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Friedensgebet
Wissen braucht Wurzeln - Friedensgebet für die neue Universitätskirche St. Pauli
12. Januar 2008
17 Uhr
Nikolaikirche Leipzig
Stellungnahme des Aktionsbündnisses "Neue Universitätskirche St. Pauli"
zum Ergebnis des Vermittlungsgesprächs bei Bundesanwältin Prof. Monika Harms
vom 15. Dezember 2008
Das Aktionsbündnis "Neue Universitätskirche St. Pauli" begrüßt das Ergebnis des Vermittlungsgesprächs bei Bundesanwältin Prof. Monika Harms. Im Einzelnen stellt das Aktionsbündnis fest:
- Wir stellen fest, dass der Freistaat Sachsen die Universitätskirche St. Pauli baut und diese von der Universität Leipzig auch so benannt wird.
- Wir gehen davon aus, dass die Universität Leipzig die Universitätsgottesdienste an Sonn- und Feiertagen um 11.00 Uhr garantiert.
- Wir freuen uns, dass durch die Erklärung die Weichen dafür gestellt wurden, dass die Kanzel am historischen Ort aufgestellt wird.
- Wir bedauern, dass der Dissens zur Glaswand weiter besteht.
Aktionsbündnis "Neue Universitätskirche St. Pauli"
Prof. Dr. Rainer Eckert - Rainer Fornahl - Martin Henker - Regina Schild - Rolf Sprink - Walter Christian Steinbach - Dr. Andreas Stötzner - Gunter Weißgerber - Christian Wolff
15. Dezember 2008
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Begrüßung
Informationen
Predigt
Felix Mendelssohn Bartholdy "Paulus"
Gebet und Vaterunser
Ansagen
Segen
Orgelmusik
Ausführende:
Aktionsbündnis "Neue Universitätskirche St. Pauli";
Predigt: Prof. Dr. Klaus Fitschen;
Begrüßung und Segen: Superintendent Martin Henker;
Leipziger Universitätschor, Leitung und Orgel: Universitätsmusikdirektor David Timm, Orgel (Mendelssohn Bartholdy): Clemens Lucke
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Informationen
Seit unserem letzten Friedensgebet im Januar vorigen Jahres ist am Augustusplatz ein Gebäude emporgewachsen, das uns an die 1968 verloren-gegangene Universitätskirche erinnern soll. Die vorübergehenden Menschen nehmen es auch als eine Kirche wahr. Eines ist für uns unumstößlich: Was von außen wie eine Kirche aussieht, soll im Inneren auch Kirche sein. Alles andere wäre vor dem Hintergrund der Geschichte dieser Universitätskirche ein nicht zu überbietender Zynismus.
Zunächst: Mit der Teilnamensgebung "Universitätskirche St. Pauli" im Untertitel und der Zusage, dass der Universitätsgottesdienst "grundsätzlich" sonn- und feiertags stattfinden kann, hat sich die Universität zu ihrer Kirche bekannt. Das ist die g u t e Nachricht.
Anmerkung: der Universitätsgottesdienst hat zwei antichristliche Diktaturen über 50 Jahre ohne Unterbrechung schadlos überstanden. Erst jetzt wurde dies in Zusammenhang mit dem Neubau der Universitätskirche und Aula erstmalig überhaupt infrage gestellt. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse bezeichnete dies jüngst als "radikalen Traditionsbruch".
Wesentliche Fragen zur Gestaltung des Innenraums sind nach wie vor offen bzw. unbefriedigend gelöst. Die Vereinbarung, die vor der Sprengung geretteten Epitaphien, den Paulineraltar und die Kanzel nach ihrer Restaurierung an den historischen Ort zurückzubringen, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. Jetzt gilt es, darauf aufzubauen und Ort und Zeitpunkt der Aufstellung einzufordern.
