geld vom Freistaat) ausgeschrieben werden. Die ersten Entwürfe werden wohl am 3. Oktober 2010 (20 Jahre Einheit) präsentiert. Die Einweihung ist für den 9. Oktober 2014 (25 Jahre Friedliche Revolution) vorgesehen.
Weißgerber: "Ziel ist ein nationales Denkmal, das auch kommenden Generationen Identität stiftet".


Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/90656.html
© LVZ-Online, 09.03.2009, 22:59 Uhr

Leipziger diskutieren geplantes Einheitsdenkmal in ihrer Stadt

Leipzig. Unter anderem mit Podiumsdiskussionen sollen die Bürger in Deutschland den geplanten Bau eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in Leipzig beraten. Es gehe darum, "wie dieses Denkmal zu einem lebendigen Zeugnis der friedlichen Revolution von 1989 werden kann", teilte die Vorstandschefin des Bildungswerkes Sachsen der Deutschen Gesellschaft, Katharina Landgraf, am Montag im Haus des Buches Leipzig mit. Der Bürgerdialog müsse aus den Wahlkämpfen dieses Jahres herausgehalten werden. Der Bundestag hatte im Dezember beschlossen, den Leipzigern für ihre Zivilcourage bei den Montagsdemonstrationen 1989 ein Denkmal zu setzen.
Der Start für die Ausschreibung zu dem Denkmal ist für den 9. Oktober 2009 vorgesehen, dem 20. Jahrestag der entscheidenden Montagsdemonstration nach den Friedensgebeten in der Leipziger Nikolaikirche. Das Monument soll bis 2014 entstehen, dem 25. Jahrestag der friedlichen Revolution in der damaligen DDR. Der Bund will das Projekt mit bis zu fünf Millionen Euro unterstützen. Als möglicher Standort ist der Augustusplatz im Gespräch.

Der Bundestag hatte im vergangenen Jahr zudem beschlossen, dass auch auf dem Schlossplatz in Berlin, der sogenannten Schlossfreiheit, ein Freiheits- und Einheitsdenkmal errichtet werden soll. An der Stelle stand früher das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I.. Zudem ist ein Dokumentationszentrum der europäischen Freiheitsgeschichte und der deutschen Einheit geplant. Für die Projekte zusammen wurden insgesamt 15 Millionen Euro veranschlagt.

dpa

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 6. März 2009
© Leipziger Volkszeitung

„Wir brauchen einen Hingucker“

Rainer Eckert, Uwe Schwabe und Christian Führer streiten für das Freiheits- und Einheitsdenkmal

Sie kamen in die Redaktion, um gemeinsam für ein Einheits- und Freiheitsdenkmal in Leipzig zu streiten, sie stritten aber auch miteinander. Rainer Eckert, Chef des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, Christian Führer, Nikolaikirchenpfarrer im Ruhestand, und Uwe Schwabe vom Archiv Bürgerbewegung zählen zur Arbeitsgruppe 9. Oktober und stellten sich den Fragen der LVZ.

Frage: Warum braucht Leipzig solch ein Denkmal?
Christian Führer: Wir haben in Deutschland viel Denkmalschrott herumstehen, mit dem irgendwelche Kriege und Herrscher gerühmt werden. Etwas so Positives wie der Herbst 1989 darf nicht verdrängt werden, er muss im Gedächtnis des Volkes bleiben.
Uwe Schwabe: Ich bin beim Thema Denkmal skeptisch – aber wenn es ein Ereignis der letzten 60 Jahre gibt, das eine solche Form des Erinnerns verdient, dann ist es die Friedliche Revolution. Am 9. Oktober 1989 und den darauf folgenden Montagen sind auch Tausende von auswärts zur Demo nach Leipzig gekommen.
Rainer Eckert: Zunächst war ja nur ein Einheitsdenkmal in Berlin geplant. Nun will der Bund mit korrespondierenden Einheits- und Freiheitsdenkmälern in Berlin und Leipzig die Leistung der Revolutionäre von 1989 würdigen. Es war ein Wunder der deutschen Geschichte, dass am 9. Oktober 70 000 Menschen trotz massiver Drohungen den Mut hatten, in Leipzig auf die Straße zu gehen.

Der Stadtrat hat sich mehrheitlich für das Denkmal entschieden, in der Öffentlichkeit gibt es dennoch viel Kritik. Stecken dahinter vor allem alte Genossen, die sich wieder aus der Deckung trauen?
Christian Führer: Ja, ich kann mir vorstellen, dass Leute ihre antidemokratischen Auffassungen mit dem Argument verschleiern, man solle die fünf Millionen lieber für Kindergärten einsetzen. Aber das Geld kommt vom Bund und steht nur für das Denkmal zur Verfügung. Entweder verwenden wir es für diesen Zweck, oder Leipzig bekommt es gar nicht.
Rainer Eckert: Das stimmt, aber in dem anderen Punkt muss ich Christian Führer widersprechen. Unser Geschichtsbild wird nicht von Altkommunisten bestimmt, die bilden nur eine kleine Gruppe.

Die Linke ist eine ziemlich große Gruppe …
Rainer Eckert: Ihre Anhänger müssten, wenn sie eigene Ansprüche ernst nehmen würden, die Idee eines demokratischen Sozialismus vertreten. Genau die war in der Anfangsphase der Revolution des Herbstes 1989 ein Ziel. Das sollte auch bei der Linken nicht vergessen werden. Ich denke, die Gruppe der Denkmal-Kritiker ist insgesamt relativ klein und nicht in einem bestimmten politischen Umfeld organisiert. Unsere Aufgabe ist es, das Anliegen des Denkmals den Menschen nahe zu bringen.

Glauben Sie denn, hinter der Ablehnung steckt nur ein Kommunikationsproblem? Repräsentative Umfragen belegen, dass es im Osten viel Skepsis gegenüber der Demokratie gibt.
Rainer Eckert: Deshalb haben wir die Pflicht, uns für unsere Demokratie einzusetzen und gegen solche Tendenzen anzukämpfen. Auch mit einem solchen Erinnerungsort. Schöpferische Minderheiten haben schon immer den historischen Prozess vorangebracht. 1989 hatte die DDR-Opposition 3000 aktive Mitglieder, etwa eine Million ging damals auf die Straße – und 15,5 Millionen standen hinter der Gardine.

Wie wollen Sie als schöpferische Minderheit die Bevölkerung einbeziehen?
Rainer Eckert: Ich würde mir wünschen, dass wir in absehbarer Zeit auf das Niveau kommen, mit der Bevölkerung über die inhaltlichen Dinge zu diskutieren: Freiheit und Demokratie.

Wie stellen Sie sich das mit den zwei Denkmälern vor: Eins in Leipzig für die Freiheit, eins in Berlin für die Einheit?
Christian Führer: Ja, ich würde zwischen Einheits- und Freiheitsdenkmal unterscheiden. Das Freiheitsdenkmal gehört nach Leipzig.
Uwe Schwabe: Man darf das nicht voneinander abkoppeln. Die stärksten Impulse für die Wiedervereinigung Deutschlands kamen aus Sachsen, nicht zuletzt aus Leipzig.
Rainer Eckert: Wir brauchen eine gestalterische Verbindung zum Berliner Denkmal, aber in Leipzig sollte der Akzent der Freiheit stärker betont und ein Bezug zu den Freiheitsbewegungen in Osteuropa deutlich werden.

Der Oberbürgermeister hatte schon 2007 das Denkmal eingefordert, doch als er jüngst zum Kulturstaatsminister fuhr, hatte er nicht einmal einen Standortvorschlag im Gepäck …
Christian Führer: Richtig, das haben wir verschlafen. Für mich kommt nur der Königsplatz, der jetzige Wilhelm-Leuschner-Platz, in Frage. Damit wäre die Benennung in Platz der Friedlichen Revolution verbunden, auch die Straßenbahn- und die künftigen U-Bahn-Station würden so heißen.
Uwe Schwabe: Augustus- und Leuschnerplatz sind die Favoriten. Man kann doch eine Ausschreibung machen und dabei in der Anfangsrunde beide Orte nennen, um zu sehen, was die Künstler für Ideen haben. Ich persönlich bin für den Augustusplatz, das wäre der historisch richtige Ort.
Christian Führer: Wenn auf den Augustusplatz ein halbwegs ordentliches Denkmal käme, müsste es Veränderungen bei den Tiefgaragen und Versorgungsleitungen geben. Im schlimmsten Fall müsste die Stadt die dafür erhaltenen Fördergelder zurückgeben.
Uwe Schwabe: Wir sollten den Künstlern zutrauen, etwas Fantasievolles zu entwickeln, das muss kein Riesenklopper werden.
Rainer Eckert: Sie sehen, schon mit drei Leuten ist die Kommunikation manchmal nicht ganz geradlinig.

Wie groß sollte das Kunstwerk denn werden?
Christian Führer: Es muss europäische Dimension haben. Wir brauchen einen Hingucker, einen Ort, zu dem die Leute reisen und von dem sie sagen: Das musst du gesehen haben. Innerhalb des Ringes gibt es keine Fläche, die dafür Raum bietet.

Der Brühl wäre vielleicht noch frei. Aber im Ernst: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Weißgerber schlägt vor, mit einem Teil der Denkmalmillionen die umstrittene Gestaltung des Augustusplatzes zu verändern. Erich Loest plädiert für einen auf dem Dach liegenden Trabi. Hilfreiche Ideen?
Rainer Eckert: Gunter Weißgerber hat sich im Kampf für das Denkmal große Verdienste erworben. Aber sein jüngster Vorschlag ist kontraproduktiv. Wenn die Nation uns Geld für ein Denkmal zur Verfügung stellt, können wir es nicht zweckentfremden. Bei Erich Loest muss ich sagen: Er ist doch immer wieder für einen Jux zu haben.
Christian Führer: Ich kann mir vorstellen, dass sich viele Leipziger durch diese Idee veralbert fühlen.

Gibt es nicht schon jetzt zu viele und zudem schwer verständliche Denkmäler zur Friedlichen Revolution? Säule, Brunnen, Lichtelemente, demnächst eine Glocke. Miley Tucker-Frost ist mit ihrem Relief auch noch in der Warteschleife …
Rainer Eckert: Leipzig hat 1500 Denkmale, darunter sehr viele zur Völkerschlacht, aber nur drei oder vier zur Friedlichen Revolution. Das sind zu wenig. Und wenn die bisherigen nicht ausreichend verständlich sind, ist dies ein Argument dafür, jetzt eine Lösung zu finden, die wahrgenommen wird.

Interview: Bernd Hilder, Peter Krutsch, Armin Görtz

 

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 7. Februar 2009
© Leipziger Volkszeitung

„Wir brauchen kein Monument“

Forum Kunst am Bau: Ausschreibung zum Einheitsdenkmal so weit wie möglich öffnen

Das Sachverständigenforum Kunst am Bau und im öffentlichen Raum sieht großen Diskussionsbedarf beim Einheitsdenkmal. „Nachdem sich 75 Prozent der Anrufer beim LVZ-Ted dagegen ausgesprochen hatten, muss über Akzeptanz und Ausgabenhöhe geredet werden“, so Forumsvorsitzender Michael Koelsch (Grüne). Um die fünf Millionen Euro, die der Bund für das Objekt gibt, sinnvoll zu nutzen, könne beispielsweise „mit einem Teil des Geldes der Augustusplatz in Ordnung gebracht werden“.

Das Leipziger Einheitsdenkmal soll bis spätestens 2014 zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution stehen. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) favorisiert dafür den Augustusplatz. „Wenn eine Mehrheit der Leipziger gegen das Denkmal ist und es für zu teuer hält, müssen wir aber nach neuen Ansätzen suchen“, so Koelsch. Das Forum habe bereits rathausintern seinen Anspruch angemeldet, bei dem Thema mitzureden. „Ich wünsche mir, dass der Oberbürgermeister uns als das wesentliche Gremium integriert, welches den Stadtrat in Sachen Einheits- und Freiheitsdenkmal berät.“ Das Forum wolle seine Kompetenz einbringen, um Fragen wie Standort, öffentliche Diskussion, Künstlerliste für den Wettbewerb und vor allem Formulierung der Ausschreibung zu klären.

Letztere müsse inhaltlich weit geöffnet werden, damit die Künstler sehr große Spielräume bekämen, sagt Barbara Steiner, Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst, und Forumsmitglied. Denn wenn die Leipziger das Denkmal nicht befürworteten und es für zu teuer hielten, müsse ohne Scheuklappen darüber nachgedacht werden, wie das Geld anders als auf herkömmliche Art angelegt werden könnte. „Wir brauchen kein Monument aus Bronze für fünf Millionen Euro. Deshalb müssen die Künstler in die Lage versetzt werden, das Thema Erinnerung so weit wie möglich zu interpretieren. Dazu sollten auch Möglichkeiten der stadträumlichen Gestaltung gehören“, so Steiner. Und erst wenn es konkrete Vorschläge gebe, stelle sich wirklich die Frage, ob Leipzig ein Einheitsdenkmal brauche oder nicht. „Denn dann wissen wir erst, um was es sich überhaupt handelt.“

Das auch als Ästhetik-Tüv bezeichnete Gremium tagt seit Sommer letzten Jahres im Abstand von anderthalb Monaten. Grundlage für seine Arbeit ist die Durchführungsbestimmung „Kunst am Bau und im öffentlichen Raum“, die vor einem Jahr im Stadtrat beschlossen wurde. Bisher befasste es sich mit folgenden Themen: Mendelssohndenkmal, Wettbewerb zur Gestaltung der Demokratieglocke, Luther-Melanchthon-Denkmal, Denkmal zur Friedlichen Revolution von Miley Tucker-Frost. Dem Gremium gehören unter anderem Malerin Annette Schröter (Hochschule für Grafik und Buchkunst), Hans-Werner Schmidt (Direktor des Bildermuseums), Architekt Ingo Andreas Wolf (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur) und Kulturbürgermeister Georg Girardet an. „Das Forum hat zwar nur empfehlenden Charakter“, sagt Girardet. „Es ist jedoch festgelegt, dass sich die Stadt rechtfertigen muss, wenn sie von der Empfehlung abweicht.“

Peter Krutsch

© Standpunkt

KOMMENTAR

Von Peter Krutsch

Forum hat Kompetenz schon bewiesen

Beim Projekt Einheitsdenkmal ist bereits viel in trockene Tücher gekommen. Der Oberbürgermeister steht dazu – das Projekt wurde Chefsache. Der Starttermin für die Ausschreibung steht – 9. Oktober 2009. Die Summe, die der Bund geben will, steht – fünf Millionen Euro. Was dagegen nicht steht, ist eine Mehrheit der Bürger für das Denkmal. Gründe für Zweifel gibt es einige. Erstens: Auf dem Nikolaikirchhof gibt es längst eine Säule, die an die Friedliche Revolution erinnert. Zweitens: Fünf Millionen Euro sind angesichts sanierungsbedürftiger Schulen viel Geld. Drittens: Etliche Leipziger befürchten ein protziges Mahnmal, das dem Gestus der stillen Kerzen-Revolution widerspricht. Und doch: Leipzig hat am 9. Oktober 1989 Geschichte geschrieben – dieses Kapitel nicht wirkungsvoll zu würdigen, hieße eine Riesenchance ohne Not aus der Hand zu geben. Deshalb sollte die Rathausspitze auf das Expertenforum Kunst am Bau und im öffentlichen Raum zugehen. Es hat bewiesen, dass es einen Wettbewerb stemmen kann, der zu einem ansprechenden Ergebnis führt: Die Demokratieglocke von Via Lewandowsky, ein tönendes Bronze-Ei, ist weder protzig, noch bedeutungsschwer, sondern eine originell-zurückhaltende Lösung.

eMail: p.krutsch@lvz.de

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Gunter Weißgerber MdB

07. Februar 2009

Freiheits- und Einheitsdenkmal Leipzig – niemand will ein Monument!

