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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 1. Juni 2006 (Printausgabe)

Kulturkampf in Leipzig
Paulinerkirche

Neues Buch und Gedenken an Sprengung

400 Leipziger und Gäste haben der Sprengung der Leipziger Paulinerkirche vor 38 Jahren gedacht. Sie versammelten sich am Augustusplatz, also an dem Ort, wo das Gotteshaus über sechs Jahrhunderte stand. Zum Gedenken erklang die große Glocke der Nikolaikirche. Am Dienstagabend luden die Studentengemeinden zu einer Gedenkandacht auf den Schuttberg in Probstheida, wo die abgekippten Trümmer der Universitätskirche einschließlich der Inhalte ihrer Gräber lagern. Pianist Professor Ulrich Urban, der beim Protest am Vorabend der Sprengung 1968 verhaftet worden war, forderte bei seiner Rede die Rückkehr zum ursprünglichen Siegerentwurf des Neuaufbaus.

Wenige Tage vorher hatten Vertreter des sächsischen Finanzministeriums und des Architekturbüros in einer Veranstaltung des Paulinervereins über den aktuellen Stand des Neubaus informiert. Ulrich Stötzner, Vorsitzender des Paulinervereins, kritisierte im Nachhinein: „Viele Fragen konnten nicht beantwortet werden, zum Beispiel die nach dem genauen Standort der Kanzel, dem Material der Ostfassade und den Anforderungen der Universitätsmusik.“ Thomaskantor Georg Christoph Biller wies auf die Bedeutung der Universitätskirche als Bachstätte von Weltgeltung hin, die um so wichtiger für Leipzig und seine Gäste sei, da die Stadt nur noch über wenige originale Bachstätten verfüge.

Im Operncafé am Augustusplatz wird am Pfingstsonntag um 11 Uhr das Buch „Kulturkampf in Leipzig“ (Forum Verlag) präsentiert.
Es behandelt den Streit um den Wiederaufbau der Paulinerkirche. Die Autoren Dietrich und Eckhard Koch waren damals mit dabei – als Beteiligte des Plakatprotestes „Wir fordern Wiederaufbau“. Ihre Denkschrift geht dem Streit zwischen Befürwortern und Gegnern des Neubaus am Augustusplatz auf den Grund, erinnert an Zerstörung und Widerstand und erörtert Kunst- und Architekturgeschichte.

Peter Krutsch

Internet: www.forumverlagleipzig.de

siehe auch: www.paulinerkirche.de

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Einladung zu einer Buchpräsentation am Pfingstsonntag 2006 in Leipzig

Kulturkampf

Dietrich Koch: Kulturkampf in Leipzig – Denkschrift zur Wiederaufbaudebatte Universitätskirche St. Pauli

4. Juni 2006 Operncafe Leipzig

 

Das vorzustellende Buch "Kulturkampf in Leipzig" referiert zu Beginn die Debatten der vergangenen Jahre um den Wiederaufbau der 1968 gesprengten Universitätskirche St. Pauli.

Es folgt eine Einführung zur Geschichte der Universitätskirche von der Weihe 1240 zur Dominikanerkirche bis zur Sprengung.

Auf der Gedenktafel am Augustusplatz von 1993 steht: "Diesen Akt der Willkür verhinderten weder die Stadtverordneten noch die Leipziger Universität. Sie widerstanden nicht dem Druck eines diktatorischen Systems."

Aber dies ist schon eine Geschichtsverfälschung. Denn dem "diktatorischen" System" stand die Leipziger Universität nicht gegenüber. Vielmehr war die Leitung der Leipziger Karl-Marx-Universität aktiver Teil des diktatorischen Systems. Von der Universitätsspitze, insbesondere dem Rektor Georg Meyer und dem Verwaltungsleiter Jusek ging schon in den 50iger Jahren der Wunsch zur Sprengung der historischen Gebäude der Universität am Karl-Marx-Platz aus. Beide gerieten in Konflikt mit der SED, die gemäß einem Beschluß des Politbüros zunächst das Augusteum wieder vollständig aufbauen wollte. Aber irgendwie schaffte es die Unispitze, den Politbürobeschluß umzukehren: Schon 1960 hieß es in einem Beschluß des Stadtrates auf Betreiben der SED, "den jetzigen Bestand an Bauten, einschl. der Universitätskirche abzubrechen". Walter Ulbrichts bekannte Diktum "Das Ding kommt weg" besiegelte das Schicksal von Augusteum und Universitätskirche endgültig.

Der 1. Teil des Buches schildert den Widerstand von 1968 gegen die Sprengung der Unikirche.

Zeithistoriker unterscheiden zwischen dem demokratisch-liberalen Widerstand der Fundamentalopposition der 50iger Jahre gegen das SED-Regime einerseits und andererseits der Opposition der 70er Jahre, die – bei einem grundsätzlichen Bekenntnis zum Sozialismus – für mehr demokratische Rechte in der DDR eintrat. Dazwischen – in den 60igern – war die SED nach dem Bau der Mauer auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Es gab kaum Widerstand – mit der Ausnahme des Widerstandes gegen die Sprengung der Unikirche. Das Buch stellt diesen Widerstand dar: Von Nikolaus Krause, der Gruppierung um Jürgen Rudolph mit Christoph Tannert, Dieter Möbius, Sigrid Ihle, dem damaligen katholischen Studentenpfarrer Clemens Rosner, Michael Flade und anderen aus beiden Studentengemeinden bis zur Gruppierung um Stefan Welzk mit Günter Fritzsch, Annerose und Karlheinz Niendorf und den beiden Autoren dieser Denkschrift. Der Plakatprotest vom 20. Juni 1968 in der Leipziger Kongreßhalle war der Höhepunkt: Stefan Welzk hatte, von Harald Fritzsch begleitet, das von Rudolf Treumann gemalte Protestplakat mit der Aufschrift "Wir fordern Wiederaufbau" angebracht, das sich automatisch entrollte mit einem Zeitauslösemechanismus von Dietrich und Eckhard Koch. Dietrich Koch wurde deshalb 1972 verurteilt zu 2 ½ Jahren Haft und anschließender Unterbringung in der Psychiatrie "um dem Wiederholen derartigen Verhaltens vorzubeugen und damit die Gesellschaft vor staatsfeindlichen Angriffen zu schützen" (Urteil vom 13.3.1972, S. 12).

Der emeritierte Leipziger Zeithistoriker Hartmut Zwahr hat den Plakatprotest gewürdigt: "Er war die spektakulärste, erfolgreichste und wohl bedeutendste Aktion universitären Gruppenwiderstandes 1968 in der DDR, ja vielleicht sogar in der Gesamtzeit des Bestehens der DDR, die verwegenste Aktion, die Aktion mit dem höchsten öffentlichen Wirkungsgrad ..." " Der Widerstandsprotest" urteilt Hartmut Zwahr, "schließt ein Wiederaufbauvermächtnis ein".

Dem fühlen sich die beiden Autoren seit fast 40 Jahren verpflichtet. Diesem Vermächtnis dient auch dieses Buch.

Ein Vorschlag des Buches ist die Einrichtung einer dauernden Ausstellung zum Widerstand gegen die Sprengung und darüber hinaus gegen die SED-Diktatur im neuzuerrichtenden Universitätsgebäude.

Ein erheblicher Teil des Buches setzt sich mit Argumenten von Wiederaufbaugegnern auseinander und ordnet diese geistesgeschichtlich ein.

Die Wiederaufbaufreunde wollten "die Zeit zurückdrehen", Wiederaufbau sei ein "Akt der Restauration," Rekonstruktion wolle "Geschichte ungeschehen machen", lauten solche Vorwürfe. Diese werden im 2003 von der Universität herausgegebenen Buch "Erinnerungsort Leipziger Universitätskirche – eine Debatte" beispielsweise von der Kunsthistorikerin Michaela Marek und dem Philosophen Pirmin Stekeler-Weithofer vertreten.

Solchen Auffassungen liegt eine Geschichtsmetaphysik zugrunde, nach der die Geschichte einem notwendigen Gange zu immer neuen höherentwickelteren Gesellschaften folge. Dabei gehöre zu jeder historischen Periode ein einheitlicher neuer Geist, dem die kulturellen, religiösen und künstlerischen Vorstellungen folgen müßten. An Altem festzuhalten sei letztlich unmoralisch, ein Rückgriff auf frühere Stile sei verächtlich. Wir kritisieren ein solches Geschichtsbild gemäß Karl Poppers "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde"; denn es gibt keinen solchen notwendigen Geschichtsverlauf ; die Geschichte ist offen; sie hängt von den Menschen ab. Und wie Watkin in "Morality and Architecture" sagt: Ein kunsthistorischer Glaube an einen alles beherrschenden Zeitgeist, kombiniert mit einer historistischen nachdrücklichen Betonung von Fortschritt und der notwendigen überlegenheit von Neuigkeit kommt einer Unterminierung unserer Wertschätzung des gestalterischen Genius des Einzelnen und der Wichtigkeit der künstlerischen Tradition gefährlich nahe.

Ein weiteres Argument beruht auf einem oft aggressiven Atheismus. [Eine moderne Universität könne keine Kirche gebrauchen. Dabei wird übersehen, daß es eine Theologische Fakultät gibt, sogar Ulbricht das Amt des Universitätspredigers nicht angetastet hat und daß vor der Sprengung 1968 keine Entwidmung stattfand. Die Widmung zur evangelischen Kirche lebt deshalb nach Errichtung des Nachfolgerbaus ohne weiteres wieder auf.]

Ein weiters Argument verwirft jede Rekonstruktion eines Gebäudes: Eine solche sei seelenlos. Der wahre Geist liege nur in den originalen Steinen. Dies widerspricht der abendländischen Tradition seit Platon, wonach die Form/Gestalt nur der Materie aufgeprägt wird, nicht aber an diese gebunden ist. Der polnische Nationalkonservator Tomaszewski sieht einen derartigen "Kult der alten Steine" tief verankert in der katholischen Tradition der Verehrung heiliger Reliquien.

Der 2. Teil des Buches setzt sich zunächst mit dem Entwurf Erick van Egeraats für die neuen Universitätsgebäude auseinander. Die einst klassich-klassizistische Architektur dieses einst "bedeutenden Platzes" (Dankwart Guratzsch) ist durch das neoexpressionistisch anmutende Gewandhaus und das Henselmannhochaus mit den konkaven Wandflächen und der Spitze als wehender Fahne der Arbeiterklasse zerstört. Der Egeraatsche Bau könnte neoexpressionistisch zu diesem Teil des Augustusplatzes passen. Ich halte ihn für eine interessante Architektur. Besonders das Innere hat so manchen Wiederaufbaufreund versöhnt: Egeraat plante 2004 auf dem Grundriß der Universitätskirche einen Nachfolgerbau mit dessen gotischem Gewölbe einschließlich aller Pfeiler – also eine erhebliche ähnlichkeit mit der gesprengten Kirche. Um eine Sichtbehinderung durch Pfeiler zu vermeiden, fand van Egeraat eine genial einfache Lösung: Das Mittelschiff wird auf das fast Anderthalbfache verbreitert, so daß alle verlangten Sitzplätze innerhalb der Pfeiler liegen. Gegen diesen Kompromiß arbeitete die Universitätsspitze, wohl weil die sichtbaren Anklänge an die gesprengte Kirche zu groß waren. 2006 verabschiedete der Bauausschuß einen "stalagmitischen" Innenraume, bei dem 6 Pfeiler so in etwa halber Höhe über den Köpfen enden. Das wird schrecklich aussehen.