Die Evangelische Landeskirche hat die Restaurierung der Kanzel übernommen und wird für die Finanzierung sorgen. Der Paulinerverein hat hierfür 50.000 € bereitgestellt, wenn die Kanzel einen Platz im zukünftigen Kirchenschiff findet. Die Diskussion darüber, ob sie im sogenannten Aula- oder im sogenannten Andachtsraum oder woanders Platz findet, sei innerhalb der Hochschule noch nicht abgeschlossen und der Paulineraltar verbleibe auf Basis eines Leihvertrages bis zum Jahr 2013 in der Thomaskirche, so der Rektor. Aber: Der Kirchenvorstand der Thomasgemeinde hat sich bereit erklärt, den Altar auch früher zurückzugeben, wenn keine Glaswand gebaut und die Kanzel aufgestellt sowie das Haus "Universitätskirche St. Pauli" heißen wird.
Von den ca. 80 geretteten Eptaphien ist nach Angaben der Kustodie eine z. T. frei schwebende Hängung von 21 im veränderten Chorraum - ohne Chorschranken - vorgesehen. Im Kirchenschiff dagegen ist die Aufstellung nicht eines einzigen geborgen Kunstwerkes vorgesehen.
Die Kunstwerke wurden unter schwierigsten Umständen geborgen und sind ein kostbarer Schatz, dem sich der Bau unterzuordnen hat.
Zur Frage einer Trennung zwischen Chorraum und Kirchenschiff sind die Teil-nehmer am Vermittlungsgespräch im Dissens auseinander gegangen, was wir bedauern. Hierbei will sich die Universitätsleitung gegen alle Proteste und entgegen allen Warnungen hinsichtlich der Auswirkungen einer Trennwand auf die Akustik durchsetzen. Die Ausschreibung der Glaswand ist bereits abgeschlossen. Es liegen zwei Angebote vor, die z. Zt. geprüft werden. Der Einbau ist ab April, also unmittelbar vor dem 41. Jahrestag der Sprengung, vorgesehen.
Eine Rückkehr zu dem 2004 von Erick van Egeraat vorgelegten Entwurf des Innenraums ist noch möglich. Die technischen Voraussetzungen dafür sind gegeben. Eine nach ästhetischen, denkmalsgerechten und akustischen Gesichts-punkten gestaltete neue Universitätskirche wäre die zwingende Antwort auf die Sprengung von 1968. Sie würde dann auch außerhalb von Leipzig als etwas ganz Besonders wahrgenommen. Der sächsische Finanzminister Professor Georg Unland hat auf dem Richtfest nicht umsonst gesagt: "Deutschland schaut auf diese Baustelle."
Bald kommt es darauf an, dass dieses Haus von uns als Kirche nicht nur wahr-genommen, sondern auch angenommen wird. Das beginnt mit dem Gebrauch des Namens und setzt sich fort im Besuch der Gottesdienste und Konzerte. Auch wenn es noch dauern wird, bis die Universitätskirche hoffentlich wieder im alten Glanz erstrahlt, mit dem Paulus-Altar, der wunderschönen barocken Kanzel von Valentin Schwarzenberger, einer neuen Jehmlich-Orgel und der gesamten kunsthistorisch wertvollen und reichen Ausstattung aus vielen Jahrhunderten, sollten wir nicht müde werden, dafür einzutreten, zu werben und schließlich auch zu kommen.
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Friedensgebet Nikolaikirche
Predigt - 12. Januar 2009 - Prof. Dr. Klaus Fitschen
Wissen braucht Wurzeln
Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Mit dieser Seligpreisung aus der Bergpredigt Jesu grüße ich Sie alle, auch die, die womöglich keinen Wert darauf legen, Gottes Kinder zu heißen. Die Universität Leipzig steht in ihrem 600. Jahr, und was würde man sich mehr wünschen, als dass Friede in ihr herrschte, Friede und Eintracht, so wie es die stolzen Lübecker auf ihr Holstentor schrieben und wie es dem antiken Ideal eines Cicero entspricht, das der Kirchenvater Augustinus ins Christliche hinein übersetzte. Friede und Eintracht, das wäre eine gute Grundlage für ein Jubiläumsjahr. Die Wirklichkeit sieht anders aus, und das liegt nicht nur am Konflikt um die Universitätskirche.