Das Leipziger Sachverständigenforum „Kunst am Bau“ hat Recht. Ein protziges Monument soll in Leipzig nicht die friedliche Revolution, die nicht nur auf den 9. Oktober zu reduzieren ist, würdigen. Salopp gesagt, für irgendetwas Protziges sind die Menschen damals mit Sicherheit nicht auf die Straße gegangen.
Dennoch ist es für Leipzig eine große Chance, mittels der Hilfen des Bundes und des Freistaates an den bedeutenden Anteil der Stadt, ihrer Bürger und der vielen aus Ostdeutschland zugereisten Demonstranten, am friedlichen Ende der Ost-West-Konfrontation und an der Deutschen Einheit des Jahres 1990 erinnern zu können.

Eine Auszeichnung kann man sich selbst anheften, man kann diese sogar auf dem Flohmarkt vorher erwerben. Ehrlicher und weitaus gewichtiger ist dagegen eine Auszeichnung, die von anderen verliehen wird – so wie Leipzig vom nationalen Parlament respektive vom Bund und vom Freistaat mittels eines Freiheits- und Einheitsdenkmales hohe Anerkennung erfahren wird.

In Berlin wird es auf jeden Fall ein Nationales Freiheits- und Einheitsdenkmal geben. Das ist auch gerechtfertigt. Doch wird ein alleiniges Berliner Denkmal die Geschichte, die zum Leipziger Herbst 1989 und zur Deutschen Einheit führte, über die Jahre und Jahrzehnte in den Köpfen der Menschen auf Berlin verkürzen. Dies sollte kein Leipziger, kein Ostdeutscher, der damals Montag für Montag nach Leipzig fuhr (so er/sie daran nicht gehindert wurde) wirklich wollen.

Zwei Denkmale, eines in Berlin und eines in Leipzig, werden jeden Stadtführer zwingen, eine Geschichte zu erzählen: Die Geschichte, die Anfang der 80er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in der Leipziger Nikolaikirche begann, sich auf dem Augustusplatz gewaltig Bahn brach und in der Deutschen und Europäischen Einheit endete.

Für den Augustusplatz sprechen viele Argumente. Ein besonders wichtiges möchte ich herausgreifen:
Der Aufstand der Leipziger war die einzig real existierende Massenbewegung nach 1953 in der DDR und auf dem Augustusplatz kam sie von Hunderttausenden zur Sprache. Und diese Massenbewegung war sogar noch erfolgreich!

Die Demonstranten, die regelmäßige Kundgebungen erzwangen, machten aus dem Augustusplatz ein Forum, einen Platz an dem – wie in klassisch römischer Zeit – der Diskussion der rerum publicae buchstäblich Raum gegeben wurde. Das Forum war die Mitte der Civitas, weil sich hier die Cives zivilgesellschaftlich engagierten und so eigentlich die Stadt als Kommune bildeten.
Die Leipziger und ihre vielen auswärtigen Mitdemonstranten hatten sich auf dem Augustusplatz ein klassisches und deutschlandweit wirkendes Forum geschaffen.

Auf dem Augustusplatz kam der mündige Bürger zur Sprache, der nicht bereit war, seine noch immer gefährdete Souveränität an die Runden Tische zu delegieren, wo die SED um ihre politsche Resozialisierung zu kämpfen schien.
Die Fortsetzung der Demonstrationen bis zu den Wahlen garantierte die demokratische Kontrolle der durch die allerorten tagenden Runden Tische gekennzeichneten Übergangszeit.

Das auch von den Rändern der runden Tische geäußerte Unbehagen an der Massenbewegung auf dem Augustusplatz ist von den Demonstranten als Versuch abermaliger Entmündigung beargwöhnt und ignoriert worden. Die Dynamik des zur Wiedervereinigung führenden Prozesses, kam aus der allmontäglichen Bürgerbewegung, die sich von Leipzig aus wie ein Flächenbrand DDR-weit ausbreitete.

Für die Menschen, die sich für das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal erfolgreich stark gemacht hatten, gilt die Ablehnung eines monströsen Monumentes genauso wie für viele Leipziger. Gerade deshalb ist es wichtig, das Ensemble des Augustusplatzes insgesamt als Flächendenkmal zu sehen. Der Augustusplatz ist das „Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal“. Dieses Denkmal bedarf der ästhetischen Aufbesserung mit einem neu zu schaffenden „leichtem“ Objekt, welches zum Platz passen muß und gemeinsam mit diesem die Freiheits- und Einheitsbotschaft unaufdringlich anbietet.

Die Gelder des Bundes und des Freistaates sind zugleich eine große Chance, den Augustusplatz wieder in die Liga zu „heben“, in der er bis zu seiner Zerstörung durch Krieg und spätere Architekten nach zeitgenössischen Bekundungen ansässig war.
Gemeinsam mit dem Gewandhaus, dem Mendebrunnen, den neuen Universitätsgebäuden und dem Paulinerkirchenneubau müsste der Platz bis zur Oper doch wieder einer der schönen Europas werden können, oder?


Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/86026.html
© Leipziger Volkszeitung - 26. Januar 2009

Einheitsdenkmal: Bund sichert fünf Millionen zu
Ausschreibung spätestens ab 9. Oktober 2009 /
Augustusplatz Favorit

Leipzig/Berlin. (maw./A. G.). Für den Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals in Leipzig wird die Bundesregierung fünf Millionen Euro zur Verfügung stellen, wie Verkehrs- und Bauminister Wolfgang Tiefensee gegenüber der Leipziger Volkszeitung bestätigte. „Zusätzlich erwarten wir noch eine Beteiligung des Landes Sachsen und der Stadt Leipzig“, sagte der SPD-Politiker gestern zur Entscheidung der zuständigen Gremien. Als Standort ist nach LVZ-Informationen der Augustusplatz Favorit.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte für die beiden in Berlin und Leipzig geplanten Denkmäler zusammen 15 Millionen Euro bewilligt. „Der Bund, der Freistaat und Leipzig stehen hier in einer gemeinsamen Verantwortung“, sagte Tiefensee weiter. Anfang Februar treffen sich die Beteiligten mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), um den weiteren Projektverlauf zu besprechen. Aus dem Tiefensee-Ministerium hieß es dazu, dass die Fragen zur Finanzierung und zum Inhalt der Ausschreibung bis Herbst geklärt sein sollen. Spätestens am 9. Oktober solle der künstlerische Wettbewerb eröffnet werden. Die Ausschreibung für das Berliner Denkmal läuft bereits.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) begrüßte die Bereitstellung der Mittel. Damit habe man eine feste Planungsgröße erhalten, sagte er der LVZ. „Der Zeitplan ist mit mir vorbesprochen. Allerdings halte ich dafür die Zustimmung der Fraktionsvorsitzenden für erforderlich. Mit ihnen werde ich mich zeitnah besprechen.“ Sicher sei, dass vor einer Ausschreibung der Stadtrat über den Standort entscheiden müsse, sagte Jung und widersprach damit dem Kulturbürgermeister Georg Girardet (FDP). Der hatte kürzlich gegenüber der LVZ dafür plädiert, den Aufstellungsort bei der Ausschreibung offen zu lassen.

Eine informelle Arbeitsgruppe hat sich nach LVZ-Informationen bereits klar für den Standort Augustusplatz ausgesprochen. Die Rathausspitze hält sich dennoch bedeckt: 2008 war Jungs Vorschlag, den Augustusplatz in Platz der Friedlichen Revolution umzubenennen, auf öffentliche Ablehnung gestoßen. Auch der Leipziger Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber (SPD) spricht sich für den Augustusplatz aus. „Das ist der einzig mögliche Platz“, sagte er der LVZ. Dort hätten sich Hunderttausende zu Kundgebungen versammelt, von dort seien sie um den Ring gezogen. Weißgerber favorisiert die Fläche vor der Oper.

Martin Wachtelborn

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 21. Januar 2009
© Leipziger Volkszeitung

"Das scheußliche Wort Wende"

Bundestags-Vize Wolfgang Thierse kommt zur LVZ-Debatte nach Leipzig

Leipzig. 1939 - 1949 - 1989 - was prägt unser historisches Gedächtnis? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, zu der Leipziger Volkszeitung, Deutschlandfunk und Zeitgeschichtliches Forum am 28. Januar in Leipzig einladen. Zu den Gästen zählt Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD).

Frage: Im Osten gibt es Nachholbedarf bei der Würdigung des 60 Jahre alten Grundgesetzes, Westdeutsche verkennen oft die Bedeutung der Friedlichen Revolution vor 20 Jahren. Wird deshalb 2009 ein Zwei-Fronten-Krieg der Aufarbeitung entfesselt?
Wolfgang Thierse: Ich würde den militärischen Begriff vermeiden. Die deutsche und die europäische Vereinigung ist auch ein kultureller Prozess der Zusammenführung unterschiedlicher Erinnerungen. 2009 ist gut geeignet, um gemeinsam über Ereignisse nachzudenken, die Menschen in Ost und West unterschiedlich betroffen haben.

Wie erklären Sie einem Bayern, dass der '89er Herbst für ihn von Bedeutung war und ist?
Ich weise ihn darauf hin, dass es sich um die erste Revolution in der deutschen Geschichte handelt, die friedlich und erfolgreich war. Sie hat zur Vereinigung Deutschlands geführt, ein Land, das in Frieden mit allen Nachbarn lebt, von Freunden umzingelt wird. Ein in der Vergangenheit höchst seltener Zustand. Es gibt also auch für einen Bayern genug Grund, 20 Jahre Friedliche Revolution zu feiern.

Und wie vermitteln Sie einem gelernten DDR-Bürger, dass die Erinnerung an das Grundgesetz von 1949 etwas anderes ist als der einst unentwegte Rummel um die DDR-Gründung im selben Jahr?
Ich würde darauf hinweisen, dass dieses Grundgesetz jetzt auch unsere Verfassung ist - die beste in der deutschen Geschichte. Meinungs-, Presse- und Reisefreiheit, Schutz vor staatlicher Willkür - die Freiheitsrechte, nach denen wir uns in der DDR sehnten, sind immer wieder ein Grund zum Feiern.

Erleben wir angesichts der vielen Feierlichkeiten 2009 den Wechsel von der Ostalgie hin zum revolutionären Ostler-Stolz?
Die Ostdeutschen können stolz auf 1989 sein, es wäre gut, wenn sie sich selbstbewusst an ihre eigene historische Leistung erinnern würden - natürlich ohne die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Gegenwart dabei zu überdecken.

Ist die Revolution tatsächlich eine Leistung der Ostdeutschen? Zwar gingen Hunderttausende auf die Straße - aber Millionen standen hinter den Gardinen.
Revolutionen sind immer eine Sache von Minderheiten - und dann können sich Mehrheiten an den Ergebnissen erfreuen, wenn die Revolution erfolgreich war.

Berlin oder Leipzig - ein ewiger Streit. Welcher Stadt gebührt der erste Platz als Zentrum der Revolution?
Der 9. Oktober in Leipzig war der entscheidende Tag. Ich vermeide das scheußliche Wort Wende - aber es war der Tag der Wendung. Bis dahin konnten wir nicht wissen, ob die Demonstrationen blutig niedergeschlagen werden. In Berlin wurde dann von Ostdeutschen die Mauer eingedrückt. Beides gehört zusammen und sollte nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Neben Berlin soll Leipzig ein Einheits- und Freiheitsdenkmal bekommen. Ihr sozialdemokratischer Parteifreund Burkhard Jung hat als Oberbürgermeister die Forderung bereits 2007 erhoben - aber die Stadt schlägt noch nicht einmal einen Standort vor. Ist das nicht blamabel?
Da bin ich ganz gelassen. Die Bundesregierung, der Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig müssen miteinander über Ort und Art des Denkmals sowie über die Zeitplanung reden. Es ist jedenfalls vernünftig, dass es nicht nur in Berlin, sondern ebenfalls in Leipzig ein Denkmal zu diesem Thema gibt.

Angesichts der Freudenfeiern 2009 wird der Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren eher eine Nebenrolle spielen. Ist das ein Fehler?
Die Bundesrepublik wird sich hoch offiziell auch an dieses Datum erinnern. Das ist nicht zuletzt wichtig im Verhältnis zu unseren Nachbarn in Polen. Aber jeder Pole wird verstehen, dass 2009 für uns 20 Jahre Friedliche Revolution und Mauerfall im Vordergrund stehen.

Interview: Armin Görtz

Die Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Streitfragen Ost-West" findet am 28. Januar, 19 Uhr, im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, Grimmaische Straße 6, statt.
Weitere Gäste: Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Christian Staas, Chefredakteur von Zeit-Geschichte, Michael Stürmer, Historiker und Chefkorrespondent der Tageszeitung Die Welt. Moderation: Bernd Hilder, Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung. Der Eintritt ist frei, der Deutschlandfunk überträgt ab 19.15 Uhr live.


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 21. Januar 2009
© Leipziger Volkszeitung

9. Oktober wird Leipzigs Gedenktag

Stadt stellt Fahrplan für Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution vor

Mit einem städtischen Gedenktag will Leipzig künftig an jedem 9. Oktober an die machtvollen Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 erinnern. Dann sollen Lichterfeste, Friedensgebete und Konferenzen stattfinden. Der Auftakt erfolgt in diesem Jahr anlässlich des 20. Jahrestages der Friedlichen Revolution.

„Am 9. Oktober 1989 wurde Nationalgeschichte geschrieben und der Weg zur deutschen Einheit frei“, sagte gestern Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Anders als bei gesetzlichen Feiertagen wird der 9. Oktober jedoch kein arbeitsfreier Tag sein. Es gehe nicht um eine Historisierung des Gedenkens, sondern darum, diesen Tag „dauerhaft im Gedächtnis zu verankern und als Impuls für zukunftsweisende Aktivitäten zu nutzen“, sagte er. „Der Tag der Maueröffnung in Berlin ist untrennbar mit dem Tag der Entscheidung am 9. Oktober 1989 in Leipzig verbunden.“ Die Demonstration von 70 000 Menschen über den Innenstadtring markierte den Anfang vom Ende der Deutschen Demokratischen Republik. Erst diese Menschenmassen, so der Rathauschef, hätten „das große Wunder“ bewirkt.