Die Vorschläge dieses Buches zu van Egeraat sind:

  1. Der Innenraum muß alle Säulen gemäß dem preisgekrönten Entwurf van Egeraats von 2004 erhalten. Während die Unispitze vorschlägt, bei ihrem Entwurf mit den über den Köpfen hängenden Säulenresten wieder zu den alten Maßen zurückzukehren, schlagen wir vor, das verbreiterte Egeraatsche Mittelschiff beizubehalten, um die Säulen – später - wieder ohne jede Sichtbehinderung bis zum Boden führen zu können.
  2. Das Buch inventarisiert die geretteten Kunstwerke – immerhin fast 90 %. Die Paulinerkiche war die bei weitem am reichsten ausgestattete Kirche Leipzigs. Wir machen Vorschläge zur Aufstellung der geretteten Werke. Die Hängung sollte so ähnlich wie nur möglich der ursprünglichen sein, um das innere Ensemble der Kirche wieder sichtbar zu machen. Wenigstens eins der in viele Teile zerlegten Epitaphe sollte im zerstörten Zustand angebracht werden, um die SED-Kulturbarbarei sichtbar zu machen.
  3. Um für die nahezu vollständig geretteten Werke des ehemaligen nördlichen Kreuzganges eine authentische Ensemblelösung zu erreichen, schlagen wir vor, den Kreuzgang originalgetreu wiederzuerrichten. Der preisgekrönte Egeraatsche Entwurf bietet dazu im sog. Stuhllager einen nach Lage und Proportionen geeigneten Raum.
  4. Im äußeren hat die Kirchenfassade genau die Proportionen und Maße ihres Vorgängerbaus. Nackt, wie sie aussieht, schreit sie geradezu nach der Verkleidung mit der Fassade Arwed Roßbachs von 1968. Dieser Vorschlag beinträchtigt die Funktionen des Baus in keiner Weise; er würde vielen Leipzigern eine Identifikation mit Egeraats Entwurf ermöglichen. Eine solche erinnerungspolitisch motivierte Collage würde eine Forderung des Konzils der Universität von 1999 verwirklichen: "Die bauliche Gestaltung soll alle prägenden Facetten der Geschichte der Universität sichtbar berücksichtigen." Das Buch diskutiert eingehend die architektonischen Fragen einer solchen Collage. Van Egeraat und Roßbach zusammen wären in kommenden Jahrhunderten ein authentisches Dokument einer Kultur des 21. Jahrhunderts, die sich auch nicht vor dem Sichtbarmachen unrühmlicher Seiten ihrer Vergangenheit drückt und die wiedergutmacht, indem sie unzerstörbare geistige Werte eines Bauwerks materiell wieder aufleben läßt.

 

Sie können hier dieses Buch versandkostenfrei kaufen.


Quelle: http://www.lizzy-online.de/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=4562&mode=thread&order=0&thold=0

Leipziger Internet-Zeitung

Buchpremiere am Pfingssonntag: Wie authentisch darf es denn sein?

geschrieben von: Redaktion am Samstag, 03. Juni 2006

So klingt der hochtemperierte Streit um den Wiederaufbau der 1968 gesprengten Leipziger Universitätskirche St. Pauli seit den 1990er Jahren.

Aufbaugegner bieten Agitation aus Befangenheit gegenüber einem vergangenen Regime, das sich die Vernichtung der bürgerlichen Kultur zum Ziel gesetzt hatte. Befürworter haben Motive, an die nicht jeder erinnert werden möchte. Dietrich und Eckhard Koch waren Beteiligte des Leipziger Plakatprotests 1968: “Wir fordern Wiederaufbau”. Nahezu 40 Jahre fühlen sie sich dem Appell verpflichtet

Ihre Denkschrift „Kulturkampf in Leipzig“geht dem Streit auf den Grund, erinnert an Zerstörung und Widerstand, ordnet die zeitgeschichtlichen Fakten ein, erörtert Kunst und Architekturgeschichte, wertet Denkmalpflege, prüft die Herkunft der Argumente und beschreibt die anhaltende und weitgehende Wirkung ideologischer Floskeln. Zur Bestandsaufnahme gehört ein illustriertes Inventar der aus St. Pauli geborgenen Kunstgegenstände.

“Divergierende Vorstellungen versöhnen”, formulieren die Autoren den Anspruch der Denkschrift. Dazu gehören Vorschläge für den Nachfolgerbau von Universitätskirche und Augusteum, “damit so viel wie möglich Wiederaufbau erreicht und Authentizität gewonnen” werden. Sie betreffen die Gestaltung des Innenraums, die Erinnerung an den Widerstand gegen die SED-Diktatur und vor allem: “Unser wichtigster Vorschlag ist die Rekonstruktion der neogotischen Fassade vor van Egeraats Bau.”

Info: Pfingstsonntag 4. Juni, 11 Uhr: Buchpremiere „Wie authentisch darf es denn sein? Vorschläge für den Neubau am Vorschläge für den Neubau am Augustusplatz Augustusplatz“, Operncafé Augustusplatz 04109 Leipzig

www.forumverlagleipzig.de


Quelle: Leipziger Internet-Zeitung

Kulturkampf in Leipzig: Die Paulinerkirche und der Wind des kalten 20. Jahrhunderts

geschrieben von: Ralf Julke am Dienstag, 06. Juni 2006

Wenn die DDR-Zeit einen Stachel im architektonischen Herzen der Stadt Leipzig hinterlassen hat, dann hat dieser Stachel einen Namen. Augustusplatz, einst der größte und schönste Stadtplatz in Deutschland, heute ein Sammelsurium missglückter Baulösungen aus einem Jahrhundert, das alles neu und besser machen wollte. Das Versagen des 20. Jahrhunderts hat auch einen Namen: Paulinerkirche. Eine neue Schrift holt das hochaktuelle Thema wieder ins Licht.

„Kulturkampf in Leipzig“ haben Dietrich und Eckhard Koch ihr Buch genannt, das jetzt im Forum Verlag Leipzig erschienen ist. Die Paulinerkirche hat das Leben der beiden in Leipzig geborenen Autoren verändert und bestimmt. Beide studierten in Leipzig Physik, als 1968 die Paulinerkirche gesprengt wurden. Beide waren an der Plakataktion beteiligt, mit der Leipziger Studenten wenig später während des Internationalen Bachwettbewerbs nicht nur gegen die Sprengung protestierten, sondern den Wiederaufbau der Kirche forderten.

Für Dietrich Koch endete der Protest im Gefängnis und in der Abschiebung nach Westdeutschland im Jahr 1972. Dort studierte er Philosophie und lehrte an der Uni Essen, während Eckhard sein Studium beenden konnte und heute an der TU Dresden arbeitet. Beide sind in der Bürgerinitiative für den Wiederaufbau von Augusteum und Paulinerkirche („Paulinerverein“) aktiv, betonen aber, dass ihre Denkschrift ein ganz persönlicher Beitrag zur Wiederaufbaudebatte ist. Denn um Wiederaufbau des Gotteshauses geht es nach Beginn der van Egeraatschen Umbauarbeiten des Uni-Campus nicht mehr. Oder auf lange Sicht nicht mehr.

Der Kompromiss, der den Umbau der sozialistischen Baustruktur zu einem praktisch nutzbaren, modernen Uni-Komplex beschreibt, hat für einen Rückgriff auf die Geschichte nur wenig Platz. Sachzwänge bestimmen letztendlich, wie das Neue aussieht. Und selbst der Kompromiss wurde ja mittlerweile mehrmals verwässert. Auch wenn noch Raum wäre, wichtige Erinnerungen an die historischen Ursprünge des Ortes in die neue Architektur einzubauen.

Ob das geschieht, liegt - wie immer - nicht an den Leipzigern, sondern an den Bauherren. In diesem Fall dem Freistaat Sachsen und der Universität Leipzig. Nie war Stadtbaupolitik so machtlos wie heute. Ein ganzes rabiates Jahrhundert wirkt nach. Denn wer am Sonntagmorgen zur Buchpremiere ins Operncafé kam, kannte die Bilder - nicht nur die der Sprengung der Paulinerkirche 1968, sondern auch die des klassizistisch gestalteten Platzes, wie er bis zum 2. Weltkrieg bestand. Die Bomben des Krieges rissen die ersten Lücken in ein Platzensemble, das bis dahin in lückenloser Schönheit zum Flanieren eingeladen hatte.

Wer aus dem Café Bauer hinaussah aufs großstädtische Treiben, hatte ein Platz-Bild vor sich, in dem der Kunst-Anspruch eines bürgerlichen Jahrhunderts sich in die strengen Maßstäbe einer selbstbestimmten Stadt-Baupolitik fügte. Bildermuseum, Augusteum, die neogotische Front der Paulinerkirche, Opernhaus und Hauptpost - da stimmte alles. Und Bildermuseum wie Augusteum waren nach dem Krieg nur beschädigt, hätten leicht wieder hergerichtet werden können. Die Paulinerkirche war vollkommen intakt, als 1968 die Sprengmeister ein Gebäude nach dem anderen in Trümmer verwandelten.

Siegmar Faust, seinerzeit Student in Leipzig, Dichter und von der Verlegerin Helen Jannsen gern als „Entfremdungsspezialist“ bezeichnet, spricht von „Unwirtlichkeit“, wenn er von den Bauten spricht, die nach 1968 hochgezogen wurden. Reinen Zweckbauten oder - wie im Fall der Gewandhauses - Ausdruck einer expressionistischen Kunst. Architekten im 20. Jahrhundert verstanden sich so - als Selbst-Verwirklicher.

Faust sieht die Ursachen in den beiden Regimen, die im Deutschland des 20. Jahrhunderts zum Zuge kamen, sieht auch den Bauhaus-Stil als Produkt einer Ideologie. Er sagt - der marxistischen. Was vielleicht zu kurz gegriffen ist. Denn dann wäre 1990 in Leipzig ein Ende gewesen mit der seltsamen Symbiose teuren Zweckbauens und elitärer Unvergleichlichkeit.

So ist auch die Diskussion um die Paulinerkirche bestimmt von einem ideologischen Hickhack um „Rekonstruktion des Alten, das niemand braucht“ und einem „unbedingten Fortschritt in mutiger Architektur“. Genau so führten die Ost-Fachleute in den 1960er Jahren die Diskussion. Hermann Henselmann, der den für sich genialen „Uni-Riesen“ entwarf, steht dafür exemplarisch. Man wollte ganz neue, völlig andere Städte bauen - und zerstörte dabei die gewachsenen Strukturen der alten.

Das Bedenkliche an der Diskussion um die Paulinerkirche ist die - wieder einmal - fehlende Beteiligung der Bürger. Die gab es zwar auch im 19. Jahrhundert nicht - aber da sorgte der zuständige Stadtbaurat dafür, dass Gebäude sich harmonisch einfügten ins Stadtbild. Der definierte Traufhöhen und Fluchtmaße, der gab die Sichtfronten vor, die Bauherren auszufüllen hatten. Und was nicht passte, wurde nicht genehmigt. Den großen Bürgern der Stadt war eine repräsentable Stadt Gold und ärger wert.