Jesus sagt: Selig sind die Friedfertigen.
Die Universität Leipzig wird 600 Jahre alt. Das ist nicht wenig. Die Universität hat eine lange Geschichte, die eng verwoben ist mit der deutschen, mit der europäischen Wissenschaftsgeschichte, und mit der Geschichte von Politik und Gesellschaft, Kirche, Religion, Kunst und Musik. Das ist ihr in der Regel nicht schlecht bekommen, auch wenn man aus der Per-spektive des 20. und manchmal noch des 21. Jahrhunderts der Meinung war, nun sei endlich die Stunde gekommen, aus ihr etwas ganz Neues und viel Besseres zu machen. Zwei deutsche Diktaturen haben das in die Tat umzusetzen versucht. In beiden sind die Angehörigen dieser Universität sowohl Opfer wie Täter geworden. Lehrende und Studierende wurden drangsaliert, vertrieben oder gar ums Leben gebracht, und es waren oft andere Lehrende und Studierende, die darin für sich einen Vorteil sahen. Friede und Eintracht sollte es zu diesen Zeiten nur um den Preis der ideologischen Gleichschaltung geben. Wer störte, musste klein beigeben oder weichen. Unverschämt sind bis heute viele, die Täter waren, fassungslos die Opfer. Die Vergangenheit vergeht nicht.
Jesus sagt: Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.
Die Geschichte dieser Universität wird geschrieben, im großen Maßstab wie im kleinen: Fakultäten und Institute schreiben ihre Geschichten. Mir kam die Ehre zu, das für die Theologische Fakultät zu tun. Viel leichter ist das oft, wenn es um die ferne Geschichte geht, schwieriger, wenn es die jüngste Vergangenheit betrifft, die noch Lebenden, diejenigen, die heute oft wieder so selbstbewusst auftreten, obwohl sie vor 1990 das Geschäft der Herrschenden besorgten: "Für eine Universität, die dem Sozialismus dient." Manche Geschichte, die da geschrieben wird und die man gerne veröffentlicht sähe, hüllt sich in den Dunst der Selbstverklärung, will diesem und auch jenem gerecht werden und spricht damit auch die selig, die wissenschaftliche Wahrhaftigkeit, das Schicksal von Studierenden und Nachwuchskräften, auch das von Kolleginnen und Kollegen, auf dem Altar der Ideologie geopfert haben.
Jesus sagt: Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. An anderer Stelle sagt er: Die Wahrheit wird euch frei machen.
"Wissen braucht Wurzeln" - das ist das Thema dieses Friedensgebets. Das klingt so, als wolle man den schrundigen, von den Axthieben der Geschichte gezeichneten Stamm der Universitätsgeschichte hinabgleiten, um dort nach einem Urgrund zu suchen, der jenseits aller Mühen des Alltags in Studium, Forschung und Lehre Gewissheit gibt. Traditionsbeschwörung gehört zu den natürlichen Folgen dieses Tuns. Das große "Es war einmal" endet aber doch eigentlich mit dem "Und sie lebten glücklich und in Frieden". So ist es aber auch in der Tradition meistens nicht. Schon am Anfang der Geschichte dieser Universität steht Unfrieden, steht eine Vertreibungsgeschichte.
"Wissen braucht Wurzeln" - das kann also nicht auf eine Geisterbeschwörung hinauslaufen. Mit der Tradition ist das ja heute auch so eine Sache. Alles muss neu und damit natürlich besser werden, sagen die Experten. Schon das Argument "Das lief doch ganz gut bisher" hat keinen guten Klang. Zur Geisterbeschwörung dieser Art gehören im übrigen auch festliche Reden zum Thema Bildung. Abgehakt. Gut zu wissen, dass es immerhin eine studentische Initiative an dieser Universität gibt, die dieses Feld nicht aufgibt und danach fragt, was man denn hier außer Wissen noch an Bildung erwerben kann.