Die Verwaltungsspitze verständigte sich gestern nicht nur auf die Einführung des Gedenktages, sondern auch auf den Fahrplan für die Feierlichkeiten zum 9. Oktober in diesem Jahr. Im März liegt dem Stadtrat dazu ein Beschlussentwurf vor. Das 20-jährige Jubiläum will Jung als „Meilenstein deutscher Geschichte“ feiern. 400 000 Euro stellt die Stadt dafür bereit. In den vergangenen Jahren waren es lediglich 10 000 Euro. Die Hälfte des Budgets fließt in ein großes Lichterfest. An Gebäuden entlang des Innenstadtrings wird es in Erinnerung an die Montagsdemonstrationen Lichtinstallationen geben. Das Fest bereitet die Tourismus und Marketing GmbH mit dem Leipziger Künstler Jürgen Meier vor. Leipzigs Partnerstädte Lyon und Krakau hätten bereits angeboten, das Projekt mit eigenen Präsentationen zu unterstützen.

Im Gewandhaus wird nach den Worten von Kulturbürgermeister Georg Girardet (FDP) die zentrale Festveranstaltung zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution in Sachsen stattfinden. Bestandteil sei die alljährliche „Rede zur Demokratie“ des Bundespräsidenten. Eingeladen seien Vertreter aus Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur sowie Zeitzeugen, Bürgerrechtler und Vertreter demokratischer Basisinitiativen.

An einer Bürgermeister-Konferenz vom 8. bis 10. Oktober werden zudem 30 Stadtoberhäupter, darunter aus den Partnerstädten Leipzigs, teilnehmen. Mit der Konferenz „Demokratie im 21. Jahrhundert. Bilanz und Perspektive“ vom 22. bis 24. Oktober gehen die Feierlichkeiten zu Ende. Anliegen dieses Treffen sei es, aus den Erfahrungen von 1989 heraus den Demokratiediskurs fortzusetzen und diese Erfahrungen für die Zukunft nutzbar zu machen. „Die Veranstaltung soll künftig alle zwei Jahre stattfinden“, sagte Girardet. „Die Demokratieentwicklung in Deutschland sowie in Mittel- und Osteuropa wird ein Leipziger Thema.“

Bis auf die Stelen, die das Bürgerkomitee entlang der Montagsdemo-Route aufstellt, wird es allerdings im Oktober noch keine weiteren Gedenkstätten zum 9. Oktober geben. Derzeit laufen nach den Worten von Oberbürgermeister Jung die Vorbereitungen für ein nationales Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig. Über den Standort soll es eine öffentliche Debatte geben. Jung: „Das müssen die Menschen mitentschieden.“ Eine Ausschreibung für das Mahnmal werde noch in diesem Jahr erfolgen.

Auf Eis liegt erst einmal das von der US-Amerikanerin Miley Tucker-Frost der Stadt angebotene Wende-Denkmal. Ein überarbeiteter Modellvorschlag werde zwar für dieses Jahr noch erwartet. Die Frage des Standortes bleibt allerdings offen. „Wir wollen keine Fakten schaffen, die die Entscheidungsfindung für das nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal eingrenzen“, sagte Kulturbürgermeister Girardet.

Klaus Staeubert

Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/83994.html
© LVZ-Online, 06.01.2009, 14:55 Uhr

Steinmeier für Einheitsdenkmal in Leipzig

Berlin. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat sich für ein Einheitsdenkmal auch in Leipzig ausgesprochen. "Leipzig und seinen Montagsdemonstrationen gehört ein Ehrenplatz in der deutschen Freiheitsgeschichte", sagte der Vizekanzler und SPD- Kanzlerkandidat am Dienstag. "Daher würde ich ein Einheitsdenkmal in Leipzig als Ort bleibender Erinnerung begrüßen."
Steinmeier hatte schon zuvor im Herbst 2008 in der Leipziger Nikolaikirche den 9. Oktober 1989 mit der friedlichen Demonstration der 70 000 Leipziger als "Wendemarke" auf dem Weg zum Fall der Mauer im November 1989 gewürdigt, "an der sich alles entschieden hat". Leipzig sei damals wieder einmal "der Ort für Neubeginn, Weichenstellungen" gewesen. "Hier am 9. Oktober nahm alles seinen Ausgang, hier haben die Bürger ihren Mut und ihre Wut zusammengenommen." Nach dem Willen des Bundestages könnte ein Denkmal in Leipzig das geplante zentrale Einheitsdenkmal auf dem Berliner Schlossplatz ergänzen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) war daher vom Parlament um eine entsprechende Prüfung gebeten worden, inwieweit beide Projekte im Gesamtkostenrahmen von 15 Millionen Euro zu realisieren sind. Neumann will in Kürze mit Vertretern der Stadt Leipzig zusammentreffen, um sich deren Vorstellungen für ein eigenes Einheits- und Freiheitsdenkmal erläutern zu lassen, wie er am Wochenende in einem dpa-Gespräch mitgeteilt hatte.

Nach den bisherigen Vorstellungen der Stadtväter könnte das Leipziger Denkmal zum 25. Jahrestag des Mauerfalls im Jahr 2014 übergeben werden. Für das Berliner Denkmal war Ende vergangenen Jahres der Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden, dessen Ergebnisse zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2009 vorgestellt werden sollen.

dpa

Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/83841.html
© LVZ-Online, 04.01.2009, 21:31 Uhr

Neumann: Leipzig soll Pläne für Freiheitsdenkmal erläutern

Berlin (dpa) - Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) will bereits Anfang des Jahres mit Vertretern der Stadt Leipzig zusammentreffen, um sich deren Vorstellungen für ein eigenes Einheits- und Freiheitsdenkmal in der Stadt der Montagsdemonstration vom Herbst 1989 erläutern zu lassen. Es soll möglicherweise das in Berlin geplante zentrale Einheitsdenkmal auf dem Schlossplatz ergänzen. Der Bundestag hat Neumann um eine entsprechende Prüfung gebeten, inwieweit beide Projekte im vom Parlament bewilligten Gesamtkostenrahmen von 15 Millionen Euro zu realisieren sind.
„Ich nehme den Auftrag sehr ernst und werde schon in Kürze entsprechende Gespräche darüber führen“, sagte Neumann der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Wir wollen nichts aufoktroyieren und erwarten daher die Vorschläge aus Leipzig beziehungsweise Sachsen.“ Der Bund werde auch dieses Projekt finanziell unterstützen, allerdings erwarteten die Haushälter des Parlaments auch eine finanzielle Beteiligung der Stadt Leipzig beziehungsweise des Freistaates Sachsen. „Unabhängig von dieser Mitfinanzierung bleibt abzuwarten, ob ich zusätzliche Mittel beim Haushaltsausschuss des Bundestages beantragen muss.“ Das Leipziger Denkmal könnte nach den bisherigen Vorstellungen der Stadtväter eventuell zum 25. Jahrestag des Mauerfalls im Jahr 2014 übergeben werden. Für das Berliner Denkmal ist jetzt der Architektenwettbewerb ausgeschrieben worden. Neumann spricht in diesem Zusammenhang von einem „wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung dieses national bedeutenden Gedenkprojektes“. Das Denkmal soll von einer Dokumentationsschau über die friedliche Revolution vom Herbst 1989 in der DDR sowie über die Freiheits- und Demokratiebewegungen in den letzten beiden Jahrhunderten in Deutschland ergänzt werden. Das kann laut Neumann in einem eigenen Ausstellungsort neben dem Denkmal oder möglicherweise auch in einem „begehbaren Denkmal“, falls der Architektenwettbewerb eine solche Lösung zulässt, realisiert werden.

Das Gewölbe unter dem Denkmalsockel des früheren Reiterstandbildes Kaiser Wilhelm I. kommt nach den neuesten Untersuchungen laut Neumann „eher nicht“ für die Ausstellungsdokumentation in Betracht, da die Sanierungskosten alleine dafür einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen würden. „Auf dem ohnehin großen Platz gegenüber dem künftigen Stadtschloss sollte für einen Ausstellungsort genügend Raum sein“, meinte Neumann. Er möchte die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs für das Denkmal möglichst zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im November 2009 vorstellen.

Gespräch: Wilfried Mommert, dpa

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LOKALES

Einheitsdenkmal: Jung will Neumann Ideen vorstellen

Leipzig/Berlin (kru/ dpa). Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) wird in den nächsten Wochen Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) die Ideen der Stadt für ein Einheits- und Freiheitsdenkmal vorstellen. Der Rathauschef plädiere „für eine gemeinsame Ausschreibung des Berliner und Leipziger Denkmals in einem internationalen Wettbewerb“, sagte er der LVZ. „Der Standort wird sicherlich noch intensiv im Stadtrat und mit der Bürgerschaft zu diskutieren sein.“ Neumann hatte zuvor Vertreter der Stadt aufgefordert, ihm ihre Vorstellungen zu erläutern. Von den 15 Millionen für beide Objekte bekomme Leipzig fünf, sagte der Leipziger Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber (SPD).

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LVZ - Seite 18

Pläne für Einheitsdenkmal gesucht

Kulturstaatsminister: Leipziger sollen ihre Vorstellungen erläutern /
Weißgerber: Chefsache für Jung

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) will sich bereits in den nächsten Wochen von Vertretern Leipzigs ihre Vorstellungen für ein Einheits- und Freiheitsdenkmal in der Stadt der Montagsdemos erläutern lassen. Es könnte das in Berlin geplante zentrale Einheitsdenkmal auf dem Schlossplatz ergänzen.

Der Bundestag bat Neumann zu prüfen, inwieweit beide Projekte in dem vom Parlament bewilligten Gesamtkostenrahmen von 15 Millionen Euro zu realisieren sind. „Ich nehme den Auftrag sehr ernst und werde schon in Kürze entsprechende Gespräche darüber führen“, so Neumann. „Wir wollen nichts aufoktroyieren und erwarten daher die Vorschläge aus Leipzig beziehungsweise Sachsen.“ Der Bund werde das Projekt finanziell unterstützen, allerdings erwarteten die Haushälter des Parlaments auch eine finanzielle Beteiligung Leipzigs und Sachsens.

„Mit der Aufforderung gibt er endlich zu, dass Leipzig ein solches Denkmal braucht“, sagte der Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber der LVZ. In dem entsprechenden Beschluss des Bundestages vom vergangenen Dezember ist nämlich nicht explizit von einem Denkmal die Rede; er beauftragt die Bundesregierung allerdings, einen besonderen Bezug zu Leipzig herzustellen: „Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf … gemeinsam mit dem Land Sachsen und der Stadt Leipzig den Beitrag der Bürger dieser Stadt zur Friedlichen Revolution auf angemessene und sichtbare Weise zu würdigen.“
Weißgerber kommentierte diesen Satz so: „Ein Blumenstrauß dürfte damit nicht gemeint sein. Wir wollen ein Denkmal. Protzig muss es nicht sein.“ Von den 15 Millionen bekomme Leipzig fünf, so der Bundestagsabgeordnete. Als Standort könne aufgrund der Historie nur der Augustusplatz in Frage kommen. Im März wolle der Haushaltsausschuss einen Bericht von der Bundesregierung über Finanzierungsmöglichkeiten auf dem Tisch haben. Weißgerber: „Leipzig muss sich ranhalten – und der Oberbürgermeister das Ganze zur Chefsache machen.“

Peter Krutsch/dpa

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 22. Dezember 2008
© Leipziger Volkszeitung

Wettbewerb für Einheitsdenkmal beginnt

Berlin/Leipzig (elle/A. G.). Ab sofort läuft der Wettbewerb zur Gestaltung des Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin. Bis 10. März können Künstler ihre Entwürfe einreichen. Die Denkmale in Berlin und Leipzig sollten jeweils für sich sprechen, sagte Günter Nooke (CDU), Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, im LVZ-Interview und regte eine Debatte an. „Ich möchte, dass wir uns neu über unser nationales Bewusstsein unterhalten. Solange Joschka Fischer noch dachte, in Frankfurt Steine gegen ein behauptetes „Unrechtsregime“, die sozial-liberale Koalition in den 70er Jahren, werfen zu müssen, ist es schwierig zuzugestehen, dass man in Leipzig ein wirkliches Unrechtssystem mit Kerzen besiegt hat.“
Der Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber sagte der LVZ, Leipzig sei nun am Zuge, einen Wettbewerb zu gestalten und über den Standort zu diskutieren. Er selbst favorisiert den Augustusplatz.

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Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/82967.html LVZ - Seite 5

INTERVIEW

"Die Helden kommen aus Leipzig"

Günter Nooke: Friedliche Revolution als Gründungsmythos begreifen

CDU-Politiker Günter Nooke über Friedliche Revolution und Einheitsdenkmal

Berlin. Der Mitinitiator des Einheits- und Freiheitsdenkmals und Mitglied der Jury, Günter Nooke (CDU), fordert, die Friedliche Revolution vom Herbst 1989 als Gründungsmythos für das vereinte Deutschland zu begreifen.

Frage: Wieso brauchte es eine zehnjährige Überzeugungsarbeit zu einem Einheits- und Freiheitsdenkmal?
Günter Nooke: Je mehr die Zeit fortschreitet, desto weniger Gegner gibt es, weil es offensichtlich ist, dass die Friedliche Revolution vom Herbst 1989 die einzige erfolgreiche Freiheitsrevolution in der deutschen Geschichte war und den Ausgangspunkt für die Wiedervereinigung nicht nur Deutschlands, sondern Europas bildete. Die Zahl derjenigen wird heute kleiner, die meinen, dass sich die Identität der Bundesrepublik Deutschland nur an der NS-Diktatur und dem industriellen Massenmord an den europäischen Juden festmacht. Heute ist vielen bewusster, dass zum nationalen Gedächtnis nicht nur die negativen Geschichtsereignisse gehören.

Das Denkmal soll also auch ein Bekenntnis zur Nation sein?
Ja. Ich möchte, dass wir uns neu über unser nationales Bewusstsein unterhalten. Solange Joschka Fischer noch dachte, in Frankfurt Steine gegen ein behauptetes "Unrechtsregime", die sozial-liberale Koalition in den 70er Jahren, werfen zu müssen, ist es schwierig zuzugestehen, dass man in Leipzig ein wirkliches Unrechtssystem mit Kerzen besiegt hat. Der eigentliche Knackpunkt der Auseinandersetzung liegt doch im Revolutionsneid der Alt-68er, wenn die namenlosen 70 000 vom 9. Oktober 1989 in Leipzig plötzlich die eigentlichen Helden der deutschen Geschichte sind. Erst wenn den Menschen klar ist, dass der Deutsche Herbst nicht 1977 war, sondern 1989 in Leipzig, dann haben wir im nationalen Bewusstsein der Deutschen etwas erreicht.

Hat sich der Blick auf die deutsche Einheit heute geändert?
Die Entscheidung für das Denkmal nimmt deutsche Geschichte nun anders in den Blick. Man sollte darüber nachdenken, ob die Friedliche Revolution nicht ein Stück neuer Gründungsmythos für das vereinte Deutschland sein kann. Freiheit und Einheit, die 1848 als demokratische Revolution von unten noch scheiterte und Bismarck 1871 als Reichseinheit oktroyierte, diese Einheit in Freiheit wurde 1989/90 erreicht. Diesen glücklichen Ausgang deutscher Geschichte sollten wir uns immer wieder bewusst machen und das Denkmal als Ausgangspunkt für einen neuen Umgang mit Geschichte und ein positiveres Deutschlandbild nehmen.