Die großen Bürger gibt es nicht mehr. Und wenn man Leipzigs Stadtbaupolitik in den letzten Jahren etwas vorwerfen kann, dann ist es ihre Bild-Losigkeit. Zwischen Neubau-Wut und Abriss-Zwang wurde Stadtumbau zu einem gehetzten Agieren zwischen Förderanträgen und Rettungsversuchen. Ein Stadtentwicklungskonzept, wie es eigentlich das Stadtumbau-Programm der Bundesregierung fordert, gibt es für Leipzig nicht. Der Stadtteilentwicklungsplan (STEP) kann diese Anforderung nicht erfüllen, hat sich viel zu oft als löcheriger Käse erwiesen. Die massiven Abbruch-Aktionen, die gerade in diesem Jahr heftig ins gewachsene Stadtbild eingreifen, sprechen Bände.

Ist natürlich die Frage: Hätte Leipzig eine Chance gehabt, wenigstens den Freistaat zu einer harmonischen Architekturlösung am Augustusplatz zu zwingen, wo man nicht einmal gegen den MDR und seinen schwarzen Sarkophag eingeschritten ist? Das ist wohl fraglich, denn nichts zeigt deutlicher als der Klotz des Bildermuseums, wie fern man im zuständigen Dezernat einer Idee des nachhaltigen und konservatorischen Stadtumbaus eigentlich war.

„Damals“, so erinnert sich Siegmar Faust und meint die Zeit seines Studiums in den 1960er Jahren, „wollte ich nie wieder nach Dresden zurück. Dresden hatte nichts - verglichen mit Leipzig.“ Dresden machte mittlerweile durch ein massives Wiederaufbauprogramm weltweit von sich reden, an dem der Freistaat keine geringe Aktie hat.

Dietrich und Eckhard Koch legen mit ihrer Denkschrift vier Vorschläge auf den Tisch, wie man im neuen Uni-Ensemble das Erbe der Paulinerkirche und des Klosters bewahren kann. Der wichtigste: Die Rekonstruktion des von Arwed Roßbach geschaffenen neogotischen Portals der Paulinerkirche in der neuen, expressionistischen Fassade. „Eigentlich“, so meint Dietrich Koch, „gibt es keinen Grund, der dagegen spricht.“

Die anderen Vorschläge zielen auf einen aufmerksameren Umgang mit den 1968 aus der Kirche geretteten Kunstschätzen. Selbst ein originalgetreuer Nachbau des einstigen Kreuzgangs wäre möglich, Erinnerung an das Kloster, in dem schon Gelehrsamkeit betrieben wurde, als Leipzig noch gar keine Uni hatte. Die Vorschläge wollen die beiden Brüder zuallererst den Bauherren offerieren. Das Buch ist die „Begleitmusik“ dazu. Stoff zum Nachdenken für alle, die sich noch immer darüber wundern, dass kaum ein Bau aus dem 20. Jahrhundert so etwas gibt wie Geborgenheit. Siegmar Faust drückt es so aus: „Touristen kommen nicht in Städte, die aus lauter Zweckbauten bestehen.“ Zeit zum Nachdenken. Zeit zum Bücherlesen.

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geschrieben von: Ralf Julke am Sonntag, 18. Juni 2006

Am 4. Juni haben Dietrich und Eckhard Koch ihre neue Denk-Schrift zur Wiederaufbaudebatte der Universitätskirche St. Pauli vorgelegt. „Kulturkampf in Leipzig“ haben sie das Buch genannt, in dem sie neun Vorschläge machen, wie die Erinnerung an die Paulinerkirche auch im van Egeraatschen Entwurf der neuen Universität würdig ihren Platz finden kann. Bekanntlich ist der Bau, der bis 2009 entstehen soll, ein Kompromiss der Kompromisse.

Dass er dennoch so etwas wie eine architektonische Note besitzt, ist dem Talent des niederländischen Architekten Erick van Egeraat zuzuschreiben, der aus der Distanz des Nachbarlandes eine sehr mutige Symbiose gefunden hat aus den keineswegs geringen Platzansprüchen der Universität, den Erinnerungswünschen der Pauliner-Freunde und der katastrophalen Architektur des Augustusplatzes, den man vielleicht besser Karl-August-Platz genannt hätte oder August-Marx-Platz.

Das Schlimmste an diesem Platz ist derzeit gar nicht die Vernichtung von drei Vierteln der alten Bausubstanz, sondern das, was man an ihrer Stelle hingestellt hat. Für das Opernhaus des Kunz Nierade von 1959/1960 finden die beiden Brüder noch versöhnliche Worte. Das Gewandhaus des Horst Siegel könnten sie sogar noch gelungen finden - stünde es als Solitär in eine großen Parkanlage. Der 1968 bis 1975 erbaute Uni-Komplex aber ist genauso desaströs wie der Konzertwürfel der MDR.

Alle Querelen um den Wiederaufbau der Paulinerkirche, die 1968 gesprengt wurde, hatten ihren Fokus immer auf der publikumswirksamen Frage: Braucht denn die Universität heutzutage noch eine Kirche? Und wenn: Muss es denn eine originalgetreu wiederaufgebaute sein? Eine Frage, die von vornherein das Podium der Diskutanten einschränkt. Rund 84.000 Bürger der Stadt sind heutzutage konfessionell gebunden. Das sind knapp 17 Prozent de Leipziger. Die Ent-Christianisierung des deutschen Ostens war, an solchen Zahlen gemessen, erfolgreich.

Aber um Glauben ging es wieder am 30. Mai 1968, noch geht es heute darum. Auch wenn viele glauben, das sei so. Jede Zeit hat ihre Mythen. Eine der Gegenwart heißt „Modernität“. Eine andere heißt „Praktikabilität“. Eine dritte „Individualismus“. Es sind bloß Worte. Doch sie dominieren die Architektur-Debatten der Gegenwart. Sie dominierten auch das Verständnis der DDR-Verantwortlichen für ihre Art Erbauung DER Zukunft.

Nicht ohne Grund analysieren die Kochs die Wurzeln des heutigen Kunstverständnisses und gehen dabei zurück in jene Zeit, als „die Moderne“ als Zwilling einer Kunstauffassung geboren wurde, die wir heute Historismus nennen. Es geht um das späte 19. Jahrhundert, um Gründerzeit und die Suche nach der „richtigen“ Formensprache für die nun endlich siegreiche bürgerliche Gesellschaft. Für die bürgerlichen Eliten Europas war dieser Vorgang kein Bruch, denn die Städte des Kontinents, vor allem die Handelsstädte, hatten sie schon zuvor seit Jahrhunderten beherrscht.

Leipzig ist das beste Beispiel dafür, wie jede neue Bürger-Generation die Stadt auf ihre Weise umbaute. Stets modern. Stets aber auch auf eine harmonische Lösung bedacht. Man wollte präsentieren, beeindrucken, zeigen, was man in der Börse hatte, aber man wollte sich nicht über andere heben. Schon gar nicht über die eigene Stadt.

Der Bruch kam erst mit jenen Entwicklungen, die im Bauhaus-Stil gipfelten, als Architekten begannen, die Geometrie des Baus zum Nonplusultra einer reinen, absoluten Kunst zu machen. Noch heute schwärmen Bauprospekte von „klaren Linien, geschwungenen Formen, lichten Glasfassaden, der rauhen Dissonanz von Beton und Granit“ und wie die Lobeshymnen aufs nackte Baumaterial noch so lauten. Am Augustusplatz wurden Orgien dieses Denkens gefeiert, das die Kochs im linkspolitischen Spektrum verorten. Was nicht unbedingt stimmen muss. Auch wenn über der Geschichte der St. Pauli-Sprengung immer die tradierten Ulbricht-Worte schwebten: „Das Ding muss weg.“

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geschrieben von: Ralf Julke am Montag, 19. Juni 2006

Kulturkampf in Leipzig, Teil 2: Wie man mit Architektur Menschen formt

Die neueren Erforscher der Materie gehen mittlerweile eher davon aus, dre eigentliche Urheber der Kirchen-Sprengung ist und aus einem Ulbrichtschen Gemaule zu vollziehende Befehle machte. Dass Ulbricht beim Verlassen des nagelneuen Opernhauses über die Kirche maulte, war verständlich. Das tat er allüberall im Land, wo er seine Art Neue-Welt-Sicht verbreitete. Er wollte ja auch in Literatur, Malerei und Musik mitreden.

Doch nur in Leipzig wurde so eifrig gesprengt und Platz geschaffen. Auch im Interesse einer Universitätsleitung, die schon seit den 1950er Jahren auf einen Abriss der scheinbar überflüssig gewordenen Kirche drängte. Verglichen mit der jahrelangen „überzeugungsarbeit“ der Uni-Leitung, die Leipzig zur Vorzeige-Universität machen wollte, war die Abstimmung im Stadtrat nur noch ein braves Abnicken. Man lebte schon mittendrin in einer Zeit, die bereit war, alles „Alte“ über Bord zu schmeißen und „was Neues“ hinzubauen.

Bei einem Mann wie Hermann Henselmann, der den Uni-Riesen entwarf, ging das einher mit einer durchaus erzieherischen Ambition: Ganze Architekten-Generationen waren der festen überzeugung, dass eine neue Architektur auch einen neuen Menschen formen würde. Damit waren sie im Einklang mit den Mächtigen, die durchaus einen neuen, anderen Menschen haben wollten.

Nicht ohne Grund war Nikolai Ostrowskis Buch „Wie der Stahl gehärtet wurde“ Pflichtlektüre in den Schulen der DDR, ein Buch, das aus der Selbsterfahrung des Autors berichtet, wie „sozialistische Persönlichkeiten“ geschmiedet werden. Ist natürlich die Frage: Glaubten nur DDR-Architekten daran, oder steckt mehr dahinter?

Denn immerhin bedeutete das „Neue Bauen“ auch eine radikale Abkehr von gewachsenen Strukturen. Und das in Ost wie West gleichermaßen. Man opferte ganze Stadtkerne der Verwirklichung moderner Ideen praktischer Schönheit. Was gerade in den zerbombten Großstädten Deutschlands leicht fiel. Was schon in Trümmern lag, musste man nicht erst sprengen. Aber gerade deshalb ist Leipzig ein besonderer Fall. Denn das Alte Rathaus etwa, das genauso zerstört war, wurde in einer Hauruck-Aktion gleich nach dem Krieg wieder aufgebaut. Die Alte Waage wurde zumindest in ihrer äußeren Gestalt wieder hergestellt.

Auch wenn die Rekonstruktion des Marktes dann zum Erliegen kam und die LWB-Bauten in der Katharinenstraße und das Messeamt später zeigten, wie gefühllos man selbst mitten im Herzen der Stadt agieren konnte. Warum nicht auch am Augustusplatz, dem Schau-Platz der Stadt?

Dietrich und Eckhard Koch berichten von den Protestaktionen gegen die Kirchensprengung, an denen sie beteiligt waren. Dietrich Koch bezahlte dafür mit Gefängnis und wurde 1972 in die BRD abgeschoben. Beide engagierten sich nach 1990 im Paulinerverein, stritten für die Wiedererrichtung der Kirche. Dass der van Egeraatsche Bau die einstige Form der Kirche zumindest wieder aufnimmt, ist dem streitbaren Verein zu verdanken, auch wenn der zuletzt gefundene Kompromiss durch einen Beschluss der Baukommission im Januar 2006 wieder gestutzt wurde. Diesmal waren es die Kirchensäulen, die störten, die durch „Lichtsäulen“ ersetzt werden sollen, damit die Aula bessere Sichtbedingungen bekäme. Deutlicher kann man nicht sagen: Da stört etwas.