"Wissen braucht Wurzeln" - welche das sind, müsste zuerst jede wissenschaftliche Disziplin selber beschreiben, und das würde in ganz unterschiedlicher Weise geschehen. Manche Disziplinen könnten diese Wurzeln zurückverfolgen bis in die Antike, sei es die Rechtswissenschaft, die Philologie, die Geschichtswissenschaft, die Philosophie oder die Theologie. Andere würden in ferneren Zeiten nur mühselige Versuche finden, ihrer Sache nahezukommen. Die Frage, die sich naturgemäß ergibt, ist die nach den Gemeinsamkeiten. Gibt es solche überhaupt?
"Wissen braucht Wurzeln" - schwer zu sagen, welche. Die Wissenschafts- und Universitätsgeschichte der letzten 600 Jahre hat mit Recht vieles, was selbstverständlich schien, der Vergangenheit überantwortet. Und trotzdem wendet man den Blick zurück, ob es da nicht etwas gäbe, was Identität verleiht. Identität verleihen aber meistens Symbole, Zeichen, Erkennungsmerkmale, Feste, Hymnen, Riten. Religion ist nicht unpraktisch für sowas. In den letzten Monaten hat sich die Zahl derjenigen sprunghaft vermehrt, ich gehöre auch dazu, die an ihren Revers einen kleinen Knopf mit der Aufschrift "Universität Leipzig - 1409-2009 - Alma Mater Lipsiensis" tragen. Der also auch, denkt man sich dann. Hervorgegangen ist das Jubiläumlogo der Universität aus dem Universitätssiegel. Leider aber erkennt man darauf nicht mehr, was das schöne Universitätssiegel zeigt, nämlich Johannes den Täufer und den heiligen Lau-rentius, der auch noch den Bratrost in der Hand hält, mit dem er der Legende nach zu Tode gegrillt wurde. Um so schöner zu sehen, dass auf der Gedenkmedaille zum Jubiäum das Siegel doch wieder in voller Prägung erscheint. Wahrscheinlich liegt es daran, dass keiner mehr weiß, wer die beiden Gestalten auf dem Siegel sind und dass diese auch noch durch den ersten Kanzler der Universität, einen leibhaftigen Bischof, auf das Siegel gebracht wurden - sonst würde sich ein Proteststurm gegen diese Art der Klerikalisierung erheben. Ein christlicher Rest in der symbolischen Repräsentation der Universität - immerhin bemerkenswert.
"Wissen braucht Wurzeln" - Dazu gehören Zeichen und Symbole wie das Siegel, dazu gehört aber auch das Gebäude, das im Moment etwas zähneklappernd und frierend am Augustusplatz steht und in dem unverkennbar ein Gebäudeteil emporragt, den das Hohelied im Alten Testament besungen hätte mit den Worten: "Schön bist Du, hoch gewachsen, wie eine Königstochter." Und wenn einem das zu abseitig ist, kann man den Gebäudeteil ja einfach so nennen, wie er aussieht: Kirche. Wer soll da einziehen? Wer wird diese Kirche mit Leben erfüllen? Der Universitätsgottesdienst soll es auf jeden Fall sein und auch die Universitätsmusik mit ihrem Wohlklang aus alten und neuen Zeiten. Sie wird dieses Haus wie die Epitaphien zu einem lebendigen Schatzhaus machen.
Nun ist ja gerade das manchem und mancher eine Kriegserklärung: Kann man einen derart prominenten Ort so nennen - Kirche -, ihn gar unter vielen anderen Möglichkeiten auch so nutzen? Ist das nicht ein Verstoß gegen die inneruniversitäre Eintracht einer freien Wissenschaft? Es geht um Symbole. So wie das Siegel der Universität um Johannes den Täufer und den heiligen Laurentius bereinigt wurde, so muss auch eine neue Symbolik für den Hauptort der Universität her, ein anderer Name. Das ist ja nicht verkehrt, wenn man es ernst meint: "Paulinum" erinnert an den Apostel Paulus, und "Aula" bezeichnete in der Spätantike repräsentative Hallen. Da fällt einem die Aula Palatina in Trier ein, die zu einer Kirche umgewidmet wurde.