Wie kann man diese Freiheit und Einheit in einem Denkmal für die Bevölkerung darstellen?
Ein Freiheits- und Einheitsdenkmal auch im Sinne eines Nationaldenkmals sollte man nicht relativieren, indem man es in die Nähe der Mauer stellt. Es soll ein Freudenmal sein, wobei der Ort immer Teil des Denkmals sein muss, nämlich der Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals auf der Berliner Schlossfreiheit. Berlin ist vom Schloss aus gebaut worden und insofern ist der Standort so etwas wie der Logenplatz deutscher Geschichte. Das Denkmal soll ein Stück nationales Zusammengehörigkeitsgefühl stiften und den Auftrag darstellen, sich für Freiheit und Demokratie immer wieder einzusetzen.

Ist es dem Zusammengehörigkeitsgefühl abträglich, wenn es mit Leipzig und Berlin voraussichtlich zwei Standorte gibt?
Die Leipziger müssen selbst entscheiden, was sie in ihrer Stadt umsetzen wollen. Ich war 1999 bei der Einweihung der Nikolaisäule dabei, die ja schon ein Denkmal für die Friedliche Revolution in Leipzig darstellt. Vielleicht kann in Leipzig noch stärker daran erinnert werden, wie die Friedliche Revolution mit den Montagsdemonstrationen im September 1989 und nach der Ausreisebewegung im Sommer davor in der Messestadt ihren Ausgangspunkt hatte. Und natürlich ist der 9. Oktober 1989 das entscheidende Datum vom Herbst '89.

Wäre es nicht sinnvoll, einen Sinnzusammenhang zwischen den Denkmälern in Berlin und Leipzig herzustellen?
Das Berliner Denkmal sollte nicht die Außenstelle des Leipziger Denkmals werden und umgekehrt, beide sollten für sich sprechen. Meiner Ansicht nach sollte man die Gestaltung in Berlin dem Revolutionsslogan widmen: ‚Wir sind das Volk! Wir sind ein Volk!' Das wäre sicher auch für Leipzig denkbar.

Gehört dazu auch ein Ort der Information?
Ich finde es falsch, dass manche jetzt versuchen, die Ausschreibung für den Bau mit einem Ort der Information zu verknüpfen. Ich bin strikt dagegen, statt dem Denkmal jetzt ein Gebäude auf den Sockel zu setzen, Freiheits- und Einheitsdenkmal dranzuschreiben und innen drin nicht mehr zu machen als ein Museum. Ich glaube nicht, dass wir zwingend einen ergänzenden Informationsort brauchen. Ein Denkmal sollte für sich sprechen, deshalb muss es nicht unbedingt abstrakt sein. Aber da sind die besten Künstler gefragt, denn die Aufgabe ist schwierig.

Wann wird das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin endlich stehen?
Im Spätsommer 2009 sollen die ersten Entwürfe der Künstler veröffentlicht werden. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls, also 2014, sind wir auf jeden Fall fertig.

Interview: Ellen Großhans

Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/79782.html
© LVZ-Online, 21.11.2008, 17:22 Uhr

Kostenrahmen ebnet Weg für Leipzig als zweiten Einheitsdenkmal-Standort

Leipzig. Die stellvertretende haushaltspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Petra Merkel, sieht mit der vom Bundestag beschlossenen Summe von 15 Millionen Euro die Beteiligung des Bundes an einem Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig gesichert. „Allein für das Berliner Denkmal wäre die Summe von 15 Millionen Euro zu groß“, sagte Merkel der „Leipziger Volkszeitung“. Mit dem nun bewilligten Volumen sei der Weg für eine „sichtbare Würdigung“ Leipzigs durch Bundesgelder frei.

Mit der Aufforderung des Haushaltsausschusses an die Bundesregierung, eine eigene Würdigung des Beitrags der Leipziger Bürger zur Einheit zu prüfen, werde Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) in die Lage versetzt, Leipzig mit ins Boot zu holen. Es sei jetzt allerdings an der Stadt Leipzig und dem Land Sachsen, ein politisches Zeichen zu setzen, dass sie ein eigenes Denkmal mit Bundesunterstützung wollen. „Die Sachsen müssen jetzt in die Offensive gehen und zeigen, dass sie hinter einem eigenen Freiheits- und Einheitsdenkmal stehen und sich daran auch finanziell beteiligen wollen“, sagte das Kulturausschuss-Mitglied Merkel.

Ein Sprecher Neumanns versicherte, man werde gemäß des Prüfauftrages in nächster Zeit auch Gespräche mit Vertretern des Landes Sachsen und der Stadt Leipzig führen.

Dieter Wonka

Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/79763.html
© LVZ-Online, 21.11.2008, 07:48 Uhr

Bundestagsausschuss bewilligt 15 Millionen Euro für Einheitsdenkmal

Berlin. Für das in Berlin geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal stellt der Bundestag 15 Millionen Euro zur Verfügung. Das hat am Donnerstag der Haushaltsausschuss des Parlaments auf Anregung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) beschlossen. Bisher waren dafür nur fünf Millionen Euro veranschlagt worden. Mit den zusätzlichen Mitteln sollen vor allem Ausstellungshallen für einen Informations- und Dokumentationsort zur deutschen Freiheitsgeschichte entstehen. Sie könnten im unterirdischen Gewölbe unter dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm- Denkmals auf dem Berliner Schlossplatz untergebracht werden.

Nach der erforderlichen EU-weiten Ausschreibung für das Denkmal noch in diesem Jahr könnte der Siegerentwurf zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2009 vorgestellt werden, hieß es in Neumanns Büro am Donnerstag.

Außerdem wurde die Bundesregierung vom Parlament aufgefordert zu prüfen, ob in dem vorgegebenen Kostenrahmen auch der Beitrag der Leipziger Bürger zur friedlichen Revolution von 1989 in der Messestadt gewürdigt werden kann. Der Schriftsteller Christoph Hein hatte die Stadt der damaligen Montagsdemonstrationen den Titel "Heldenstadt" gegeben. Für den SPD-Haushälter und früheren Redner auf den Leipziger Montagsdemonstrationen, Günter Weißgerber, erhalte der eigenständige Denkmals-Standort Leipzig für den Bund damit "de facto Gesetzeskraft", wie er in der Leipziger Volkszeitung (Freitag) formulierte. In der Bundesregierung wird von einer "Prüfung" gesprochen.

Weißgerber regte an, am 9. Oktober 2014 und damit 25 Jahre nach dem 9. Oktober 1989 mit der ersten, von der Nikolaikirche ausgehenden großen Montagsdemonstration das Denkmal in Leipzig zu übergeben und in Berlin am 3. Oktober 2015 "zur "Silberhochzeit der beiden deutschen Staaten" von 1990".

Das Berliner Denkmal soll auf dem Schlossplatz im Zentrum der Hauptstadt errichtet werden. Der Bundestag hatte im November 2007 die Errichtung des Denkmals beschlossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich für das Denkmal stark gemacht. Es sei von "zentraler Bedeutung". Im Interesse "einer größtmöglichen Akzeptanz des Denkmals" sollen sich an dem Wettbewerb Bildende Künstler, freischaffende Kreative, Landschaftsarchitekten und Architekten "aus aller Welt ohne Beschränkung" beteiligen können, betonte Neumann.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse unterstützt Vorstellungen der Initiatoren des Denkmals (von der Deutschen Gesellschaft) zur Nutzung der unterirdischen Gewölbe für das Einheitsdenkmal. Über dem auf 1500 Pfählen gegründeten Fundament für das 1949 abgetragene Denkmal Kaiser Wilhelm I. erhebt sich ein gemauertes Stützgewölbe. Dies wäre für Thierse ein geeigneter "Lernort" für Besucher des Denkmals mit einer Dokumentation der europäischen Freiheitsgeschichte und der deutschen Herbstrevolution von 1989.

dpa

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Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/79782.html
© LVZ-Online, 21.11.2008, 07:48 Uhr

Einheitsdenkmal: Chancen für Leipzig steigen

Wende-Demonstrationen in der DDR 1989 soll jetzt doch als zweiter Standort neben Berlin für ein zentrales Freiheits- und Einheitsdenkmal ins Auge gefasst werden. Nach Informationen der LVZ fasste der Haushaltsausschuss auf seiner abschließenden Bereinigungssitzung für den Etat 2009 mit den Stimmen der Koalition einen entsprechenden Beschluss.

"Im Rahmen des vorgegebenen Kostenrahmens" soll danach "eine eigene Würdigung des Beitrags der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Leipzig zu Freiheit und Einheit in Abstimmung mit der Stadt Leipzig und dem Land Sachsen" verbindlich geprüft werden. Damit erhalte der eigenständige Denkmal-Standort Leipzig für den Bund "de facto Gesetzeskraft", sagte der SPD-Abgeordnete Gunter Weißgerber.

DW

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STICHWORT
Einheitsdenkmal

Im November 2007 hatte der Bundestag die Errichtung eines zentralen Einheitsdenkmals auf dem Berliner Schlossplatz beschlossen. Auch Leipzig als Ausgangsort der Montagsdemonstrationen sollte gewürdigt werden.

Die Kosten für den Standort Berlin haben sich mittlerweile verdreifacht, die angestrebte Fertigstellung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2009 gilt inzwischen als völlig ausgeschlossen. Der SPD-Abgeordnete Gunter Weißgerber warnte gegenüber dieser Zeitung vor einem anhaltenden zeitlichen Fertigstellungs-Wettlauf. Entscheidend sei, dass „nun die einzig richtige Grundsatzentscheidung getroffen“ worden sei. Er regte an, am 9. Oktober 2014, 25 Jahre nach dem 9. Oktober 1989 von Leipzig, das Denkmal in der Messestadt und am 3. Oktober 2015 „zur ‚Silberhochzeit‘ der beiden deutschen Staaten“ ein weiteres Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin einzuweihen.

Der Gestaltungswettbewerb für das Berliner Denkmal ist derzeit noch nicht einmal ausgeschrieben. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hatte kürzlich die schleppende öffentliche Diskussion über das Denkmal beklagt. „Wir vergeben eine große Chance, über unsere Geschichte nachzudenken“, so deren Vorstandsvorsitzender Rainer Eppelmann.

DW

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 10. November 2008
© Leipziger Volkszeitung

Einweihungstermin für Einheitsdenkmal geplatzt

Eppelmann: 9. November 2009 nicht zu halten / Leipzig-Pendant umstritten

Berlin/Leipzig (kru/maj/dpa). Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur schlägt Alarm: Das Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin wird nicht zum 20. Jahrestag des Mauerfalls 2009 fertig. „Wir vergeben eine große Chance, über unsere Geschichte nachzudenken“, so Stiftungschef Rainer Eppelmann. Neben ihm machen sich sächsische Bundestagsabgeordnete weiter für ein korrespondierendes Denkmal in Leipzig stark.

Der Bundestag hatte im November 2007 die Errichtung des Denkmals zur Erinnerung an die friedliche Revolution vom Herbst 1989 beschlossen, das am 9. November 2009 enthüllt werden sollte. Der Termin sei nicht zu halten, selbst eine Grundsteinlegung sei bis dahin nicht sicher, so Eppelmann. „Das läuft nicht optimal.“ Bislang seien weder Finanzierung noch Gestaltung klar. Das zentrale Denkmal soll auf dem Schlossplatz im Zentrum der Hauptstadt errichtet werden. „Ein extra Revolutionsdenkmal zum Herbst 1989 gehört nach Leipzig“, sagte Eppelmann.

Für das Leipziger Pendant kämpfen auch die Leipziger SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Fornahl und Gunter Weißgerber sowie der Unions-Fraktionschef Arnold Vaatz aus Dresden. Die Fraktionsvorstände von CDU/CSU und SPD haben sich bereits für ein Leipziger Denkmal in Verantwortung des Bundes ausgesprochen, ebenso Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Es gibt allerdings im Kulturausschuss keine Mehrheit für Leipzig“, so Weißgerber. „Die Berlin-Lobby steht wie ehedem zu DDR- und Teilungszeiten konträr zur Erfahrungswelt der übrigen Deutschen und blockt das Anliegen noch immer ab.“ Der Ausschuss entscheide in dieser Woche, ob in den Bundestagsantrag auch die Ergänzung „korrespondierendes Denkmal in Leipzig“ aufgenommen werde. „Wir wollen weiter dafür Druck machen“, sagte Fornahl. „Die Zeit drängt.“

Unterstützung kommt auch aus der sächsischen CDU. „Es ist beschämend, dass es überhaupt einen Streit darüber gibt“, sagte die CDU-Fraktionsvize Rita Henke. Die deutsche Einheit nahm mit dem Wendeherbst 1989 in Leipzig ihren Anfang, so Henke, „hier muss mit einem Denkmal die Erinnerung daran wachgehalten werden“.

Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/78426.html

Weißgerber: Berlin-Lobby blockiert Leipziger Wende-Denkmal

Leipzig. Nach der Kritik der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am schleppenden Prozess für den Aufbau des Einheits- und Freiheitsdenkmals in Berlin machen sich erneut sächsische Politiker für ein Revolutionsdenkmal in Leipzig stark.

Für das Leipziger Pendant kämpfen unter anderem die Leipziger SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Fornahl und Gunter Weißgerber sowie der Unions-Fraktionschef Arnold Vaatz aus Dresden. „Es gibt allerdings im Kulturausschuss keine Mehrheit für Leipzig“, kritisierte Weißgerber im Gespräch mit der "Leipziger Volkszeitung" (Montag-Ausgabe). „Die Berlin-Lobby steht wie ehedem zu DDR- und Teilungszeiten konträr zur Erfahrungswelt der übrigen Deutschen und blockt das Anliegen noch immer ab.“

Unterstützung kommt auch aus der sächsischen CDU. „Es ist beschämend, dass es überhaupt einen Streit darüber gibt“, sagte die CDU-Fraktionsvize Rita Henke. Die deutsche Einheit nahm mit dem Wendeherbst 1989 in Leipzig ihren Anfang, so Henke, „hier muss mit einem Denkmal die Erinnerung daran wachgehalten werden.“


Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/78334.html
© LVZ-Online, 08.11.2008, 12:38 Uhr

Verzögerung bei Bau des Einheitsdenkmals - Eppelmann: "Das läuft nicht optimal"

Berlin. Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hat die schleppende öffentliche Diskussion über das künftige Einheits- und Freiheitsdenkmal kritisiert. „Wir vergeben eine große Chance, über unsere Geschichte nachzudenken“, sagte Vorstandsvorsitzender Rainer Eppelmann anlässlich des 19. Jahrestages des Mauerfalls an diesem Sonntag. Eine breite Debatte könnte die innere Einheit der Deutschen befördern.

Der Bundestag hatte im November 2007 die Errichtung des Denkmals zur Erinnerung an die friedliche Revolution vom Herbst 1989 beschlossen, das zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2009 enthüllt werden sollte. Der Termin sei ohnehin nicht zu halten, sagte Eppelmann. Auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hatte den Termin in Frage gestellt.

Selbst eine Grundsteinlegung bis zum 9. November 2009 sei nicht sicher, sagte Eppelmann. „Das läuft nicht optimal.“ Bislang seien vor allem die Finanzierung und Gestaltung offen. „Wir wollen kein Denkmal allein für ein paar DDR-Bürgerrechtler“, sagte der frühere, kritische Pfarrer in der DDR.

Aus seiner Sicht sollte der zivilcouragierten Kampf der Deutschen um Einheit, Freiheit und Demokratie in Berlin gewürdigt werden. „Ein extra Revolutionsdenkmal zum Herbst 1989 gehört nach Leipzig“, sagte Eppelmann. In Leipzig wurde mit den Montagsdemonstrationen das Ende der DDR eingeläutet.