Und es stört seit 1968. Es ist nicht die Kirche. Nicht nur, denn bekanntlich wurde auch das Augusteum, das ansehnliche Hauptgebäude der Universität, das in großen Teilen noch funktionsfähig war, gleich mit weggeräumt. Niels Gormsen, der erste Bau-Dezernent der Stadt Leipzig nach 1990, hat zumindest wieder ins Gespräch gebracht, was das sein könnte, was da stört. Man kann es das „Gewachsene“ nennen, historische Stadtstruktur, egal wie.

Gormsen hat die Stadtplanung nach Jahrzehnten der Neu-Bebauung wieder zurückgeführt auf die historischen Straßenfluchten. Nicht konsequent. Das Bildermuseum ist das beste Beispiel dafür. Aber der Ansatz ist da. Es wird zumindest wieder wahrgenommen, dass Stadt-Strukturen nicht am Reißbrett entworfen werden können.

Welche Folgen die Reißbrett-Strukturen im Leben der Menschen anrichten, hat schon Brigitte Reimann in ihrem Roman-Fragment „Franziska Linkerhand“ beschrieben. Daran hat sich nichts geändert. Es sind die großen, am Reißbrett entstandenen Wohn-Quartiere der Neuzeit, die Stadtverwaltungen in Ost wie West das größte Kopfzerbrechen bereiten. Es sind nicht nur soziale Probleme, die da gären, auch wenn die Architektur eine sehr deutliche Sprache spricht über Entwurzeltsein und Heimat-Losigkeit. Und wer es vergessen haben sollte, kann endlich einmal wieder in eine Leipziger Kirche gehen und nach-fühlen, dass es beim Thema „Gemeinde“ nicht nur um Glauben, sondern auch um Heimat geht. Um das Verbundensein mit seinen Mitmenschen, seiner Heimat, der Stadt, in der man lebt.

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geschrieben von: Ralf Julke am Dienstag, 20. Juni 2006

Kulturkampf in Leipzig, Teil 3: Wovon Sozialforscher schwärmen

Sozialforscher schwärmen gern von den „urbanen Qualitäten“ der Leipziger Gründerzeitviertel. Und vergessen oft, dass es Viertel sind, die menschlichen Bedürfnissen entsprechend gebaut wurden. In ihren Zentren sogar „gewachsen“ sind. So, wie Städte jahrhundertelang organisch gewachsen sind. Auch der Augustusplatz hat sich mehrmals verändert.

Doch stets waren die Bauenden bestrebt, ihn zu einer organischen Einheit werden zu lassen. Egal, wie heterogen die Nutzungen waren - das Gesamtbild war eine Einheit. Der Platz lebte. So, wie er jetzt nicht mehr leben wird. Was die Kochs vorschlagen, sind nur vorsichtige Möglichkeiten, die geborgenen Schätze der Paulinerkirche im Neubau möglichst offen und homogen zu präsentieren. Abgesehen von ihrem Vorschlag, die von Arwed Rossbach geschaffene Fassade der Paulinerkirche in die neue Fassade zu integrieren.

Sie fordern ja nicht einmal eine öffnung der Etzoldschen Sandgrube, eine Bergung aller Bauteile und den kompletten Wiederaufbau. Schön wär’s. Es wäre ein Leipziger Geniestreich. Doch der Wettbewerb für den Uni-Neubau lief unter der Grund-These, dass es keine neue Paulinerkirche geben durfte. Diesmal auch auf Druck der Stadtplaner. Auch das verlangte Raumvolumen zwang die Wettbewerbsteilnehmer zu monströsesten Verrenkungen. Den Uni-Riesen samt Grundstück hatte man ja nicht mehr zur Verfügung.

Man kann das uneffektive Hochhaus auch den „Pfahl im Fleische“ nennen. Den Pfahl im Fleisch einer Stadt, das sich bis in die späten 1960er Jahre mitten im lärmenden Sozialismus das Flair einer Welt- und Bürgerstadt bewahren konnte. Den Bürgersinn hat sie sich länger bewahrt, auch ohne die großen Bürger der Vergangenheit. Und am Ende geht es tatsächlich darum: zu verfügen über diese Stadt, die von Anfang an eine rebellische war. Ihr ein Bild aufzudrücken, zu zeigen, wer das Sagen hat.

Der Konflikt heißt nicht Unglauben kontra Kirche, sondern Staat kontra Bürgertum. Natürlich hätte man die Neugestaltung am Augustusplatz diskutieren können. Weit vor allen Entwürfen, hätte - auch wenn es Landeshoheit ist, was da baut, - Leipziger Bürgersicht mit einfließen lassen können. Hätte zumindest versuchen können, eine Lösung zu erarbeiten, die das Bild abrundet. Es wurde nicht versucht. So wenig übrigens wie beim Thema Bildermuseum. Stadtplanerische Genialität hat sich das Urteil vorweggenommen.

Es ist kein Wunder, dass am Sachsenplatz nun keiner bauen will. Die Lösung ist missglückt. Und den van Egeraatschen Entwurf kennt man auch erst nur aus Zeichnungen und Computeranimationen. Ohne die Bahnhofs-Wartehallen davor. 2009 werden die Planen fallen. Dann wissen wieder ein paar Leute mehr, was nicht geklappt hat. Das Geld ist ausgegeben. Und niemand ist wirklich dran schuld.

Auch das ist Teil des Kulturkampfes, in dem Gelder nach scheinbar rein praktischen Zwecken ausgegeben werden. Ganz so, als wären die Bedürfnisse des heutigen Tages gültig für alle Zeit. So einzig war Bauen nie. Und auch nie so einsam. Man flaniert nicht mehr über den Augustusplatz. Man rennt oder eilt. Manchmal demonstriert man auch, wohl wissend, dass das niemanden interessiert in einem Land, das seine feudale Gnädigkeit nie verloren hat. Es würde schon überraschen, wenn die wirklich zahmen Vorschläge von Dietrich und Eckhard Koch tatsächlich verwirklicht würden.

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Aufforderung an den Vorstand

Geschrieben von Koch, Dietrich am 20. Juni 2006 12:26:42:

„... die wirklich zahmen Vorschläge von Dietrich und Eckhard Koch“ – eine solche Formulierung piekst schon etwas. Aber Ralf Julke hat natürlich Recht. Wir fügen uns dem Entwurf van Egeraats und fragen, was noch zu machen ist, um vielen Leipzigern eine Identifikation mit diesem Entwurf zu ermöglichen.

Vor einem reichlichen Jahr haben wir die Vorschläge der Denkschrift auf einer Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative zum Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum in Leipzig e. V. vorgestellt. (Freilich war es dann doch keine Mitgliederversammlung, sondern nur eine beschlußunfähige Informationsveranstaltung, da die Einladungen zu spät verschickt worden waren.) Fast alle Mitglieder äußerten ihre Zustimmung zum Vorschlag, die neogotische Roßbachfassade vor van Egeraats Entwurf zu setzen. Eine Abstimmung ergab, daß etwa 90% der einfachen Mitglieder dafür waren. Nur der Vorstand war mehrheitlich gegen den Vorschlag. Aber begründet hat er seine Ablehnung mit keinem Wort. Es scheint, daß er mit nichts über den Egeraatschen Entwurf hinausgehen möchte. Das ist schon merkwürdig. Denn der Beschluss der Mitgliederversammlung vom 22. Januar 2005 besagt immerhin: »Unter der Voraussetzung, dass der Entwurf des Architekten Erick van Egeraat - so wie am 25. März 2004 der öffentlichkeit präsentiert - gebaut wird, werden die Ziele des Vereins auf der Basis dieses Entwurfs weiter verfolgt.« Genau diesem Beschluß genügen unsere Vorschläge. Aber der Vorstand bleibt unterhalb des Mitgliederbeschlusses.

Wie wäre es, wenn sich der Vorstand endlich inhaltlich zu „Kulturkampf in Leipzig“ äußern würde? Er wird hiermit dazu aufgefordert.


Info: Dietrich Koch/Eckhard Koch „Kulturkampf in Leipzig. Denkschrift zur Wiederaufbaudebatte Universitätskirche St. Pauli“, Forum Verlag Leipzig, Leipzig 2006, 15,80 Euro

Leipziger Internet-Zeitung

Leipziger Forum-Verlag

"Kulturkampf in Leipzig"


Lesen Sie auch:
Buchbesprechung bei BILD Leipzig (6. Juni 2006)
Neues Buch fürs letzte Gefecht um Paulinerkirche


Impressionen von der Buchvorstellung "Kulturkampf in Leipzig"
Beteiligen Sie sich an der Diskussion!

Meinungen:

Geschrieben von Dieter Hilbert am 05. Juni 2006 12:08:09:

Als Antwort auf: Die Buchvorstellung heute ("Kulturkampf in Leipzig") geschrieben von Henrike Dietze am 04. Juni 2006 23:31:16:

Ich kann Ihnen nur zustimmen, Frau Dietze. Ich möchte aber besonders den Diskussionsbeitrag eines jüngeren Mannes hervorheben. Er erzählte, daß er noch nie etwas von der Unikirche gehört hatte. Er sei erst durch die Installation Paulinerkirche darauf aufmerksam gemacht worden. Und er könne sich vorstellen, daß die vorgeblendete Roßbachsche Fassade die gleiche Wirkung auf junge Menschen und Besucher der Stadt hervorrufen würde wie auf ihn seinerzeit die Installation. Diesen Gedankengang konnte ich sehr gut nachvollziehen.

Und nun noch eine eigene überlegung. Ich würde es wirklich besser finden, wenn von Anfang an alle Säulen wieder aufgebaut würden, damit auch die Kanzel im Kirchenschiff wieder ihren Platz finden kann. Und wenn es im Interesse der Sichtfreiheit sein muss, dann eben mit einer Verbreiterung des Abstandes der Säulenreihen voneinander.
Ich finde es nicht richtig, mit Blick auf festliche Veranstaltungen der Universität auf das Audimax zu verweisen. Sie gehören in die Universitätskirche, so wie es Tradition war. Das wäre dann doch so wie unter dem Rektor Georg Mayer, als die Berufungen und andere festliche Angelegenheiten dann im Kinosaal (im Capitol) stattfanden und nicht mehr in der Kirche. So hatte es ein älterer Herr (ich glaube, er hieß Haufe) in der reformierten Kirche vorgetragen.

Die Buchvorstellung war eine gelungene Veranstaltung. So 50 bis 60 Gäste werden wohl dagewesen sein. Hoffentlich wird das Buch auch von den Verantwortlichen der Universität gelesen. Es ist doch nun wirklich an der Zeit, daß auch der Widerstand des Jahres 1968 an der Universität gewürdigt wird. Aber wie ich mir habe erzählen lassen, soll es dem Nachwenderektor Cornelius Weiss schon sehr schwer gefallen sein, Natonek zu würdigen. Er mußte wohl erst nachdrücklich dazu gedrängt werden. Jedenfalls wurde mir das so erzählt.