Das Gebäude Kirche zu nennen, wäre ja auch ein ungeheuer mutiger Schritt: Man nennt es einfach so wie das, was einmal an seiner Stelle stand. Das gibt eine Menge Ärger, wie man sieht. Dafür gewinnt man etwas wieder, was die Gegner freier Wissenschaft einfach in die Luft gesprengt haben. Man gewinnt ein Symbol zurück, an das sich viele positive Assoziationen knüpfen könnten, auch wenn sich heute die Geister daran scheiden. Den atheistischen Konsens zu bedienen, ist demgegenüber viel bequemer, und unter den Assoziationen, die sich an das Gebäude knüpfen dürfen, wird die religiöse an den Rand gedrängt. Das ist dann wie die letzte Studienreform: Anpassung an das Unvermeidliche, Kleinformat. Ein Andachtsraum, mein Gott.
Jesus sagt: Selig sind, die da geistlich arm sind..
"Wissen braucht Wurzeln" - nein, Wissenschaft braucht nicht den lieben Gott, sie bedarf auch keiner religiösen Begründung oder Überhöhung. Meine eigene Disziplin, die Kirchengeschichte, hat Gott schon vor 200 Jahren hinauskomplimentiert und ihn zum Zuschauer der Geschichte gemacht. Nicht Gott wirkt in der Geschichte, sondern Leute wie sie und ich, und das macht die Sache insgesamt nicht besser. Wissenschaft braucht Gott nicht, sieht man einmal von der Theologie ab, deren Gegenstand doch die Untersuchung der Gegenstände und der Formen des Glaubens an diesen Gott ist. Wissenschaft braucht aber auch den Kampf gegen Gott nicht und auch nicht den gegen die Religion. Sie muss sich nicht darauf verpflichten, eine wie eine Kirche aussehende Kirche nicht Kirche zu nennen, um als Wissenschaft bestehen zu können. Wissenschaft braucht keine Religion, aber sie kann gut mit ihr leben in Eintracht und im Frieden. Sie kann auch gut leben mit dieser Universitätskirche, die das symbolisieren kann, was gerade diese Universität braucht: die Versöhnung mit ihrer Geschichte und einen ehrlichen Umgang damit.
Selig sind die Friedfertigen.
Amen.
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Gebetsteil
Sprecher:
Wir beten: Herr, unser Gott, wir haben uns zusammengefunden in Dankbarkeit, vor allem aber auch in Unruhe und Sorge.
In Dank, Klage und Bitte bringen wir vor dich, was uns bewegt:
Alle: Herr, unser Gott, erhöre uns!
Sprecher:
Gott, wir danken dir, daß es in unserer Stadt fast ein dreiviertel Jahrtausend lang die Paulinerkirche gegeben hat und daß dieses Gotteshaus zum geistigen und geistlichen Mittelpunkt der Leipziger Universität wurde und über 400 Jahre lang blieb.
Alle: Herr, unser Gott, höre unseren Dank!
Sprecher:
Gott, wir danken dir für die vielen Prediger, von Martin Luther bis Pater Gordian, Siegfried Schmutzler oder Heinz Wagner, die im Laufe der Jahrhunderte auf der Kanzel der Universitätskirche dein Wort weitergaben.
Wir danken dir für das reiche Musikleben in dieser Kirche, für die vielen Musiker von Rang und Bedeutung, die in ihr wirkten. Wir danken dir für den Geist und die Würde dieses Hauses, in dem akademische Festakte ebenso selbstverständlich stattfanden wie katholische und evangelische Gottesdienste.
Alle: Herr, unser Gott, höre unseren Dank!
Sprecher:
Gott, wir klagen vor dir, daß dein Haus am 30. Mai 1968 ideologischer Willkür zum Opfer fiel, nachdem die Karl-Marx-Universität viele Jahre lang die Vernichtung dieser Kirche gefordert hatte. Was die Kanonen und Bombem aller Kriege nicht geschafft hatten, brachten Machthaber zustande, denen christlicher Glaube, humanistischer Geist und eine ihnen fremde Kultur nichts bedeuteten. Vor der Zerstörung der Kirche schändete und plünderte staatliche Raffgier die Gräber von 800 Toten, die in der Universitätskirche ihre vermeintlich letzte Ruhestätte gefunden hatten.