Das zentrale Denkmal soll auf dem Schlossplatz im Zentrum der Hauptstadt errichtet werden. Kulturstaatsminister Neumann hält den Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals an der einstigen Schlossfreiheit dafür am besten geeignet. Eppelmann monierte, dass der Wettbewerb für die Gestaltung des Denkmals noch nicht ausgeschrieben sei. Ursprünglich sollte bereits im Frühjahr 2009 über die Entwürfe diskutiert werden.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler lobte, dass sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Besuch der Stiftung in dieser Woche für das Denkmal stark gemacht habe. Es sei von „zentraler Bedeutung“, hatte die Kanzlerin gesagt. Sie hoffe auf eine Diskussion über die „Zeit der Veränderung“ zur Wiedervereinigung.

Die Stiftung hatte bereits in einem eigenen Wettbewerb Entwürfe vorgelegt, um Denkanstöße zu geben. „Jeder Bundestagsabgeordnete hat sie in die Hand bekommen.“ Doch die Chance, aus dem einmütigen Votum des Bundestages ein gesellschaftliches Nachdenken über die eigene Geschichte zu entfachen, sei bisher nicht genutzt worden. „Das ist einfach abgeebbt“, sagte Eppelmann. Dies sei auch deshalb bedauerlich, weil Jugendliche wenig über die DDR-Diktatur wüssten.

Unterdessen plant die Deutsche Gesellschaft in der nächsten Woche eine erste Diskussionsrunde zu dem künftigen Denkmal mit dem Vorsitzenden des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, dem Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbach und der Berliner Grünen-Politikerin Franziska Eichstädt- Bohlig. Der Verein engagiert sich seit langem für ein Einheitsdenkmal.

dpa

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 10. Oktober 2008
© Leipziger Volkszeitung

Leipzig erinnert an 9. Oktober ’89

Nacht der Kerzen auf dem Nikolaikirchhof / Steinmeier warnt vor „Geschichtsklitterung“

Leipzig (A.G./tom/epd). Die Leipziger haben gestern an den 9. Oktober 1989 erinnert. Mehr als 8000 Menschen versammelten sich am Abend auf dem Nikolaikirchhof, wo sie aus Kerzen eine große „89“ zum Leuchten brachten. Bereits am Nachmittag fand das traditionelle Friedensgebet statt. Außerdem forderte Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in einer Rede in der Nikolaikirche, dem Tag ein größeres Gewicht in der deutschen Erinnerungskultur zu verschaffen.

Am 9. Oktober 1989 waren in der Messestadt rund 70 000 Menschen auf die Straße gegangen, um für Menschenrechte zu demonstrieren. An diesem Tag hätten die Bürger ihre Wut und ihren Mut zusammengenommen und ihre Freiheit und ihr Leben für eine neue politische Zukunft riskiert, so Steinmeier, der die traditionelle „Rede zur Demokratie“ am Jahrestag der friedlichen Proteste hielt. Er wandte sich zudem gegen eine „Geschichtsklitterung“ und eine Verharmlosung des SED-Unrechts. Das Zeugnis der 70 000 Montagsdemonstranten sei die wichtigste Waffe gegen diese Tendenzen.

Im anschließenden Friedensgebet warnte auch Superintendent Martin Henker vor der Verklärung der Geschichte. Die DDR sei nicht nur ein Staat großer sozialer Nähe und überschaubarer Lebensperspektiven gewesen. Vielmehr habe die SED ein „System der Verweigerung menschlicher Grundrechte“ errichtet. „Wer den Zusammenbruch der verlogenen Diktatur miterleben durfte, sollte ein Leben lang dafür dankbar sein“, sagte der evangelische Theologe.

Neben der „Rede zur Demokratie“, die jedes Jahr ein anderer Spitzenpolitiker hält, und dem Friedensgebet gehörte in diesem Jahr auch ein Demokratieforum mit dem Aufbau-Ost-Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) im Leipziger Gewandhaus zu den Veranstaltungen zum 9. Oktober. Am Abend erinnerte zudem die Lichtinszenierung Nacht der Kerzen an die dramatischen Ereignisse vor 19 Jahren. Alle Leipziger waren aufgefordert, mit einer Kerze an der Gestaltung einer großen, leuchtenden „89“ auf dem Nikolaikirchhof mitzuwirken. Insgesamt kamen laut Angaben der Veranstalter über 8000 Menschen. Das gemeinsame Gedenken wurde zudem mit historischen Aufnahmen untermalt.

Auch der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) war zur Nacht der Kerzen gekommen. Er unterstrich dabei noch einmal die Forderung nach einem nationalen Einheitsdenkmal für die Stadt. Es wäre für ihn schwer erträglich, wenn es ein solches Denkmal nur in Berlin gäbe. Verkehrsminister Tiefensee, der unmittelbare Amtsvorgänger von Jung, äußerte zudem die Erwartung, dass sich beide Denkmäler in Berlin und Leipzig aufeinander beziehen. Zuvor hatte sich auch Steinmeier in der Nikolaikirche für einen „Ort bleibender Erinnerung“ ausgesprochen. Leipzig habe es verdient.


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 9. Oktober 2008
© Leipziger Volkszeitung

Steinmeier befürwortet Einheitsdenkmal in Leipzig

Heute Gedenken in der Nikolaikirche / Gauck kritisiert DDR-Nostalgie

Berlin/Leipzig (DW/hil/A.G./abö). Frank-Walter Steinmeier hat sich im Interview mit der Leipziger Volkszeitung für ein Einheitsdenkmal des Bundes auch in Leipzig ausgesprochen. Der designierte SPD-Kanzlerkandidat wird heute in der Leipziger Nikolaikirche eine Rede aus Anlass des 19. Jahrestages der entscheidenden Montagsdemo halten. Auch Joachim Gauck, Ex-Bundesbeauftragter für die Stasi-Akten, äußert sich im Interview zum 9. Oktober.
„Natürlich ist der 3. Oktober wichtig als der Tag der Wiedervereinigung oder der 9. November als Tag der Grenzöffnung. Das waren wichtige Stationen auf dem Weg zur Einheit. Aber der 9. Oktober 1989 ist und bleibt für mich der Tag, an dem bürgerliches Selbstbewusstsein und Mut über ein autoritäres Regime siegten“, sagte Steinmeier im LVZ-Interview.
Zwei Tage zuvor habe Michail Gorbatschow Erich Honecker in Berlin gewarnt, wer zu spät komme, den bestrafe das Leben. „Dann machten die Menschen in Leipzig mit Kerzen und Transparenten auf der Montagsdemo ernst. Für mich ein wunderbarer Tag in der deutschen Demokratiegeschichte!“, so Steinmeier weiter.
Aus Anlass des 9. Oktober blickt auch Joachim Gauck zurück. „In Zeiten der DDR-Nostalgie kommt vielen das Verständnis dafür abhanden, dass 1989 eine Revolution notwendig und von den meisten unterstützt wurde“, sagte der ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Akten im LVZ-Interview. „Ein Rückblick, der sich auf Dinge wie Spreewaldgurken beschränkt, kommt ohne Schmerz, ohne Trauer und ohne Scham aus – und wird deshalb von vielen bevorzugt“, so Gauck. Die Suche von SPD-Politikern nach Übereinstimmungen mit den Linken sei gefährlich, warnte er. Wo der Sozialismus herrschte, habe es immer Unfreiheit und Verarmung gegeben. „Angesichts der Niedrig-Renten und -Löhne der DDR ist es ein Hohn, sie als Sozialstaat darzustellen.“
Auch Erfolgsautor Michael Jürgs, der heute Abend in Leipzig aus seinem neuen Buch („Wie geht‘s, Deutschland?“) liest, hat eine Bilanz der deutschen Einheit gezogen. In einem Interview zollt er jungen Ostdeutschen Respekt. Auf seinen Reisen habe er bei ihnen einen „fast amerikanischen Optimismus gespürt“, sagte er.

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Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/75452.html
© LVZ-Online, 09.10.2008, 11:29 Uhr

Steinmeier: Auch Leipzig sollte ein offizielles Wende-Denkmal erhalten

Leipzig. Der designierte SPD-Kanzlerkandidat und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich für ein eigenständiges Einheitsdenkmal des Bundes auch in Leipzig ausgesprochen. In einem Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“ sagte der SPD-Politiker anlässlich des 19. Jahrestages der großen Leipziger Montags-Demonstration vom 9. Oktober 1989 zur Begründung:
„Natürlich ist der 3. Oktober wichtig als der Tag der Wiedervereinigung oder der 9. November als Tag der Grenzöffnung. Das waren wichtige Stationen auf dem Weg zur Einheit. Aber der 9. Oktober 1989 ist und bleibt für mich der Tag, an dem bürgerliches Selbstbewusstsein und Mut über ein autoritäres Regime siegten.“
Zwei Tage zuvor habe Michail Gorbatschow noch Erich Honecker in Berlin gewarnt, wer zu spät komme, den bestrafe das Leben. „Dann machten die Menschen in Leipzig mit Kerzen und Transparenten auf der Montags-Demo ernst. Für mich ein wunderbarer Tag in der deutschen Demokratiegeschichte!“, so Steinmeier. Deshalb wäre es konsequent wenn die Bundesrepublik nicht nur in Berlin sondern auch in Leipzig ein Einheits-Denkmal errichte.

Dieter Wonka

Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/66248.html
© LVZ-Online vom: Mittwoch, 25. Juni 2008

Leipziger Pfarrer Führer in Jury für Berliner Einheitsdenkmal

Berlin. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse und der frühere Pfarrer der Leipziger Nikolaikirche, Christian Führer, gehören zur Jury für das geplante Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin. Das geht aus dem Bericht hervor, den Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Mittwoch im Bundestagskulturausschuss zur Realisierung des vom Bundestag beschlossenen Denkmals vorlegte. Führer gehörte zu den Initiatoren der Leipziger Montagsdemonstrationen im Herbst 1989, die von der Nikolaikirche ausgingen und wesentlich zur friedlichen Revolution in der DDR beigetragen haben.

Weitere Jurymitglieder sind unter anderem der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), der in der Bürgerbewegung der DDR aktiv war, und der Historiker und frühere Berliner Kultursenator Christoph Stölzl. Zu den Stellvertretern gehören unter anderem der Schriftsteller Thomas Brussig ("Helden wie wir", "Sonnenallee") sowie der erste freigewählte und zugleich letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière.
Das Denkmal soll auf dem Berliner Schlossplatz am Sockel des einstigen Kaiser-Wilhelm-Denkmals errichtet werden. Dessen Kellergewölbe bietet sich laut Neumann für eine Dokumentation der deutschen Freiheitsbewegungen an, wobei auch an die Ereignisse in Leipzig 1989 erinnert werden könnte. Als Termin für die Grundsteinlegung ist der 9. November 2009 als 20. Jahrestag des Mauerfalls von 1989 vorgesehen.

In einer ersten Stufe ist ein offener und unbegrenzter Architektenwettbewerb geplant, später sollen 20 Arbeiten in die engere Wahl kommen. Als Kosten hat der Bundestag eine Obergrenze von fünf Millionen Euro veranschlagt. "Das Denkmal selbst muss der Größe des Ortes und der geplanten Nachbarbebauung Rechnung tragen", heißt es in Neumanns Vorlage. Auf dem Schlossplatz wird zurzeit die Ruine des DDR-Palastes der Republik abgerissen, ab 2010 wird mit dem Bau des Humboldt-Forums mit den historischen Fassaden des Berliner Stadtschlosses begonnen.

dpa

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 19. Juni 2008
© Leipziger Volkszeitung

DDR-Geschichte: Mitmachbereitschaft ohne Bindungskräfte

Mit dem Gedenkstättenkonzept des Bundes schmettert Bernd Neumann das Sabrow-Konzept zur Erkundung des Diktatur-Alltags ab

Leipzig/Berlin. Für die Sabrow-Kommission hatte Kulturstaatsminister Bernd Neumann nicht einmal einen Nebensatz übrig. Das schwarz-rote Kabinett beschloss gestern das Gedenkstättenkonzept des Bundes für die kommenden Jahre, und CDU-Politiker Neumann hielt es in einer anschließenden Erklärung für angemessen, die umstrittene Zuarbeit unerwähnt zu lassen. Experten unter Leitung des Potsdamer Historikers Martin Sabrow hatten noch zu rot-grünen Zeiten von Neumanns Vorgängerin Christina Weiss den Auftrag erhalten, sich über die SED-Diktatur Gedanken zu machen. Das Gremium, zu dem auch Rainer Eckert, Chef des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, zählte, schlug vor, in Berlin ein „Forum Aufarbeitung“ zu schaffen. Es solle unter anderem „die Bindungskräfte“ der DDR erfassen, „die von ideologischer Überzeugung über soziale Aufstiegsmöglichkeiten und wirtschaftliche Grundsicherung bis hin zu missmutiger Loyalität reichten“.
Als das Sabrow-Papier nach anderthalbjährigem Nachdenken vorlag, hatte längst Neumann das ministerielle Ruder übernommen und den Kurs gewechselt. „Es muss deutlich werden, dass die Menschen in der DDR einer umfassenden staatlichen Kontrolle unterlagen und einem massiven Anpassungsdruck ausgesetzt waren“, heißt es im gestern beschlossenen Konzept. Gezeigt werden soll, welche Instrumente die SED einsetzte, um die Gesellschaft – von der Kinderkrippe an – „ideologisch zu durchdringen“. Die Idee von den Bindungskräften ist abgeschmettert, stattdessen wird nur eine „Mitmachbereitschaft der Gesellschaft“ erwähnt.
So stehen bei der Erinnerung Mauer, Unterdrückung und Stasi im Vordergrund. Auch bei der Darstellung des Alltags gelte es, „einer Verklärung und Verharmlosung der SED-Diktatur und jeder ,Ostalgie‘ entgegenzuwirken“. Zu den vom Bund gewürdigten Stätten gehören gleich drei in Leipzig – das Zeitgeschichtliche Forum, die Runde Ecke und das Archiv Bürgerbewegung. Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Kolbe kündigte gestern an, sich dafür einzusetzen, dass auch der Jugendwerkhof Torgau „in das Förderprogramm des Bundes endgültig aufgenommen wird“. Eine zügige Auflösung der Birthler-Behörde ist vom Tisch, über deren Zukunft wird laut Neumann erst nach 2009 entschieden.

„Die Unvergleichlichkeit von NS-Terrorherrschaft und SED-Diktatur steht bei dem Gedenkstättenkonzept außer Frage“, betonte der Staatsminister. Zu den wichtigsten Orten der Erinnerung an die NS-Diktatur zählen laut dem Papier die Gedenkstätten Münchner Platz in Dresden und Mittelbau-Dora in Thüringen.

Armin Görtz

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 7./8. Juni 2008
© Leipziger Volkszeitung

Mutig auf Kanzel und Drahtesel

Erst renitent, dann am Boden zerstört und nun gelassen: die Leben des Pfarrers Christoph Wonneberger

2009 wird die Friedliche Revolution 20 Jahre alt. In einer Porträtserie werden bekannte, unbekannte, aber auch schon vergessenene Geschichten von Menschen publiziert, die in vorderster Reihe mit dafür sorgten, die gehasste SED-Diktatur zu beseitigen.