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Denkschrift zur Wiederaufbaudebatte um die Universitätskirche in Leipzig


Lesen Sie auch:


weitere Informationen zur Problematik:

  • Dietrich Koch: Das Verhör. Zerstörung und Widerstand
    Aus Protest gegen die Sprengung der Leipziger Universitätskirche St. Pauli im Jahre 1968 entrollten fünf junge Physiker automatisch ein Plakat mit der Forderung nach Wiederaufbau. Dietrich Koch ist der einzige, der wegen seiner Beteiligung daran verurteilt wurde. Er berichtet mit großer Genauigkeit über die Methoden und den riesigen Aufwand der Stasi, ihn in fast zweijährigen Verhören geständig zu machen und über seinen Widerstand gegen den Versuch ihn zu zerstören. Seine Geschichte ist eingebettet in eine kaum bekannte Landschaft des Widerstandes in der damaligen DDR.
  • Anfeindungen

Kulturkampf in Leipzig – Ausschluß aus dem "Paulinerverein"

Am 30. Mai 1968 wurde die 1231 gegründete unversehrte Leipziger Universitätskirche St. Pauli gesprengt, da sie nicht an den sozialistischen Karl-Marx-Platz passe. Am 27. Mai wurde ich vor der Kirche festgenommen und 19 Stunden lang verhört. Gegen mich wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dies führte zu meiner fristlosen Entlassung aus der Akademie der Wissenschaften, wo ich als theoretischer Physiker arbeitete. Gegen den barbarischen Akt der Sprengung gab es vielfältige Proteste. Am 20. Juni 1968 entrollte sich vor dem internationalen Publikum des III. Internationalen Bachwettbewerbs in der Leipziger Kongreßhalle ein großes gelbes Plakat mit den Umrissen der Kirche, 1968 † und der Aufschrift "Wir fordern Wiederaufbau". Mein Bruder Eckhard Koch und ich hatten die automatische Auslösung mit einem Wecker gebaut. Nach anderthalb Jahren fieberhafter Suche der Stasi wurde ich verhaftet. Ich bin der einzige wegen der Beteiligung an dieser Plakataktion Verurteilte – zu zweieinhalb Jahren und anschließender unbefristeter Unterbringung in der Psychiatrie. Meine Hafterfahrungen habe ich beschrieben in "Das Verhör. Zerstörung und Widerstand", s. www.verhoer.de.
Dieses Plakat gilt als ideelle Gründungsurkunde des Vereins.


In Leipzig bemüht lt. Satzung sich eine Bürgerinitiative für den Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum e. V., oft "Paulinerverein" genannt. Erst kürzlich haben mein Bruder und ich für dieses Ziel im Leipziger Forum Verlag "Kulturkampf in Leipzig. Denkschrift zur Wiederaufbaudebatte Universitätskirche St. Pauli" veröffentlicht.

Im "Paulinerverein" ist der Teufel los. Vor zwei Jahren wurde Dr. Ulrich Stötzner zum Vorsitzenden gewählt. Er hat dabei verschwiegen, daß er am Tage der Sprengung innerhalb der Absperrung "seinen Job gemacht hat", u. a. mit seismographischen Messungen.
Nachdem dies bekannt geworden war, bekundete am 3. Juni 2005 in der Leipziger Volkszeitung das in den USA lebende Vereinsmitglied Sonja Heß u. a. kritisch "Verwunderung" über das Verhalten Stötzners am 30. Mai 1968, und Eckhard Koch, immerhin stellvertretender Vorsitzender des "Paulinervereins", wird mit den Worten zitiert: "Ich jedenfalls hätte mir nicht vorstellen können, inmitten der großflächigen Absperrungen anwesend zu sein."
Im damaligen LVZ-Forum folgte eine lebhafte und teilweise sehr kritische Diskussion zum Verhalten Ulrich Stötzners am Tage der Sprengung. Ich schrieb "Können Sie sich vorstellen, dass die Stasi mich für eine Aufgabe innerhalb der Absperrung für geeignet befunden hätte?" - ohne Stötzners Namen zu erwähnen.
Frau Henrike Dietze schrieb im Diskussionsform Wiederaufbau der Leipziger Universitätskirche http://wwischer.itrnet.com/pauliner: "Und so hält sich auch einer für geeignet, sich zum Vorsitzenden in der Bürgerinitiative für den Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum in Leipzig e. V. wählen zu lassen, der ein Helfershelfer auf der Seite der Kirchensprenger war."
In der Mitgliederversammlung am 25.11.2006 wurden wegen dieser äußerungen Dr. Henrike Dietze, Dr. Sonja Heß, Dr. Dietrich Koch und Dr. Eckhard Koch ausgeschlossen. (s. Briefe vom 20.6.2005 an die vier Auszuschließenden mit den Ausschlußgründen)

Kann jemand ernstlich glauben, die Stasi hätte mich zwei Tage nach meiner Festnahme vor der Kirche und einem laufenden Ermittlungsverfahren für geeignet befunden, innerhalb der Absperrungen "meinen Job" zu tun? Wenn wir ein Kameradschaftsverein von ehemaligen MfS-Mitarbeitern wären, könnte es unehrenhaft sein, nicht für geeignet angesehen worden zu sein, nicht aber so beim "Paulinerverein". Der Verein, der eine Wiedergutmachung der DDR-Kulturbarbarei zum Ziel hat, kann stolz darauf sein, wenn ein Mitglied diese äußerung meines Bruders oder meine gemacht hat.

Herr Dr. Stötzner hat sich nicht öffentlich gegen die Sprengung ausgesprochen; jedenfalls ist Frau Heß davon nichts bekannt geworden. Zum anderen stand er den DDR-Oberen tatsächlich zur Seite, er hat - in seinen eigenen Worten "damals seinen Job gemacht" - und zwar innerhalb der Absperrung. Was also sollte falsch an der Aussage sein, in der die LVZ vom 3.6.2005 - nur mit anderen Worten - sagt, was Dr. Stötzner selbst ausgesprochen hat?

Die Formulierung von Henrike Dietze, Stötzner sei ein "Helfershelfer auf der Seite der Kirchensprenger", ist ebenso bereits durch die bisherigen Einlassungen Dr. Stötzners gedeckt.

Ich halte diese Ausschlüsse für einen Skandal. Die BILD-Zeitung, die Leipziger Volkszeitung, der MDR-Rundfunk und der MDR-Sachsenspiegel berichteten am 27.11.2006 über die Ausschlüsse.

Wir, die wir ausgeschlossen werden sollen, sind satzungstreue Mitglieder. Wir wollen den Wiederaufbau als ein Symbol der friedlichen Revolution und zur Erinnerung an den Widerstand gegen die barbarische Kirchensprengung und an dessen Opfer.

Die Ausschlüsse genügen auch nicht den formalen Kriterien:

  • Am 25.11.2006 lagen die inkriminierten äußerungen anderthalb Jahre zurück. Ausschlußverfahren hätten in der Mitgliederversammlung am 17.9.2005 oder Ende Mai 2006 stattfinden müssen. Jetzt war es zu spät dafür, d. h., etwa bestehende Ausschlußgründe sind verwirkt.
  • Nach Satzung § 5 (4) Satz 1 hat der Vorstand ein Mitglied zur Stellungnahme aufzufordern. Derartige Vorstandsbeschlüsse gibt es nicht.
  • Es gibt auch keine nach Satzung §5 (4) Satz 2 notwendigen Vorstandsbeschlüsse zur Ausschließung.
  • Das Recht zur mündlichen Stellungnahme nach Satzung §5 (4) Satz 3 in der Mitgliederversammlung wurde beschnitten. Jeder der Auszuschließenden erhielt nur 5 Minuten zur Stellungnahme; diese wurden immer wieder durch Brüllereien unterbrochen, so daß eine geordnete Stellungnahme unmöglich war.

Zum Stil der Ausschlußversammlung verweise ich auf zwei Schreiben eines ausgetretenen Mitgliedes (Anlage: Austrittserklärung an Dr. Stötzner und Brief an Dietrich Koch vom 3.12.2006)

Die Ausschlugründe sind offensichtlich vorgeschoben. Was steckt dahinter?

Das Buch Dietrich Koch, Eckhard Koch: "Kulturkampf in Leipzig", Leipzig 2006 ist die einzige umfassende Darstellung zur Wiederaufbaudebatte aus der Sicht des Vereins. Es ist mit den Beschlüssen der Mitglieder vom Januar 2005 vollständig konform.

In der Mitgliederversammlung vom Januar 2005 wurde ein erster Entwurf auf Kosten von Sonja Heß an alle Mitglieder verteilt. Sowohl sie als auch Henrike Dietze haben am Buch tatkräftig mitgewirkt.
In der Versammlung im Mai 2005 konnte ich die neue Denkschrift vorstellen. Bis auf ein oder zwei haben alle anwesenden einfachen Mitglieder den darin geäußerten Vorstellungen zugestimmt, insbesondere dem Vorschlag, die Roßbachfassade der van Egeraatschen vorzusetzen – also über 80%; allein der Vorstand hat mehrheitlich dagegen gestimmt.

Seit dem hat Stötzner uns angegriffen. Der Vorstand hat sich geweigert, das Buch herauszugeben. Ich durfte in der Versammlung im September 2005 nicht darüber sprechen. In der umfangreichen öffentlichen Veranstaltung von Mai 2006 zu den Zielen des Vereins durfte ich – bis auf fünf Minuten Ankündigung der Neuerscheinung in der Diskussion – wiederum nicht darüber sprechen. Und auch im November 2006 kam ich zu "Kulturkampf in Leipzig" nicht zu Wort. Zur Buchvorstellung Anfang Juni 2006 war niemand vom Vorstand. Es gibt keine einzige Stellungnahme des Vorstandes zum Buch. Ulrich Stötzners Vorstand hat die umfangreiche Sacharbeit, die wir in "Kulturkampf in Leipzig" zu den Vereinszielen geleistet haben, unterdrückt. Dies ist der wahre Konflikt, zu dem die Ausschlußgründe nur vorgeschoben sind.

Dazu schreibt der Forum Verlag Leipzig in seiner Internetpräsentation: "Die Bürgerinitiative zum Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum in Leipzig e.V. schließen in nicht öffentlicher Sitzung ihren Stellvertretenden Vorsitzenden Eckhard Koch, Dietrich Koch und zwei weitere Mitglieder aus. "Grobe Verletzung der Interessen des Vereins" lautet die offizielle Begründung. Dietrich und Eckhard Koch gehören zu den Initiatoren des Plakatprotests gegen die Sprengung der Kirche im Mai 1968. "Wir fordern Wiederaufbau" ist trotz Strafverfolgung in der DDR für sie ein verpflichtendes Ziel bis heute geblieben, wie in "Kulturkampf in Leipzig" nachzulesen ist. Der Forum Verlag Leipzig nimmt die Entscheidung des Vereins mit äußerstem Befremden zur Kenntnis."