Alle: Herr, unser Gott, höre unsere Klage!
Sprecher:
Gott, wir danken dir, daß es nicht gelungen ist, Erinnerung auszulöschen, daß der Geist der Universitätskirche durch die Jahrzehnte hindurch wachgehalten wurde und die Hoffnung auf einen Wiederaufbau nicht verlorenging. Dieser Wiederaufbau erfolgt nun anders, als viele sich das gewünscht und erhofft hatten. Es entsteht ein neues Haus am alten Ort und auf dem alten, nie entwidmeten Boden, das in moderner Form an die zerstörte Kirche erinnern soll.
Alle: Herr, unser Gott, höre unseren Dank!
Sprecher:
Gott, wir danken dir, daß dieses Haus wieder "Universitätskirche St. Pauli" heißen wird, denn Namen sind nicht Schall und Rauch, sondern Programm und Verpflichtung. Wir danken auch für eine Zusage, die eigentlich Selbstverständlichkeit ist: daß in dieser Kirche an jedem Sonn- und Feiertag Gottesdienste gefeiert werden könne.
Alle: Herr, unser Gott, höre unseren Dank!
Sprecher:
Gott, wir sind in Sorge um den Geist und die Würde des Innenraumes der Universitätskirche.
Wo man eine "neutrale" Feierhalle mit abgetrenntem Andachtsraum errichten will, kann man wedervon Geist noch von Würde, sondern nur von kleingeistigem Spaltungsdenken sprechen, einem Denken, das der traditionsreichen Leipziger Universität nicht würdig ist.
Alle: Gott, höre unsere Klage!
Sprecher:
Gott, wir sind in Sorge um die Wiederaufstellung von Kanzel und Altar am historischen Ort. Woran sich in anderen Universitätsstädten niemand stört und was auch in Leipzig jahrhundertelang selbstverständlich war, wird heute zum Problem: die Nutzung des gesamten und ungeteilten Raumes als Aula, Kirche und Konzertsaal. Wir sind in Sorge, daß die ideologische Mauer, die durch einige Köpfe geht, ihren handgreiflichen Ausdruck in der umstrittenen, trennenden Glaswand findet. Wir können uns damit und mit dem verordneten Schweigen über diese Dinge nicht abfinden.
Alle: Gott, höre unsere Klage!
Sprecher:
Gott, wir bitten dich daß Stadt und Universität erkennen, was die Stunde von ihnen fordert: einen würdigen Nachfolgebau als Ort des freien Wortes, als Raum für Gottesdienst und Kirchenmusik. Wir bitten dich, daß Erinnerung sich wieder festmachen kann an Altar und Kanzel der alten Universitätskirche, daß sich vor dem Altar lebendige Gemeinde versammelt und von der Kanzel dein lebenschaffendes Wort gepredigt wird, daß die Universität an ihre Geschichte anknüpft und an historischer Stelle ihre akademischen Feste und Feierlichkeiten begeht, daß die Universitätsmusik wieder eine Heimstatt findet - und das alles in einem ungeteilten Raum mit hervorragender Akustik, in dem ein Geist des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung, der Weltoffenheit und der Versöhnung dominiert.
Alle: Gott, höre unsere Bitte!
Sprecher:
Gott wir bitten Dich um eine klare Entscheidung für die Universitätskirche St. Pauli, die als Kirche - mit Altar und Kanzel - und als Aula genutzt werden kann, ohne Trennwand zwischen Chorraum und Kirchenschiff, damit wirklich die Unrechtsentscheidung von 1968 überwunden wird.
Gemeinsam rufen wir zu Dir, wie es uns Jesus gelehrt hat:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
Es segne und behüte uns alle der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Antrag auf Mitgliedschaft im Paulinerverein
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