Von THOMAS MAYER

Christoph Wonneberger (64) hat wieder einmal Großes vor. Der passionierte Radfahrer nimmt an der am 12. Juni in Paris startenden Friedensfahrt teil. Sie führt in sechs Wochen über 3500 (!) Kilometer nach Moskau. Im Internet ist Näheres über diese Veranstaltung zu erfahren. Auf der Startseite ist auch ein Spruch von Kurt Tucholsky zu lesen, der auf Wonneberger, einen der wichtigsten Wegbereiter der Friedlichen Revolution in Sachsen, zutrifft: „Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.“ Der gebürtige Erzgebirgler aus Wiesa und ehemalige Pfarrer der Leipziger Lukaskirche in Volkmarsdorf und der Koordinator der Friedensgebete sitzt ganz entspannt im Schneidersitz auf der Couch in seiner Wohnung nahe des Fockeberges und denkt über das Leben nach.
Den größten Einschnitt hatte es für den Christen und friedlichen Revolutionär Wonneberger am Abend des 30. Oktobers 1989 gegeben. Dass damals 200 000 Menschen friedlich und mit Sprechchören wie „Wir sind das Volk“ über den Leipziger Ring demonstrierten, war zu großen Teilen auch ihm zuzuschreiben. Der untersetzte, stets drahtig daher kommende Mann schien an jenem Tag zu den Siegern der Geschichte zu gehören – und er wurde auf einmal doch nicht mehr gebraucht. Manch anderer drängte sich vor die auf einmal Zuhauf erschienenen Kameras und Mikrophone. An diesem Montagabend brach Wonneberger mit einem Hirn-Infarkt zusammen.
Als der damals 45-Jährige aus der Bewusstlosigkeit erwachte, hatte er die Sprache verloren. Die Rehabilitation war höchst mühsam, Wonneberger musste das Leben fast komplett neu erlernen. Der Infarkt hat Spuren hinterlassen – noch heute hat er Probleme beim Formulieren –, doch er schaffte mit großem Willen seine Wiedergeburt. Die evangelisch-lutherische Kirche versetzte ihn freilich noch während der Zeit der Genesung in den vorzeitigen Ruhestand. Man habe ihn genötigt, sagt er heute. Ergänzt aber auch entschuldigend für seinen Arbeitgeber: Eine volle Stelle habe er ja aber auch nicht mehr ausüben können.
Seit 1991 muss Christoph Wonneberger nun ohne seine eigentliche Berufung leben. Die Kirche ist ihm mit den Jahren sogar ziemlich fern geworden. Auch er hat erfahren, dass sich im Lauf der Jahre der Blick auf die Ereignisse wandelt – oder doch sogar verklären? „Wonni“, wie er von seinen Freunden nur genannt wird, hat sich sichtbare Gelassenheit antrainiert. Oder ist die doch nur sehr gut überspielte Resignation?
Grund dafür hätte Wonneberger. Denn nicht er steht kurz vorm 20-jährigen Jubliäum der Friedlichen Revolution im Rampenlicht, sondern, wie man weiß, andere. Dabei war doch Wonneberger der „Erfinder“ der das Ende der DDR befördernden Friedensgebete. Er hatte sie bis zum August 1988 an der Nikolaikirche inszenieren dürfen – bis der Pfarrer einen Brief von seiner Kirchenleitung bekam: „Lieber Bruder Wonneberger, ... stelle ich fest, dass Sie von ihren bisherigen Aufgaben entbunden sind.“ Dem SED-Staat war das Treiben der Christen nicht mehr geheuer. Wonneberger: „Auch die Kirche sollte ausführendes Organ des Machtapparates sein. Aber bitte ohne mich.“
Der aufmüpfige Geist ließ sich keinen Maulkorb anlegen, und am 25. September 1989, als der friedliche Ausgang der Revolution noch immer nur in den kühnsten Träumen vorkam, sprach er erneut in St. Nikolai: „Stasi-Apparat, Hundertschaften, Hundestaffeln sind nur Papiertiger. Also fürchtet euch nicht.“ 2000 Menschen sangen zum eigenen Mutmachen „We Shall Overcome“ und zogen aus der Kirche. An die 6000 Menschen überraschten die Staatsmacht und gingen zu deren Überraschung sogar ein paar Hundert Meter auf den Leipziger Ring. Seit den Ereignissen im Juni 1953 hatte es so eine politische Demonstration nicht mehr gegeben.
Nicht wenige sagen noch heute: „Wonneberger, das war unser wichtigster Mann.“ Der so Belobigte winkt ab, er will das heute weder bestätigen noch dementieren – er weiß aber nur zu gut: Es gab eigentlich niemand anders, der zu Zeiten, als an die Friedlichen Revolution noch niemand zu denken wagte, bereit war, so viel Risiko einzugehen. „Mein Ding war es immer, alles öffentlich zu machen.“
Jungspund Wonneberger hatte beispielsweise im Sommer 1968 an der Moldau die heißen Tage des Prager Frühlings erlebt und im Untergrund Flugblätter verteilt. Das Ende einer großen Hoffnung auf die Freiheit traf ihn hart. Wonneberger blieb mutig. Er lernte sogar Polnisch, um sich mit der Solidarnocz-Bewegung solidarisieren zu können. Und er war zu Beginn der 1980-er Jahre in Dresden aktiv, als von ihm und der Dresdner Weinbergsgemeinde die Initiative Sozialer Friedensdienst ausging, die ein DDR-weites Netz von Friedensgebeten angeregt hatte. Gern erinnert sich der Revolutionär, der zu Studienzeiten eine FDJ-Gruppe von unten, und nicht von oben gegründet hatte, an die kirchlichen Friedensdekaden, bei denen bis hin zum Protest diskutiert wurde, was den Kirchenleitungen nicht immer, ja, dann immer weniger gefiel. Auch gründete er 1987 die kirchliche Arbeitsgruppe Menschenrechte, was für damalige Zeiten auch ein mutiges Novum darstellte. Die damit verbundenen Aktivitäten führten zu schweren Konflikten mit staatlichen und mit kirchlichen Stellen. Die Stasi legte über den Bürgerrechtler „Operative Vorgänge“ an.
Glaubt Wonneberger eigentlich mit seinen Erfahrungen noch an Gerechtigkeit auf Erden? „Aber ja. In der Gerechtigkeit und in der Wahrheit liegt doch meine innere Kraft. Und mein Glaube war meist stärker als der von der Kirche gelebte Unglaube.“ Nun glaubt „Wonni“ aber auch ganz andere Dinge. Beispielsweise daran, bis nach Moskau mit dem Rad fahren zu können.

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In der Serie „Helden der Friedlichen Revolution“ erscheinen weitere Beiträge über Jochen Läßig, Thomas Rudolph, Michael Arnold, Katrin Hattenhauer, Gesine Oltmanns, Jürgen Tallig, Brigitte Moritz, Rainer Müller, Roland Quester, Gisela Kallenbach, Friedel Fischer.


Freiheits- und Einheitsdenkmal in Leipzig

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 15. April 2008
© Leipziger Volkszeitung

Lesermeinung

Stiftung sollte ins Leben gerufen werden

Zur Diskussion um den Standort des Einheitsdenkmals:

Nach dem beschämenden Beschluss des Bundestags, nur ein Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin zu errichten und der jetzigen relativen Ruhe um ein solches Denkmal in Leipzig, sollten wir Leipziger eine Stiftung ins Leben rufen, damit nicht vergessen wird, welchen Mut die 70 000 am 9. Oktober 1989 aufbrachten und damit die Freiheit und dann die Einheit errangen. Ein Aufruf der LVZ an die mutigen 70 000 von damals und die Gewinnung von Persönlichkeiten aus ganz Deutschland für eine deutschlandweite Stiftungs- und Spendenaktion ohne öffentliche Mittel wäre zu nutzen. Damit wäre es möglich, das wahre Freiheitsdenkmal zu gestalten, analog der Errichtung des Völkerschlachtdenkmals vor 95 Jahren.
Leipzig mit Freiheitsdenkmälern 1813 und 1989. Ich stehe zur Mitarbeit bereit, auch mit einer Spende. Machen wir es den Dresdnern nach, die es mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche vorgemacht haben. Ohne Leipzig und die Sachsen gäbe es auch diesen Wiederaufbau nicht. Eine entsprechende Mail wurde auch an den Oberbürgermeister und Kanzlerin Angela Merkel gesendet.

Helmut Taube, 04249 Leipzig

Leserbrief von Arnold Vaatz (MdB) an den Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung

Berlin, 26.02.2008

Wir waren keine Bilderstürmer. Solche Primitivität ekelte uns an, wir lehnten es ab denen zu gleichen, deren Herrschaft wir abschütteln wollten.

Die Initiatoren der 89er Revolution waren nicht ihre Sieger. Die neue Freiheit haben jene am besten für sich genutzt, die sie vorher am rigorosesten bekämpft haben: Die alten Eliten der untergegangenen DDR. Sie waren uns an Herrschaftswissen, Führungserfahrung, Personalkenntnis, materieller Ausstattung, Frechheit und Dreistigkeit weit überlegen. Sie rekrutierten Komplizen aus den westdeutschen Apparaten. Diese halfen ihnen zunächst, sie zu adaptierten. Als Dank durften sie sich die Lebensträume ihrer Eitelkeit erfüllen und in Ostdeutschland Führungspositionen übernehmen, die sie im Westen nie erlangt hätten. Dort nahmen sie - manus manum lavat - in feiner Witterung die Herzensanliegen der alten ostdeutschen Eliten auf und setzten sie mit dem Eifer verspäteter Helden der Arbeit um.

Die Zeit ist nun reif für die alten Eliten, ihre Erfolge abzurunden. Nach der Sanierung ihrer Machtpositionen wollen sie diese auch zur Schau stellen. Das geschieht, indem sie die Symbole ihres früheren Lebens frisch poliert wieder aufstellen. Angriff ist die beste Verteidigung. Dass sich möglichst viele Protagonisten der Revolution von 1989 durch dieses Zur-Schau-Stellen von Macht beleidigt und gedemütigt fühlen, ist beabsichtigt.

Deshalb vollenden sie jetzt Ulbrichts Weg. Das Marx-Relief folgt nicht den Trümmern der Paulinerkirche in deren Massengrab, die Etzoldschen Sandgruben. Die Revolutionäre von 1989 enden als Bild der Lächerlichkeit. Die Revolution von Leipzig wird in Leipzig begraben. Unter den ungestürmten Bildern von Karl Marx. Die Welt gratuliert.

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Lesen Sie auch:
- Rainer Fornahl (MdB) - "Zum Umgang mit dem „Marx-Relief“ der Leipziger Universität"


Quelle: FOCUS 11/2008
© FOCUS 2008

STANDPUNKT

Die Geister, die wir riefen ...

Linke Sozialdemokraten haben die Gefahr durch die neue Linke selbst heraufbeschworen und die mehrfach umgetaufte SED Jahr für Jahr groß gemacht

Von Gunter Weißgerber

GUNTER WEISSGERBER Der 52 jährige SPD Bundestagsabgeordnete aus Leipzig gehört dem Parlament seit 1990 an. Bei den Montagsdemonstrationen 1989/90 trat er als engagierter sozialdemokratischer Redner auf

Die erst in SED-PDS und dann in PDS umbenannte SED lag 1989/90 am Boden. Gegenüber dem Ruf "Wir sind das Volk" und den neuen politischen Kräften, besonders der frisch gegründeten SDP, waren die alten Kader zunächst rat- und machtlos. Als erster Helfer sprang ihnen Oskar Lafontaine in der West-SPD bei, indem er den Einheitswunsch der Deutschen miesmachte.

Im Frühjahr 1990 trafen sich Vertreter der "Parlamentarischen Linken" in der SPD mit PDS-Theoretikern zur Sinnsuche, und wenig später wurden diese Gespräche mit Kräften aus dem Umfeld von Bündnis 90/Die Grünen intensiviert. Ergebnis dieser Zusammenarbeit war die linkspopulistische "Erfurter Erklärung" von 1997, die rot-rot-grüne Regiorungsbündnisse zum Ziel hatte. 1992 räumte Manfred Stolpe sein schwieriges Verhältnis zum MfS ein. Er wollte damit Diskussionen rechtzeitig vor dem nächsten Wahltag in Brandenburg versanden lassen. Für das politische Klima in Ostdeutschland hatte dies verheerende Wirkung, Plötzlich war die MfS-Grauzone salonfähig. So konnte in Potsdam ein ehemaliger Stasi-Zuträger als PDS-Kandidat im OB-Wahlkampf bekennen: "Ich stehe zu meiner Biografie." Ein Satz, der vorher nicht durchgegangen wäre. Diesen Stimmungsumschwung griffen bedenkenlose Strategen in der SPD auf. Eine Aussicht auf zukünftige Machtteilung suggerierte "Pragmatismus": Die PDS würde die SPD des Ostens, so wie die CSU die CDU des Südens ist. Nur, wo blieb in dieser aller inhaltlichen Substanz entleerten Milchmädchenrechnung die ostdeutsche SPD?

Die Lafontainisten ermutigten 1994 die Sachsen-Anhalt-SPD zur Minderheitsregierung mit PDS-Tolerierung. 1998 wurde in Magdeburg offen zusammengearbeitet und in Mecklenburg-Vorpommern mit den dunkelroten Genossen koaliert. Das kam sozialdemokratischen Ritterschlägen für die PDS gleich. Berlins SPD-PDS-Koalition ab 2002 erschien dann schon als "Normalfall" - ausgerechnet in der Stadt Willy Brandts, wo die SED einst die Mauer baute. Die PDS-nahen Linken in der SPD hatten ihr Ziel erreicht: Die PDS war eine selbstverständliche Koalitionsoption geworden. Viele ließen sich einreden, die Ablehnung der linksextremen Gegner der Demokratie und auch der Antikommunismus seien nicht mehr zeitgemäß- Natürlich gab es auch Opfer auf dem Altar der Machtspiele. Durch das Autpäppeln der Konkurrenz wurden die Sozialdemokraten in Thüringen und mehr noch die in Sachsen, dem Ursprungsland des Volksaufstands von 1989, für das Buhlen um die PDS vom Wähler bestraft. Gerade in Sachsen ging die Landes-SPD in genau den Regionen unter, wo sie über die PDS fabulierte.