Dr. Dietrich Koch

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Quelle: http://wwischer.itrnet.com/pauliner/messages/13268.htm

Kulturkampf in Leipzig.
Denkschrift zur Wiederaufbaudebatte Universitätskirche St. Pauli in Leipzig

Geschrieben von Koch, Dietrich am 16. Dezember 2006 23:25:23:

Vorwort

Bevor im Jahre 1968 die unversehrte Leipziger Universitätskirche St. Pauli aus ideologischer Verachtung gesprengt wurde, war Ernst-Heinz Amberg, Dekan der Theologischen Fakultät der Leipziger Karl-Marx-Universität, in einer schwierigen Lage. Amberg erklärte, er könne dem Abriss der Universitätskirche nicht zustimmen, auch auf die Gefahr hin, als Störenfried zu gelten. In Sorge um das Schicksal der Fakultät, für die er sich verantwortlich fühlte und deren Existenz bedroht war, enthielt er sich bei der Abstimmung über den Bebauungsplan für das Universitätsgelände – der sich um eine Aussage zum Abriss der Universitätskirche St. Pauli drückte – der Stimme. Man sei zwar Verlierer, aber man könne nicht mit den Siegern ”Ja” sagen, erläuterte er sein Stimmverhalten. »Wir haben eine Kirche verloren, wir können nicht die Achtung vor uns selbst verlieren.«
Amberg formulierte so den Unterschied zwischen Mitläufertum und der Bewahrung von Würde: Er könne nicht zustimmen, müsse sich aber der Entscheidung fügen. Amberg hat noch heute unsere Hochachtung verdient.
Selbst dem Ersten Sekretär der SED-Bezirksleitung Leipzig, Paul Fröhlich, nötigte diese Haltung Respekt ab. Eine vergleichbare Situation ist heute für die Bürgerinitiative zum Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum eingetreten: Der kurz ”Paulinerverein” genannte Zusammenschluss hat sein satzungsgemäßes Ziel, den Wiederaufbau, nicht erreicht. Ein Wiederaufbau bleibt möglicherweise späteren Zeiten vorbehalten, wenn die Universität und die Stadt Leipzig unbefangener mit der historischen Schuld umgehen, die sie in der ära des SED-Chefs Walter Ulbricht mit der Sprengung auf sich geladen haben. Zwar kann man die heutige Situation nicht mit der von 1968 gleichsetzen, aber wir dürfen uns die Haltung Ambergs in der Niederlage zum Vorbild nehmen. Wir werden nicht mit den Siegern jubelnd den Entwurf des niederländischen Architekten Erick van Egeraat zur Erfüllung unseres Ziels verklären. Wir müssen uns der Entscheidung fügen, aber wir können sie nicht akzeptieren. Das ist nicht nur eine Frage der Satzung, sondern auch der Selbstachtung und Glaubwürdigkeit. Würde der Verein den Entwurf van Egeraats akzeptieren, obwohl der seinem Hauptziel nicht genügt, so würden Gegner des Vereins meinen, sie müssten auch weitere Vorhaben nicht ernst nehmen.

Unser Ideal bleibt der originalgetreue Wiederaufbau: Die hier vorgelegten Vorschläge gelten – juristisch gesprochen – nur hilfsweise. Wir möchten, dass so viel wie möglich von der gesprengten Universitätskirche sichtbar wird. Genau diese Haltung drückt der Beschluss der Mitgliederversammlung vom 22. Januar 2005 aus: »Mit der Juryentscheidung vom 24.3.2004 ist dem satzungsgemäßen ,Fernziel’, nämlich ,die Wiedererrichtung der beiden geschichtsträchtigen Gebäude’ Universitätskirche und Augusteum, nicht entsprochen worden. Unter der Voraussetzung, dass der Entwurf des Architekten Erick van Egeraat - so wie am 25. März 2004 der öffentlichkeit präsentiert - gebaut wird, werden die Ziele des Vereins auf der Basis dieses Entwurfs weiter verfolgt.«
Wenn 1968 sogar der SED-Bezirkssekretär die abweichende Haltung Ambergs respektierte, dürfen wir Respekt von der heutigen Universitätsleitung dafür erwarten, dass wir dem Entwurf van Egeraats nicht zustimmen können. Es ist klar: Wenn nach dem van Egeraatschen Entwurf vom März 2004 oder erst recht gemäß dem vom Januar 2006 gebaut wird, können nur noch Teile unseres Wiederaufbauziels verwirklicht werden. Die vorliegende Denkschrift konkretisiert diese Teilziele und füllt damit den Beschluss der Mitgliederversammlung aus. Sie ist aber keine offizielle Publikation des “Paulinervereins”. Die Universität hat schon durchgesetzt, dass der urprüngliche van Egeraatsche Innenentwurf mit einer Annäherung an die gotische Säulenhalle nicht verwirklicht wird. Nur drei von sechs Säulenpaaren sollen bis zum Boden geführt werden; die anderen sind als “hängende Säulen” geplant. Unsere Denkschrift ist auch ein Plädoyer gegen eine solche Reduzierung. Aber auch bei einer Reduzierung wären unsere Vorschläge zur Rekonstruktion der Roßbachschen Kirchenfassade wichtig, um dann wenigstens im äußeren Bild das Wiederaufbauziel weiterzuverfolgen. Die Vorschläge dieser Denkschrift sollten für die Universitätsleitung annehmbar sein: Beispielsweise tangiert der Fassadenvorschlag die Nutzungserfordernisse der Universität in keiner Weise, aber er erfüllt den in Vergessenheit geratenen Konzilsbeschluss der Alma Mater von 1999, in der baulichen Gestaltung alle prägenden Facetten der Geschichte der Universität sichtbar zu berücksichtigen.
Für die einen kommt nur der originalgetreue Wiederaufbau in Betracht, andere sind bereit, van Egeraats Entwurf zu akzeptieren. Diese Denkschrift möchte divergierende Vorstellungen versöhnen.

Eckhard Koch
Stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative zum Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum in Leipzig e. V.
Dresden, April 2006

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aus Diskussionen

Quelle: http://wwischer.itrnet.com/pauliner/messages/13225.htm

Frage

Geschrieben von Klaus Drummer am 16. Dezember 2006 09:59:45:

Im Zusammenhang mit dem Ausschluß "Der Vier" habe ich eine Frage: Wie oft ist der Vorstand von Vereinsmitgliedern verklagt worden und wer waren die Kläger?

Re: Frage

Geschrieben von Koch, Dietrich am 16. Dezember 2006 10:14:27:

Als Antwort auf: Frage geschrieben von Klaus Drummer am 16. Dezember 2006 09:59:45:

2004 haben Sonja Heß und ich gegen die Wahlen zum Vorstand geklagt und gewonnen.

2006 wurde eine Klage gegen die Mitgliederversammlung am 17.9.2005 eingereicht, die noch läuft.

Re: Frage

Geschrieben von Henrike Dietze am 16. Dezember 2006 13:07:19:

Als Antwort auf: Re: Frage geschrieben von Koch, Dietrich am 16. Dezember 2006 10:14:27:

Zu der vor Gericht gewonnen Klage gegen die Wahlen zum Vorstand würde ich gern etwas ergänzen, wenn es Sie nicht stört, Herr Drummer.

Damals stand Herr Dr. Stötzner ganz und gar an der Seite der Kläger, hat sie auch durch praktisches Tun unterstützt und beraten. Insofern ist das keine Klage gegen einen ordentlich gewählten Vorstand gewesen, sondern gegen einen nicht ordentlich gewählten Vorstand, und keineswegs mit der jetzigen in einen Topf zu werfen. Es kam zur Einsetzung eines Notvorstandes, nach einer langen Periode von Frau Dr. Schrödl und dem damaligem Vorstand zu verantwortenden geschäftsunfähigem Vorstand. Wahlen vor Gericht auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen zu lassen, ist doch wohl nicht undemokratisch, sondern das legitime Recht eines Bürgers, vorausgesetzt er ist klageberechtigt, (als Vereinsmitglied oder Wahlbürger) selbst betroffen. Und es gibt dafür ein rechtssaatlich abgesichertes Verfahren, ohne Willkür und ohne Mutmaßungen.

Und bei der darauf folgenden Wahl war Dr. Stötzner - dank der vorangegangenen erfolgreichen Anfechtung der Vorstandswahl - zum Vorsitzenden gewählt worden. Er war gegen Herrn Dietrich angetreten und wurde zum Vorsitzenden gewählt. Das ist alles korrekt gelaufen, dagegen gibt es formal keine Beanstandung. Er hatte auch mein Vertrauen. Auch wenn ich ihn, wie jeder sich denken kann, nicht gewählt hatte. Ich fand, Dietrich Koch sei der bessere Vorsitzende, um die Vereinsziele zu vertreten. Aber Dr. Stötzner war demokratisch legitimiert. Es gab keinen Grund, ihm nicht zu vertrauen.

Aber nach gewonnener Wahl ging er dann damit an die öffentlichkeit, daß er am Tage der Sprengung im abgesperrten Bereich "seinen Job" gemacht habe. Die Fotos belegten dann, daß er seinen Job nur im staatlichen Auftrag gemacht haben konnte. Und daß da keiner, ohne auf seine absolute politische Zuverlässigkeit geprüft worden zu sein, hereinkam, dürfte wohl jedem völlig klar sein. Dies alles hat er bei seiner Kandidatur verschwiegen. Aber der Gipfel war, daß er dann - im Gegensatz zu einem gerade erst gefassten, völlig anders lautenden Beschluss des Vereins und im Gegensatz zu den Vereinszielen in der LVZ erklärte, der Verein müsse sein Vereinsziel mangels Macht "ad acta" legen.

Das gab es schon einmal, daß ein Vorsitzender des Paulinervereins (Prof. Behrend) in der öffentlichkeit den Wiederaufbau plötzlich ablehnte, da er die "veraltete Paulinerkirche nicht zwanghaft hervorholen will". Das hatte damals zum Rücktritt der beiden Stellvertreter Dr. Wurlitzer und Dr. Helmstedt gefüht, die damit Neuwahlen und eine Positionierung des Vereins zu den Vereinszielen erzwingen wollten. Aber stattdessen blieb der übrig gebliebene Vorstand im Amte, versuchte es mit Kooptionen genehmer Vereinsmitglieder nach altem DDR-Muster.
Vom Amts- bzw. Registergericht war der Restvorstand mehrfach darauf hingewiesen worden, daß er geschäftsunfähig sei, daß dringend eine Legitimation für Vorstandshandeln durch Neuwahlen herbeizuführen sei, ihm wurde verboten, die Bezeichnung Paulinerverein im Außenverhältnis - also in der öffentlichkeit - zu gebrauchen usw. usw.

Dies alles hatte Frau Dr. Schrödl dem Verein nach meinem Kenntnisstand verschwiegen, weil sie sich im Windschatten von Professor Blobel sehr sicher wähnte. Und für viele der letzte Tropfen, der das Fass dann zum überlaufen brachte, war, daß vielen Vereinsmitgliedern auch unbekannt war, dass sie Dozentin für Marxismus-Leninismus war. Und dann ging der HVA-kundige Volker Külow auch noch mit ihrer Dissertation, die nicht für den öffentlichen Gebrauch erlaubt war, an die öffentlichkeit. Natürlich nicht, um auch siche selbst damit zu schaden, sondern um die Vertretung des Vereinsziels durch sie zu diskreditieren. Denn PDS, SPD und Bündnis90/Die Grünen waren gegen den Wiederaufbau, was ja dann auch im Stadtrat durch namentliche Abstimmung mainifest wurde. Frau Dr. Schrödl zu diskreditieren war Volker Külows Waffe "im letzten Gefecht" gegen den Wiederaufbau. Dies hatte mich dann sogar noch dazu gebracht, für Frau Dr. Schrödl ein gutes Wort einzulegen. Denn daß nun ausgerechnet Külow das Fass zum überlaufen bringen sollte, ging mir wiederum nun sehr gegen den Strich, nach meinen Erfahrungen mit diesem Herrn.