Doch das war erst der Anfang des Irrwegs, Die SPD-internen Auseinandersetzungen um die Agenda 2010 lieferten den Katalysator, der Die Linke zum vermeintlich "normalen" Bestandteil der politischen Landschaft werden ließ. Es waren die SPD-internen linken Fundamentalkritiker der Reformen, die als ständige Kronzeugen angeblich unsozialer SPD-Politik das Lebenselixier für Die Linke destillierten, PDS-Strategen in- und außerhalb der SPD haben sich mit Hilfe des trojanischen Vehikels WASG des entsprechenden Teils ehemaliger SPD-Anhänger vor allem bei den Gewerkschaften bemächtigt, Wer von "linken Mehrheiten" träumt, der richtet sich im 30-Prozent-Turm ein und verzichtet auf sozialdemokratische Meinungsführerschaft. "Links von der Mitte" klingt manchem reizvoll, aber "ohne die Mitte gibt es in der Demokratie keine Mehrheit" (Willy Brandt), Kleiner Mehrheitsbeschaffer sollte die PDS alias Die Linke werden, zu einer ruinösen Konkurrenz für die SPD hat sie sich entwickelt. Große Teile der politischen Klasse wie auch der Medien haben das herbeigeredet,

Eine Mär bedarf noch der Aufklärung: "Die SPD hätte die SED aufnehmen ollen, und alles wäre für die Sozialdemokratie besser geworden!" Unpolitischer geht es nicht. Die SED-Funktionäre wären nicht ohne ihre Ressentiments gegenüber dem westlichen Bündnis und dessen Wertegemeinschaft gekommen. SPD-Bundesparteitage mit der Hälfte an Delegierten dieser Einstellung waren nicht den Führern der freiheitlichen Sozialdemokratie gefolgt, sondern hätten die SPD von der Mitte der Bundesrepublik an deren verfassungsgefährdenden linken Rand geschoben.


Quelle: FOCUS 10/2008
© FOCUS 2008

ZEITGEIST

Die Rückkehr der
Lenin-Ritter

Mit den sozialistischen Wahlerfolgen erleben alte Symbole und tote Ideale eine Restauration

In der Hamburger "Fabrik" feierten die Sozialisten und redeten Klartext. "Eingepfercht zwischen Liechtenstein und den Linken" müsse sich die gutbetuchte "Parallelgesellschall in Blankenese" Sorgen um ihre Zukunft machen, drohte der pensionierte Lehrer und Landesvorständler Horst Bethge. "Enteignen werden wir sie nicht, dafür haben wir noch nicht die Macht," Aber seine Linken würden die Wohlhabenden und Etablierten künftig "treiben und quälen".

"He, wer schreitet dort rechts aus? Links! Links! Links!" Der sowjetische Revolutionspoet Wladimir Majakowski hätte heute seine helle Freude, wie sich Teile der deutschen Gesellschaft getreu seinem Gedicht wieder auf den "Linken Marsch" begeben. Die SPD will eine Partei des demokratischen Sozialismus bleiben. Die Partei des Demokratischen Sozialismus bejubelt jetzt unter der Marke "Die Linke" seit der Bundestagswahl in den Ländern einen Wahlerfolg nach dem anderen. In nur neun Monaten zogen die mehrfach umgetauften SED-Erben gleich in vier Landlage des Westens ein. "Es gibt eine Linksverschiebung im gesellschaftlichen Bewusstsein", hat Hubert Kleinen, Politikprofessor an der Verwaltungshochschule Wiesbaden, beobachtet. "Die Unzufriedenheit mit der Marktwirtschaft ist gewachsen, die zieht sich bis in die CDU-Klientel hinein", analysiert der frühere Realpolitiker der Grünen. Wachsenden Renditen der Unternehmen stünden sinkende Realeinkommen gegenüber, das erkenne und fühle auch die Mitte der Gesellschaft. Deswegen erfahre linkes Denken, das Anfang der 90er-Jahre verpönt schien, heute wieder politische Konjunktur. "Hartz IV war ein Reanimationsprogramm für die PDS-ML - mit Lafontaine", erklärt sich der frühere Bürgerrechtler Werner Schulz den Aufschwung.

Die Restauration der Linken ist in vollem Gang. Im Sog der Wahlwelle tauchen alte Gespenster wieder auf, die anscheinend kaum noch schrecken. Der Ex-PDS-Ehren Vorsitzende Hans Modrow darf sich in der "Bild"-Zeitung freuen, dass es nach den jüngsten Wahlerfolgen nach 55 Jahren "in Ländern der ehemaligen alten Bundesrepublik wieder kommunistische Fraktionen" gibt. Symbole, für die sich mancher Genosse und Anhänger schämte, taugen heute wieder zu neuem Selbstbewusstsein. So trommelt die Fraktion der Linken im Jenaer Stadtrat jetzt dafür, die im März 1992 vor dem Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität entfernte Karl-Marx-Büste wieder aufzustellen. Das sozialistische Bronzewerk von 1953 soll nicht umsonst gegossen sein.

Auch auf dem Gelände der Universität Leipzig will die westdeutsche Führung der Alma Mater den kommunistischen Vorzeigephilosophen wieder auferstehen lassen. Seit 1974 prangte das monströse DDR-Staatsrelief "Leninismus - Marxismus unserer Epoche" im heroischen Stil des sozialistischen Realismus am Hauptgebäude der damaligen Karl-Marx-Uni. Zuvor ließ SED-Chef Walter Ulbricht 1968 die Universitätskirche sprengen. Durch einen notwendigen Abriss im Jahr 2006 für einen Campus-Neubau verschwand es. "Das Relikt von Ulbricht und Honecker hat in der Öffentlichkeit nichts zu suchen - schon gar nicht unkommentiert. Es muss eingelagert werden", protestiert der Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber. Noch gibt es laut Umfragen von MDR und "Leipziger Volkszeitung" eine Mehrheit in der Bevölkerung gegen die Wiederaufstellung des Marx-Reliefs in der Messestadt. Doch Weißgerber schwant noch Schlimmeres: "Im Zuge der linken Restauration bleibt nur noch die Frage, wann sie den Massenmörder Lenin rekultivieren."

Stets auf Wacht. Der Landeshauptstadt Schwerin blieb der erste Sowjetführer bis dato erhalten. Als das dortige Lenin-Denkmal endlich einmal weg sollte, machten die PDS und ihr Umfeld dagegen im Stadtrat mit Erfolg mobil. Dass jedoch Lenin nicht der gute Arbeiter für Frieden und Gerechtigkeit war, sondern einer Diktatur des Grauens den Weg bereitete und in seinem sowjetischen Reich Millionen Menschen - egal ob Arbeiter, Bauern, Soldaten oder Intellektuelle - grausam umbringen ließ, wollen viele Links-Sympathisanten nicht mehr wissen. Zumindest eine Info-Tafel ordnet nun das leninsche Schreckensregime für den Betrachter ein. Ein akutes Wahmehmungsdefizit in Deutschland sieht dabei Bürgerrechtler Schulz: "Der Faschismus wurde geächtet, der Kommunismus gilt dagegen immer noch als verunglückte Menschheitsbeglückung trotz millionenfacher Todesfolge."

Knapp 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staaten erkennt auch der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe: "Die Zeit der Scham und des schlechten Gewissens ist endgültig vorbei," Er warnt: "Ein unsensibler Umgang mit Symbolen der Diktatur führt zur schleichenden Rehabilitierung des SED-Regimes." So studieren Nachwuchsmanager heute im ehemaligen Berliner Staatsratsgebäude unter dem DDR-Wappen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz in der European School Of Management and Technologie (ESMT). Die neuen Hüter des Hauses schätzen die Ostalgie. "Warum hätten wir das DDR-Wappen rausschmeißen sollen?", fragt ESMT-Finanzexperte Wolfgang Fischer. Gerhard Schröder ließ das Symbol wenigstens noch mit einem Tuch verhüllen, als das Kanzleramt nach dem Berlin-Umzug in dem Gebäude vorübergehend gastierte.

Drei Quellen für die Wiedergeburt macht Historiker Knabe aus: "unpolitische Ostalgie, fehlgeleiteter Denkmalschutz und politische Absicht". Seine Mitarbeiter recherchierten, dass heute noch 45 Straßen oder Plätze in den neuen Ländern nach Lenin benannt sind, an den früheren DDR-Präsidenten und SED-Funktionär Wilhelm Pieck erinnern 90 Orte, Karl Marx wird 479-mal im Osten und 71-mal im Westen gewürdigt. "Verantwortlichen des Kommunismus wird tausendfach gedacht, während Opfer und Gegner dieser Diktatur vergessen werden", kritisiert Knabe. Es verwundere also nicht, dass dem DDR-Regimekritiker Robert Havemann nur siebenmal im Osten und dreimal im Westen ein Straßenname gewidmet wurde.

Unermüdlich marschieren Zehntausende Linke dieser Republik jährlich im Januar zur Gedenkstätte für die ermordeten Sozialistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nach Berlin-Friedrichsfelde. Zu DDR-Zeiten war es eine heilige Pflicht für die "Berliner Werktätigen" wie für die Partei- und Staatsfunktionäre, an dieser Kultprozession teilzunehmen. Am 13. Januar 2008 wohnte der Kranzniederlegung wie einst SED-Chef Erich Honecker nun der frühere Sozialdemokrat aus dem Westen und jetzige Vorsitzende der Linkspartei Oskar Lafontaine bei. In der Ehrenformation der Parteiführung könnte ihm entgangen sein, dass Anhänger der Kommunistischen Plattform seiner Partei bei der Demonstration skandierten: "Marx, Engels, Lenin, Stalin. Viva' Viva! Viva!" Einem Ex-Bürgerrechtler kommt da das Gruseln. Kaum einer störe sich noch an der Kommunistischen Plattform der Linken, klagt Schulz und fragt: "Was wäre los in Deutschland, wenn eine rechte Partei eine faschistische Plattform hätte?"

OLAF OPITZ

Leipzig, am 28. Februar 2008

"Leninismus - Marxismus unserer Epoche"

Die Leipziger Universität hat es heute wieder klar gemacht. Das Relief "Leninismus - Marxismus unserer Epoche" soll zukünftig im öffentlichen Raum an der Jahnallee stehen. Damit stellt sich die neue Universitätsleitung in die politische Kontinuität der alten SED-Universitätsleitung. Diese machte vor 50 Jahren den Vorschlag, die Paulinerkirche zu beseitigen und ließ das marxistisch-leninistische Siegesmahl an Stelle der Kirche anbringen. Auf die Bevölkerung wurde damals ebenso wenig Rücksicht genommen wie heute! Nur die Folgen haben sich geändert. Wer sich damals friedlich wehrte, ging größte Gefahren für Leib und Leben ein. Die Leipziger, die sich heute friedlich wehren, können das im Ergebnis ihrer Selbstbefreiung (die im Wesentlichen ohne Zutun der damaligen Karl-Marx-Universität glückte) ohne Gefährdung tun. Dies ist der einzige Unterschied zwischen dem Marx-Uni-Gestern und dem Marx-Uni-Heute.
Unterschiedlos dagegen ist das damalige Ignorieren des mehrheitlichen Bevölkerungswillens gegen die Sprengung der Kirche und die heutige Ignoranz gegenüber dem breiten Widerstand in der Bevölkerung gegen die jetzige Aufstellung des Reliefs im Stadtzentrum.

Begrüßenswert ist die Verpflichtung der Universität, das Relief künftig mit wichtigen historischen Informationen zur Stadt-, Universitäts- und Paulinergeschichte zu versehen.

Viele Leipziger erwarten außerdem die würdevolle Gestaltung des "Paulinergrabes" in Probsthaida. Diese Aufgabe ist dringender als die erneute Demütigung mit dem Relief "Leninismus - Marxismus unserer Tage"!

Die Leipziger Universität hat sich wieder einmal sehr unrühmlich in die Geschichte Leipzigs eingebracht!

Gunter Weißgerber MdB


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 25. Februar 2008 (Seite 17)
© Leipziger Volkszeitung

Marx-Relief

„Es muss eingelagert werden“

Das Karl-Marx-Relief mit seiner politischen Botschaft trifft noch immer auf die ablehnende große Mehrheit der Leipziger. Das sagte gestern der Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber. Er bezog sich auf die Ergebnisse des LVZ-Telefons (TED). Danach hatten sich 50,37 Prozent der Anrufer für das Einschmelzen oder Einlagern des Reliefs ausgesprochen. Das „Relikt von Ulbricht und Honecker“ habe in der Öffentlichkeit überhaupt nichts zu suchen, so Weißgerber. „Es muss eingelagert werden.“ Sollte dieses nicht geregelt werden könen, dann gehöre es in den Erinnerungspark Probstheida – „und zwar kommentiert“.

Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff meinte, dass es sich bei dem Relief „um ein monströses Kampfinstrument des SED-Staates“ handele. Es sei eingesetzt worden, um Diktatur und Bevormundung gegen die Freiheit des Wortes und der Kirche durchzusetzen. Nicht von ungefähr sei das Relief an der Stelle des Ostgiebels der 1968 gesprengten Universitätskirche installiert worden. Das sei „eine gewalttätige Blasphemie perfidester Art und ein Missbrauch der Persönlichkeit von Karl Marx durch den SED-Staat und die Universität Leipzig“. Mit diesem Relief sollte nach Wolffs Ansicht eine „ideologische Anbetungsstelle“ geschaffen werden: Marx gegen das freie Wort in Universität, Kirche und Gesellschaft.
Nur vor diesem Hintergrund könne heute ein angemessener Umgang mit dem Relief gefunden werden, so Wolff. Es gebe nur einen sinnvollen Ort für die Ablagerung: Das sei die Etzoldsche Sandgrube, die mit den Trümmern der zerstörten Universitätskirche gefüllt sei. Er hoffe, dass sich diesem Vorschlag die Universität und der Oberbürgermeister anschließen könnten.
Dagegen sprach sich FDP-Stadtratsfraktionschef Michael Burgkhardt („ich bin von meiner Weltanschauung her alles andere als ein Marxist“) für den Erhalt des Reliefs aus. „Ich meine, dass es notwendig ist, den Marxisten einen Ort für ihre Trauerbewältigung zu erhalten“, sagte er. Das sei wichtig, denn nur so könne man den Schmerz über einen Verlust wirksam überwinden. Der Standort auf dem Uni-Campus in der Jahnallee sei außerordentlich geeignet. Burgkhardt: „Hier, am Ort der ehemaligen Schmiede des DDR-Leistungssports mit seinen ganzen ideologisierten Auswüchsen, steht Marx gewissermaßen auf Heimaterde.“

mi

Gunter Weißgerber - Mitglied des Deutschen Bundestages
Rainer Fornahl - Mitglied des Deutschen Bundestages

10. April 2008

Pressemeldung

Leninismus-Relief und Paulinerkircheninstallation

Vor dem Hintergrund des fehlenden Willens, das sogenannte Marx-Relief in der Mulde der Etzoldschen Sandgrube zu Füßen des Paulinerhügels zu platzieren, erklären wir, dass der Vorschlag des Leipziger Oberbürgermeisters, die Paulinerkircheninstallation über das Relief an der Jahnallee zu setzen, eine angemessene Kompromisslösung darstellt und umgesetzt werden muss.

Dies nehmen wir zum Anlass, die derzeitige Diskussion vom Kopf auf die Füße zu stellen:

1. Die Reihenfolge der Schritte ist falsch:
Vor einer Relief-Aufstellung muß der Campus-Teil Aula den Namen Paulinerkirche erhalten sowie der Paulinerhügel in Probstheida würdig gestaltet werden. Stadt und Universität sind aufgefordert, bis zum 30. Mai, dem 40. Jahrestag der Kulturschande von Leipzig, eine belastbare Konzeption vorzulegen!

2. Das Relief muß liegend unter der Paulinerkircheninstallation platziert werden! Das so entstandene Ensemble bedarf der Kommentierung in geeigneter Weise.
Das Ziel der zukünftigen Anlage ist schnell umschrieben: Von der Anlage kommt jeder klüger zurück. Zeugnisse barbarischer Akte von Diktaturen haben in Demokratien keinen Platz!