Sie wurde dann - die Wahlen wurden in allerletzter Minute dann doch angesetzt - äußerst knapp gewählt. Diese Wahlen wurden angefochten aus mehreren Gründen. Die Richter erklärten die Wahlen dann für ungültig, weil die nicht wahlberechtigten Stefan Welzk (und andere Ehrenmitglieder ?) mit gewählt hatten. Dass die Wahlen nun ausgerechnet deswegen für ungültig erklärt wurden, weil die Ehrenmitglieder laut Satzung - nach Feststellung des Gerichtes - nicht wahlberechtigt waren, damit hatten die Kläger nicht gerechnet. Das hatten sie auch nicht gewollt. Aber die Ehrenmitglieder Stefan Welzk (und die anderen auch?) waren nie selbst ordentliche Mitglieder geworden und hatten sich auch nie öffentlichkeitswirksam für den Wiederaufbau engagiert, sondern stattdessen Herrn Dietrich Koch und seinen Bruder zu demontieren versucht, also Streit in den Verein hineingetragen: Sie seien nicht am Weckerbau beteiligt gewesen u. a.
Dagegen wußten einige derer, die eine Nichtbeteiligung von Dietrich und Eckhard Koch am Bau des Zeitauslösers behaupteten, sehr wohl, daß es anders war als von ihnen dargestellt oder sie hatten - wie es Dr. Dietrich Koch hier nachwies anhand deren eigener Aussagen - keine eigene Wahrnehmung, folgten den Einreden anderer.

Sie warfen ihm - mein Kenntnisstand - auch vor, sich auf unlautere Weise Zugang zu Akten verschafft zu haben. Dass er aber auch Zugang zu den Akten anderer erhalten hatte, lag daran, daß er zu seiner Verurteilung ein Rehabilitationsverfahren durchführen ließ. Und da kam natürlich auch alles auf den Tisch, wer ihn womit belastet hatte, wer ihn denunziert hatte usw. Bis hin zu Bernhard Langfermann (IM Boris), SEW-Mitglied, der von Westberlin nach Ostberlin zur Stasi lief, um zu denunzieren. Und ihm hatte Stefan Welzk (nach Aktenlage der Stasi, die im Prozess gegen Dietrich Koch und bei seiner Verurteilung eine Rolle spielten, sehr wahrscheinlich) wohl auch etwas über den Plakatprotest erzählt und die vermutliche Beteiligung Dietrich Kochs daran. Woher sollte Bernd Langfermann das ansonsten wissen? Er hat der Stasi dazu jedenfalls etwas gesagt und die hat in Dietrich Kochs Akten den Vermerk "Budenzauber Kirche" oder so ähnlich gemacht. Und deswegen - also wegen der Denunziation durch Herrn Langfermann (was Herr Welzk sicher nicht beabsichtigt hatte, unterstelle ich einfach mal, aber er war sehr, ja geradezu sträflich unachtsam, sich ausgerechnet einem SEW-Mitglied anzuvertrauen und ihn auch noch als Kurier für Bücher auszuwählen (Deswegen wohl auch sein IM-Name "Boris Buch". Die Stasi hatte sehr oft sprechende Namen. Und den Namen "Boris" hat er sich wohl selbst gewählt. Auch das war üblich bei der Stasi.
Das alles im Rehabilitationsverfahren lesen zu müssen, das war für Dietrich Koch nur schwer zu verarbeiten, eigentlich gar nicht. Das ist doch wohl nachvollziehbar. Oder nicht?

Und dann griffen die ihn auch noch an!

Das war sehr, sehr bitter, doppelt bitter. Natürlich war die Veröffentlichung auch der Akten und Dokumente in ("Das Verhör") auch für die schwer erträglich, die ihn in ihren Vernehmungen belastet hatten (unter großem psychischen Druck), dazu aber bis zur Veröffentlichung des Buches von Dietrich Koch geschwiegen hatten. Und dann wollte einer (Stefan Welzk?) sogar die Herausgabe des Buches verhindern lassen. Es gelang nicht, das Buch zu verhindern. Aber zugesagte Druckkostenzuschüsse etwa der Stiftung zur Aufarbeitung (?) wurden zurückgezogen. Und es war dann ein mutiger katholischer Verleger, der der CDU nahe steht, der das Buch trotzdem herausbrachte. Einen erheblichen Teil der Kosten allerdings hat wohl Dietrich Koch selbst übernehmen müssen. Auch die EVA hatte - mein Kenntnistand - die Herausgabe des Buches abgelehnt. Aber hier kann ich mich irren, es kann auch ein anderer Verlag gewesen sein, aber auf jeden Fall ein der Kirche nahe stehender, ein Tendenzschutzbetrieb.

Dabei hatte Dietrich Koch sogar mehr Namen geschwärzt bzw. anonymisiert als er mußte. Er hat sich sehr weitgehend an die Empfehlungen bei der Herausgabe des Stasi-Unterlagengesetzes gehalten, obwohl er durch sein Rehabilitationsverfahren natürlich alle Namen hatte. Gibt die BStU Akten heraus, werden die Namen Dritter geschwärzt, um ihre Persönlichkeitsrechte nicht zugefährden. Aber in Reha-Verfahren kommen alle Namen ungeschwärzt auf den Tisch.

Mit einem Vorsitzenden Dietrich Koch hätte es so etwas nie gegeben. Herr Dietrich Koch muss nicht laufende Meter neue Versionen und Variationen erfinden, wie er sich bei der Sprengung der Uni-Kirche - und danach - verhalten hat. Er besitzt wegen seines Märtyrertums (für mich nicht unbedingt ein positiver Begriff, aber für Christen sehr wohl) für den Erhalt der Unikirche und weil er an keiner Stelle bei der Darstellung dessen, was war, gelogen hat und auch nicht lügt, sondern sich immer - zum Beispiel in Foren oder anderen Veröffentlichungen - sofort selbst korrigiert, wenn er sich geirrt hat oder etwas nicht genau wußte - eine außerordentlich hohe Glaubwürdigkeit und auch eine sehr hohe nationale Reputation.

Und zu Ihrer anderen Frage:

Zwar ist der Prozess noch nicht entschieden, aber da ich als interessierte öffentlichkeit daran teilnahm (es ist immer besser, sich selbst ein Bild zu machen, wenn man sich eine Meinung bilden muß) darf ich dazu sagen, daß die Frage der Unterschriften zu den Einladungen längst vom Tisch ist.

Es geht jetzt ausschließlich um die inhaltliche Vorbereitung (Fragen der Tagesordnung im weitesten Sinne. Und da hat(te) der Vorstand ganz schlechte Karten, weil er die Mitgliederversammlung (und das ist jetzt meine Meinung, das Gericht kann dazu hoffentlich noch entscheiden) in manipualtorischer Absicht (Stimmungsmache) vorbereitet hatte. Und was nun die Gründe des Vorstandes für die Stimmungsmache anbelangt, liegen die Gründe dafür vermutlich tatsächlich in der Publikation "Kulturkampf in Leipzig". Das ist wohl auch der Grund für das langanhaltende Mobbing gegen den stellv. Vorsitzenden Eckhard Koch, den zweiten Autor neben Dietrich Koch.

Und bei der angesetzten Zeugenvernehmung (in der es also um inhaltliche Fragen der Vorbereitung der Mitgliederversammlung ging) hatte ich dem Gericht sogar angeboten, den Gerichtssaal wie die anderen Zeugen auch, zu verlassen. Denn in dieser ominös vorbereiteten Versammlung war dann auch - eigentlich schon nach dem Abschluss, am Ende der Versammlung von Dr. Jonas dazwischengerufen worden, nicht nur Dr. Eckhard und Dr. Dietrich Koch auszuschließen, sondern Frau Dr. Heß und mich gleich mit. Ohne Diskussion, ohne mich dazu zu fragen, ohne alles, wurden unsere Namen gleich mit dazugepackt. Das ist die Vereinskultur im Paulinerverein, nicht gerade sehr demokratisch. So war das auf SED-Versammlungen auch immer.


Wegen der Bedeutung auf zum Landgericht

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Geschrieben von Koch, Dietrich am 24. Februar 2007 18:29:06:

Amtsgericht Leipzig
108 C 10331/06 21.02.2007

In Sachen
Dr. Dietrich Koch
PD Dr. Eckhard Koch
Dr. Sonja Heß
Dr. Henrike Dietze

gegen

VR 1202 AG Leipzig, Bürgerinitiative zum Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum in Lpg e.V., vertreten durch den Vorstand Dr. Ulrich Stötzner

Beschluß

Der Streitwert für den Rechtsstreit wird vorläufig auf 10.000,00 EUR (Kläger zu 1) und Kläger zu 2) jeweils 4.000 EUR und Klägerinnen zu 3) und zu 4) jeweils 1.000 EUR) festgesetzt.

Gründe:

Die Parteien streiten um die Wirksamkeit des Ausschlusses der Kläger und Klägerinnen aus dem beklagten Verein. Der Kläger zu 2) war vor der Beschlussfassung der Mitgliederversammlung vom 25.11.2006 stellvertretender Vorsitzender des Beklagten. Die Kläger tragen vor, dass die 4 Kläger zu den aktivsten Mitgliedern des Vereins gehörten und sie sich in der Vergangenheit mit großem Engagement öffentlich für die Ziele des Vereins eingesetzt hätten. Nach dem Vortrag haben sich der Kläger zu 1) in mehreren Dutzend Vorträgen in ganz Deutschland für den Wiederaufbau der Universitätskirche ausgesprochen. Dazu betreibe er eine Internetseite und habe er mehrere Vorträge gehalten, an denen einmal etwa 300 Hörer teilgenommen hätten. Der Kläger zu 1) trägt vor, daß er an einem Plakatprotest gegen die Sprengung der Leipziger Universitätskirche beteiligt gewesen ist und dieser als die ideelle Gründungsurkunde des Vereins gelte. Der Kläger zu 1) gibt an, dass er in der Öffentlichkeit ein hohes Ansehen genießt. Der Kläger zu 1) gibt an, einen umfassendsten Erfahrungsbericht über die Untersuchungshaft beim MfS vorgelegt zu haben und darin die Forderung nach Wiederaufbau erhoben habe und der verstorbene Bundespräsident Johannes Rau „Das Verhör“ und die Denkschrift 1 gewürdigt hätte. Die im Jahr 2001 zusammen mit dem Kläger zu 2) herausgebrachte erste Denkschrift zum Wiederaufbau der Leipziger Universitätskirche habe nach dem Vortrag großes Interesse gefunden und 6 Nachauflagen erhalten. Der Kläger zu 1) sei wohl das bekannteste Mitglied der Bürgerinitiative für den Wiederaufbau. Auch der Kläger zu 2) genieße wegen seiner Mitwirkung am Plakatprotest 1968 hohes Ansehen. Er habe zum Wiederaufbau der Universitätskirche in Zeitschriften und Internetforen publiziert und Vorträge gehalten. Der Kläger zu 2) kenne aus seiner Arbeit spätere Landesminister und Abgeordnete. Diese Beziehung habe er jahrelang genutzt, um für die Vereinsziele der Bürgerinitiative zu werben. Der Kläger zu 2) sei ausdrücklich für den Wiederaufbau der Universitätskirche Vorstandsmitglied des Landesvorstandes des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Sachsen. Auch die Klägerin zu 3), die heute als Direktorin an der National Institutes of Health in den USA arbeite, habe sich mit sehr großem Engagement für den Wiederaufbau eingesetzt. Die Klägerin zu 4) sei als ehemalige Stadträtin in Leipzig bekannt. Auch sie habe sich seit ihrem Eintritt in die Bürgerinitiative umfangreich vor allem in zahlreichen Internetbeiträgen und mehreren Leserbriefen für die satzungsmäßigen Ziele eingesetzt.