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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 11. April 2008 (Printausgabe - Seite 17)
© Leipziger Volkszeitung

SPD-Politiker fordern Konzept für Paulinergrab

Das Marx-Relief darf nach Ansicht der Leipziger SPD-Bundestagsabgeordneten Gunter Weißgerber und Rainer Fornahl erst dann wieder aufgestellt werden, wenn die derzeit entstehende Universitätsaula am Augustusplatz den Namen Paulinerkirche bekommen und der Hügel mit den Trümmern der Paulinerkirche in Probstheida eine würdevolle Gestaltung erfahren hat. „Stadt und Universität sind aufgefordert, bis zum 30. Mai, dem 40. Jahrestag der Kulturschande von Leipzig, eine belastbare Konzeption vorzulegen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Es wäre doch „eine weitere Schande, vor der Ehrung der Kirchenüberreste die Wiederaufstellung des Leninismus-Reliefs zu diskutieren“, sagte Weißgerber gegenüber LVZ.
Wie berichtet, hatte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) bereits im Februar zusagt, den Park in Probstheida, in dem die Trümmer der 1968 gesprengten Paulinerkirche vergraben sind, in einen historischen Park umzugestalten. Er hatte die Verwaltung beauftragt, einen Umsetzungsvorschlag zu unterbreiten.
Weißgerber und Fornahl unterstützen die von Jung ins Gespräch gebrachte Kompromisslösung zum Marx-Relief. Diese sieht vor, auf dem Sportcampus an der Jahnallee über das Bronzemonument eine Stahlinstallation mit dem stilisierten Giebel der Kirche zu setzen. Allerdings: „Das Relief muss liegend unter der Paulinerkircheninstallation platziert werden“, forderten die Sozialdemokraten.

K. S.

Gunter Weißgerber
Mitglied des Deutschen Bundestages

Presseerklärung

23.02.2008

LVZ und BILD haben Telefonumfragen zum Verbleib des Marxismus-Reliefs gemacht.
Der "Wahrheitsgehalt" von einfachen Telefonumfragen besitzt nicht die Vertrauenswürdigkeit von Umfragen, die institutionell ermittelt werden.
Ein grundsätzliches Fazit ist dennoch ziehbar.
Ich gebe aus den Ergebnissen der Telefonaktionen beider Zeitungen folgendes zu bedenken:

  1. Vorbemerkung: LVZ- und Bild-TED lassen jedermann unzählig oft anrufen. Eine Umfrage-institutionelle Grundlage können die Zahlen nicht sein.
  2. Den gut organisierten Apologeten der alten Elite und den Studenten ist es nicht gelungen, eine Show-Mehrheit für Campus- und Moritzbastei-Aufstellung zu organisieren.
  3. LVZ (50,37 %)- und BILD-Mehrheit (80,2 %) lassen den legitimen Schluss zu, die meisten Leipziger wollen das Monstrum überhaupt nicht. Die TED-Mehrheit in der LVZ entstand innerhalb eines "links-liberalen" Spektrums der Leipziger, die BILD-Mehrheit dürfte einem anderen großen Teil der Leipziger zugerechnet werden. Kleinere Überschneidungen sind möglich, die Mehrheit der Einschmelzer scheint größer als von den Apologeten angenommen.
  4. Die 3,27 % für den Park Probsthaida müssen den 50,37 % für das Einschmelzen bzw. das Einlagern zugerechnet werden. Ich bin bspw. mit dem Herzen für das Einschmelzen und mit dem Hirn für das Lehrstück in Probsthaida. Ich denke, das gilt für die meisten der 3,27 %-Stimmer. Wenn schon aufstellen, dann im historischen Zusammenhang!

Fazit:

  1. Das Relief mit seiner politischen Botschaft trifft noch immer auf die ablehnende große Mehrheit der Leipziger.
  2. Das Relikt von Ulbricht und Honecker hat in der Öffentlichkeit (unkommentiert) überhaupt nichts zu suchen! Es muss eingelagert werden.
  3. Wenn 2. das nicht geregelt werden kann, dann gehört der "Historische und dialektische Materialismus bzw. der Marxismus-Leninismus in Gestalt des Reliefs" in den Erinnerungspark Probsthaida. Und zwar kommentiert!

Gunter Weißgerber


Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 18. Februar 2008 (Seite 17)
© Leipziger Volkszeitung

Trümmergrab mit Marx-Relief

SPD-Politiker Weißgerber fordert Uni auf, historischen Park für Paulinerkirche in Probstheida anzulegen

Gottlos und verlassen: Kaum etwas erinnert an das traurige Geheimnis, das in dem Erdhaufen schlummert. Dabei liegt unter der verwitterten und von Sprayern mit Farbe zugekleisterten Betonkappe auf dem Hügel im Freizeitpark Südost der Schmerz so vieler Leipziger begraben. Hierher, in die Etzoldsche Sandgrube in Probstheida, waren 1968 die Trümmer der gesprengten Paulinerkirche vom Augustusplatz gebracht worden. Die Diskussion um das Marx-Relief, das die Universität auf dem Sportcampus in der Jahnallee wieder aufstellen will, hat diese alte Wunde erneut aufgerissen.

„Wer das Marx-Relief mit seiner politischen Botschaft wieder aufstellt, der muss auch die Grabstätte, die die Trümmer der Kirche für das Marx-Relief aufnehmen musste, in einen würdigen Zustand versetzen“, fordert der Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber. „Das Marx-Relief schmücken und das Elend des Paulinerschuttberges in Probstheida leichtfertig hinnehmen – das ist unzulässig.“ Weißgerber sieht die Universität in der „moralischen Pflicht“, bis zu ihrer 600-Jahr-Feier 2009 die ehemalige Sandgrube in einen historischen Park umzugestalten und nur dort das Marx-Relief aufzustellen. Das sei sie nicht zuletzt ihren Gelehrten schuldig. „Unter der Kirche waren auch viele Uni-Professoren begraben, deren leibliche Überreste mit dem Schutt einfach in die Kiesgrube gekarrt wurden“, so Weißgerber. „Das war ein Zivilisationsbruch ohnegleichen.“

Und die Verantwortung dafür trage die Universität. Weißgerber erinnert an den Bericht des Rates der Stadt über die Erfüllung der Beschlüsse zum Aufbau der Innenstadt vom 17. November 1960. Darin heißt es, die Uni habe der Stadt vorgeschlagen, „die gesamte Fläche zwischen Karl-Marx-Platz und Universitätsstraße zur Errichtung eines neuen großzügigen, in die Architektur des sozialistischen Platzensembles eingefügten Universitätskomplexes zur Verfügung zu stellen, das heißt, den jetzigen Bestand an Bauten, einschl. der Universitätskirche abzubrechen.“ Daher müsse die Alma Mater Geld für einen Ort der Erinnerung ausgeben. „Nicht nur die 300 000 Euro für das aberwitzige Aufstellen des Marx-Reliefs als moderner sozialistischer Botschaft auf dem Gelände der DHfK sind hier zu berappen, nein, der zukünftig würdige Zustand der kirchlichen Überreste bedarf ebensolcher Anstrengungen“, sagt Weißgerber.

Auch seine Bundestagskollegen Rainer Fornahl (SPD) und Arnold Vaatz (CDU) lehnen die Aufstellung auf dem Sportcampus ab, unterstützen statt dessen die Park-Idee. „Wir waren keine Bilderstürmer“, erklärt Vaatz. Folge das Relief nicht den Trümmern der Kirche, würden die Revolutionäre von 1989 „als Bild der Lächerlichkeit“ enden und die friedliche Revolution „unter den ungestürmten Bildern von Karl Marx“ begraben.

Wie berichtet, hatte die Uni selbst schon 1992 beschlossen, das Relief – sollte es vom Uni-Hauptgebäude entfernt werden – in Probstheida mit erklärenden Tafeln aufzustellen. Nun verlangen die drei Parlamentarier, „diesen Beschluss zügig umzusetzen“. Weißgerber: „Wir wollen Geschichte nicht entsorgen, wir wollen die kreative Auseinandersetzung mit ihr.“
Wie dies aussehen könne, ist in der ungarischen Hauptstadt zu sehen. Dort waren nach dem Umsturz alle kommunistischen Denkmäler eingesammelt und an einem zentralen Platz aufgestellt worden. Der Statuenpark ist heute eine der Sehenswürdigkeiten von Budapest.

Klaus Staeubert

Gunter Weißgerber
Mitglied des Deutschen Bundestages

Presseerklärung

Berlin, 14. Februar 2008

Die Leipziger Universität in der selbstgestellten Falle:
Verantwortung für die ganze Geschichte der Universität.
Für einen historischen Park in den Etzold'schen Sandgruben!

Die Begründung der Universität für das Wiederaufstellen des Marx-Reliefs lautet simpel ausgedrückt: Die Universität steht zu ihrer Geschichte, deshalb auch zu ihrer 40jährigen marxistischen Geschichte beispielhaft am Marx-Relief vorgeführt.

Nun denn, wenn das gilt, dann gilt dies erst recht für die 600jährige Geschichte der Universität mit ihrer Kirche!

Wer das Marx-Relief mit seiner politischen Botschaft wieder aufstellt, der muss auch die Grabstätte, die die Trümmer der Kirche für das Marx-Relief aufnehmen musste, in einen würdigen Zustand versetzen!

Das Marx-Relief schmücken und das Elend des Paulinerschuttberges in Probsthaida leichtfertig hinnehmen - das ist unzulässig!

Die Universität steht in der Pflicht, weil sie sich mit dem Marx-Relief zu ihrer Verantwortung und Geschichte bekennt und deshalb den Paulinerkirchenanteil ihrer Geschichte nicht ausklammern kann.

Die Universität steht wegen ihres Bekenntnisses zur Verantwortung für ihre marxistische Geschichte auch in der Verantwortung für die Entscheidungen ihrer marxistischen Vorgänger. Niemand zwang die jetzige Universität in die Verantwortung für ihre Diktaturgeschichte. Dies entschied die jetzige Universitätsleitung aus eigenen Stücken!

Deshalb steht sie auch für die Preisgabe der Kirche zum Abbruch von 1968:
Es war die Universität, die den Abbruch vorschlug. Hier die Aktenlage:
Bericht des Rates der Stadt über die Erfüllung der Beschlüsse zum Aufbau der Innenstadt vom 17. November 1960:

"...Der Beschluss Nr. 233 [des Rates der Stadt vom 24. September 1959] legte fest, ...für die Westseite die Sicherung des teilzerstörten Universitätsgebäudes (Baujahr 1961, Aufwand 2,0 Mio DM, Innenausbau nach 1966)...
Außerdem ergaben mehrfache Verhandlungen mit der Karl-Marx-Universität, daß der Wiederausbau des teilzerstörten Universitätshauptgebäudes keine zweckmäßige, wirtschaftliche und ausreichende Lösung ihrer Raumbedürfnisse bringt. Sie schlug vor, ihr die gesamte Fläche zwischen Karl-Marx-Platz und Universitätsstraße zur Errichtung eines neuen großzügigen, in die Architektur des sozialistischen Platzensembles eingefügten Universitätskomplexes zur Verfügung zu stellen, das heißt, den jetzigen Bestand an Bauten einschl. der Universitätskirche abzubrechen...".

Die Universität steht in der unabweisbaren moralischen Pflicht, bis zur 600-Jahr-Feier der Universität Leipzig die Überreste ihrer grundlos und nach Vandalenart zerstörten Kirche in der Etzold'schen Sandgrube für die Nachwelt in einen würdigen Zustand zu versetzen. Hierfür muss die Universität Geld ausgeben. Nicht nur die 300 000 € für das aberwitzige Aufstellen des Marx-Relief als moderner sozialistischen Botschaft auf dem Gelände der DHfK sind hier zu berappen, nein der zukünftig würdige Zustand der kirchlichen Überreste bedarf ebensolcher Anstrengungen!

Wer die kurze marxistische Geschichte seiner Universität als Begründung des öffentlichen Wiederaufstellens des Marx-Reliefs herhalten lässt, der muss mehrere hundert Jahre Paulinerkirche erst Recht als Begründung für erhebliche Anstrengungen gelten lassen! Beide Probleme lassen sich einfach lösen:

Das Gelände der Etzold'schen Sandgrube, die "Grabstätte" der Paulinerkirche, wird zu einem historischen Park mit dem Berg der Trümmer der Kirche und dem Marx-Relief umgestaltet.

Bilderstürmerei wäre das nicht und dennoch ein großes Stück historischer Gerechtigkeit! Die Nachwelt könnte viel lernen! Zumal sachkundige und historisch einwandfreie Tafeln zur Erläuterung auf dem Gelände die historischen Zusammenhänge gut erläutern könnten.

Gunter Weißgerber


Gunter Weißgerber MdB

11.02.2008

Zur Diskussion um das Marx-Relief in Leipzig

Sozialdemokraten befinden sich schnell in der Klemme, wenn es um das Nicht-SPD-Mitglied Marx oder um Kritik an Marx geht bzw. wenn sich die Diskussion um das Leipziger Marx-Relief dreht. Geht es doch längst nicht mehr um die historische Person Marx in ihrer Widersprüchlichkeit, seit Jahrzehnten dreht sich alles um das Idol Marx, welches sich wie in vielen anderen bedeutenden historischen Fällen ebenfalls geschehen, längst verselbständigt und von der historischen Person entfernt hat.
In diesem Sinn stellt sich aus meiner Sicht die Frage, wird mit dem Marx-Relief dem Menschen und Philosophen Marx bei aller Umstrittenheit ehrend gedacht oder einem Idol und seinem Glaubensgebäude gehuldigt? Die Antwort gaben bereits Ulbricht und Fröhlich unseligen Angedenkens. Mit dem Relief sollte der Endsieg des Materialismus über die Religionen und hier besonders der Schlag über die christliche Lehre öffentlich zur Schau gestellt werden. Um der Infamie die Spitze zu geben und um nichts an der Deutlichkeit des Ansinnens fehlen zu lassen, musste die obsiegende neue Glaubensrichtung von Stund' an mittels des Reliefs genau am Platz der 1968 gesprengten Universitätskirche verkündigt werden. So war es der politische Wille der kommunistischen Weltenlenker. Soviel zur Vorgeschichte des Reliefs.
Ich war immer der Meinung, das Relief gehört der ihm eingebläuten Saga gemäß an die Stelle einer der größten Schandmale dieser Stadt gekippt - auf die Kiesgrube in Probsthaida, konkret: auf den "Friedhof" der Universitätskirche. So könnte sich die Nachwelt ihre eigenen Gedanken zur Vergänglichkeit staatlich geschützter Heilslehren machen. Ich fände es nur gerecht. Gerechter jedenfalls als die erneute Zur-Schau-Stellung der Ulbricht'schen Drohung mit dem Marx'schen Theoriegebäude an wissenschaftlich herausragender Stelle - wie von der Leipziger Universität derzeit geplant.
Selbstverständlich kann die Universität mit ihrem Geld umgehen, wie sie es für nötig hält - wenn es denn tatsächlich ihr Geld ist. Doch ob Ulbrichts Wille nach unsäglichen Ideologiejahrzehnten erneut in die Tat umgesetzt werden muss, das sollte sich sehr gut überlegt werden.


Stand: 2. Juni 2010
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Gunter Weißgerber
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