Die Kläger verneinen mit Schriftsatz vom 16.02.2007 ein wirtschaftliches Interesse.

Der Streitwert für die Feststellung bestimmt sich für die nicht vermögensrechtliche Streitigkeit unter Berücksichtigung aller Umstände.

Der festgesetzte Betrag von je 4.000,00 bzw. 1.000,00 EUR ist vorliegend angemessen. Die Kläger, insbesondere die Kläger zu 1) und zu 2), haben ein ungewöhnlich hohes Interesse an der Mitgliedschaft der Beklagten, wie vorstehend ausgeführt, dargetan. Auch sind die Gründe, die zum Ausschluß geführt haben sollen, vorliegend nicht in erster Linie privater und persönlicher Natur, sondern haben ausschließlich mit der Beklagten zu tun. Das Gericht geht daher davon aus, daß aufgrund des Vortrages der Kläger der festgesetzte Streitwert angemessen ist und nicht lediglich an dem Mitgliedsbeitrag gemessen werden kann.

Es wird insoweit auch auf die Entscheidung des OLG Koblenz im Beschluß vom 09.06.1989 in JurBüro 1990, 1034 sowie den Streitwertkommentar für den Zivilprozess Schneider, Herget, 12. Auflage, Seite 171, Stichwort Ausschließung, Randnoten 747 ff. verwiesen.

Die Addition der einzelnen Streitwerte ergibt sich aus § 5 ZPO.

Richterin am Amtsgericht

Es erfolgte ein Hinweis, daß binnen einer Woche mitzuteilen ist, ob Verweisung an das LG Leipzig beantragt wird.

Geschrieben von webflash am 24. Februar 2007 23:30:20:

Als Antwort auf: Wegen der Bedeutung auf zum Landgericht geschrieben von Koch, Dietrich am 24. Februar 2007 18:29:06:

Verstehe ich es richtig: Hier geht es zunächst um die Festsetzung des Streitwerts. Er erscheint den Klägern als vom Amtsgericht zu hoch angesetzt, wogegen sich beim Landgericht beschwert werden soll.

Geschrieben von Michael Weiss am 25. Februar 2007 05:14:06:

Als Antwort auf: Re: Wegen der Bedeutung auf zum Landgericht geschrieben von webflash am 24. Februar 2007 23:30:20:

Nein. Das heisst, dass das Amtsgericht den Streitwert in einer Hoehe festgestetzt hat, die den Fall automatisch vor das Landgericht bringt.
Und das wiederum bedeutet, dass der Fall die ihm angemessene juristische Wuerdigung erfaehrt.
Eine gute Nachricht.

____________________

Am Landgericht, Aktenzeichen 06 O 829/07, findet die öffentliche mündliche Verhandlung wegen der vier Ausschlüsse aus dem Paulinerverein statt:
Wochentag, Datum Uhrzeit, Sitzungssaal/Straße
Donnerstag, 7.6.2007 13.00, 26 / Harkortstr. 9

Impressionen von der Verhandlung am LG über die Vereinsausschlüsse

Geschrieben von webflash am 07. Juni 2007 14:52:02:

Der vorsitzende Richter erschien mir gut vorbereitet und legte vor allem dar, daß er ein vereinsschädigendes Verhalten der Ausgeschlossenen nicht erkennen könne. Wenn Hr. Dr. Stötzner sich persönlich verleumdet gefühlt hätte, hätte er persönlich dagegen vorgehen können. Er sei jedoch mit dem Verein nicht identisch. In einem Verein müßten auch kritische Bemerkungen über den Vorsitzenden möglich sein. Daß Hr. Dr. Stötzner während der Sprengung der Universitätskirche im abgesperrten Bereich gewesen sei und dort fotografiert habe, hätte dieser der LVZ selbst mitgeteilt. Die Ausgeschlossenen hätten ihre Fragen erst hernach in die Öffentlichkeit getragen. Auch sei zwischen den Äußerungen, die den Ausgeschlossenen zur Last gelegt worden seien, kein Kausalzusammenhang zu einer evtl. Schädigung des Rufs des Vereins erkennbar bzw. vom Verein nachgewiesen worden.
Hr. Dr. Stötzner verwies darauf, daß Sponsoren wegen der Querelen abgesprungen seien und der Oberbürgermeister ihm gesagt hätte, er solle erstmal seinen Verein in Ordnung bringen.
Hr. Dr. Dietrich Koch wies auf seinen überörtlich bekannt hohen Ruf hin; sein Ausschluß hätte dem Verein geschadet. Hr. Dr. Eckhard Koch bemerkte, daß die Begründung für seinen Rauswurf noch dürftiger als bei seinem Bruder ausgefallen sei. Fr. Dr. Dietze hob hervor, daß die Fragwürdigkeit der Anwesenheit Hr. Dr. Stötzners doch diskussionswürdig sein müsse.
Der Klägeranwalt wies das Argument der Beklagten zurück, die auf der Mitgliederversammlung anwesende Mehrheit, hätte den Ausschlüssen zugestimmt: Auch Hitlers Ermächtigungsgesetze seien mit Mehrheitsabstimmung zustandegekommen. Der auf der Beklagtenseite anwesende Hr. Dr. Jonas trug ebenso wie der Anwalt der Beklagten kaum Stichhaltiges vor. Schade, daß der ursprünglich vorgesehene Beklagtenanwalt Dr. Günter Kröber, den ich gut kenne und der rhetorisch geschliffen formulieren kann, nicht da war.

http://www.stiftung-aufarbeitung.de/die_stiftung/stiftungsrat_kroeber.php
http://wwwstud.uni-leipzig.de/~advokat/alt/98jan/kroeber.htm
http://www.fdp-sachsen.de/fdp/4e9f20772a3fa0c83f76dae9c6e06008.php

Die Urteilsverkündung findet in 14 Tagen statt.

BILD war mit einer Fotoreporterin vertreten.

Urteilsverkündung in der Sache 06 O 829/07
Wochentag, Datum Uhrzeit, Sitzungssaal/Straße
Donnerstag, 21.6.2007 09.00, 26 / Harkortstr. 9

Urteil im Prozess gegen den Vereinsausschluss heute (21. Juni 2007) ergangen
Geschrieben von Henrike Dietze am 21. Juni 2007 09:55:19:
Der Ausschluss aller vier Kläger aus dem Paulinerverein ist rechtsunwirksam. Die Kosten des Verfahrens trägt der Beklagte. Das Urteil ist vollstreckbar.

Quelle: http://wwischer.itrnet.com/pauliner/messages/20555.htm

Geschrieben von Eckhard Koch am 22. Juni 2007 12:42:50:

Als Antwort auf: Re: Ausschlüsse rechtlich unwirksam geschrieben von Michael Weiss am 22. Juni 2007 09:24:15:

>>Ich würde dem Verein den Rücken kehren, da das Vetrauensverhälnis hier einen tiefen Bruch erlitten hat. Es gibt für Sie sicher andere Möglichkeiten "das Projekt" voranzutreiben. Auch ohne Paulinerverein und evtl. auch ohne einen "Konkurrenzverein".
>>Wie schon gesagt, selbst als Wiederaufbaugegner ist man über diese Querelen nur noch schockiert und könnte darüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Außenstehende die dieses Dilemma verfolgt haben, müssen den Eindruck bekommen das es sich hier um einen Kindergarten handelt.
>
>Naja, Ihre Traumatisierung sollten Sie sich fuer wirklich schockierende Dinge aufheben, Herr Leser.
>Aber schauen wir uns doch nochmal die Bilanz des Stoetzner-Vorstands an: die einzigen erwaehnenswerten Dinge, die von diesem Vorstand ausgegangen sind, sind derer zweierlei: die Verschrottung der Installation "Paulinerkirche" und der Ausschluss von vier besonders engagierten Mitgliedern aus dem Verein. Erstere Aktion war hochgradig toericht, und die zweite ist soeben rechtlich annulliert worden.
>Ich wiederhole meine Ruecktrittsforderung an diesen Vorstand.
>
>___________
>"Dieser krönende Schritt, der jetzt getan wird, ist von allen Bürgern Leipzigs lang ersehnt...
>Sie [die Universität] schlug vor, ihr die gesamte Fläche zwischen Karl-Marx-Platz und Universitätsstraße zur Errichtung eines neuen großzügigen, in die Architektur des sozialistischen Platzensembles eingefügten Universitätskomplexes zur Verfügung zu stellen, das heißt, den jetzigen Bestand an Bauten einschließlich der Universitätskirche abzubrechen...
>Mach mit für Dein Leipzig, das Dir am Herzen liegt!"

Dem Verein den Rücken zu kehren, ist eine Möglichkeit, die andere ergriffen haben, als sie zu der Überzeugung gelangt waren, dass es unter dem Vorstand nichts wird mit dem Verfolgen der Vereinsziele. Ein Bekannter hat mir schon 2005 gesagt, dass er ausgetreten ist, weil er unter diesem Vorstand in einer Mitgliedschaft keinen Sinn mehr sehe. Andere haben sich bei ihrem Austritt sehr deutlich ausgedrückt. Wieder andere haben mir gesagt, sie warteten den Ausgang des Gerichtsverfahrens ab, ehe sie eine Entscheidung treffen.

Nun war ich bis zu meinem Ausschluss Vorstandsmitglied, hatte damit Verantwortung übernommen, im Interesse des Vereins die Vereinsziele zu verfolgen. Und in diesem Sinne habe ich auch stets gehandelt. Als für mich die Schwierigkeiten begannen, hätte ich austreten können. Diese Flucht aus der übernommenen Verantwortung hätte ich denen gegenüber zu vertreten gehabt, die mich gewählt hatten. Ich habe über Jahrzehnte in der DDR erlebt, dass Leute bequemere Wege gegangen sind, dass sie faule Kompromisse eingegangen sind oder gar ihre Seele verkauft haben - und damit meistens gut gefahren sind und das teilweise bis heute.

Es gab aber auch damals Andersdenkende und -handelnde. Die 68er Proteste gegen die Barbarei der Sprengung sind dafür ein herausragendes Beispiel. Zur Aufgabe des "Paulinervereins" gehört es "die Erinnerung an den barbarischen Willkürakt der Zerstörung von Universitätskirche und Augusteum in der Bevölkerung zu bewahren". Wenn Vereinsmitglieder, die für dieses Ziel besonders engagiert eintreten und auch so wahrgenommen werden, ohne Nennung von Gründen ausgeschlossen werden, so wirkt das auf den Verein zerstörerisch. Dem sind wir mit unserer Klage entgegengetreten.

HLeser hält die Angelegenheit für "traurig", ich auch. Wertvolle Zeit verstreicht, und die Einflussmöglichkeiten schwinden weiter. HLeser hat richtig erkannt: "Es gibt für Sie sicher andere Möglichkeiten "das Projekt" voranzutreiben." Wir nutzen diese Möglichkeiten.

Noch eine Bemerkung zu den Ausführungen von Herrn Weiß. Zur Verschrottung der Installation "Paulinerkirche" meint er, dass diese Aktion hochgradig toericht war. Als so harmlos sehe ich das Verhalten des Vorstandes in dieser Frage nicht an.


22. Juni 2007 * BILD LEIPZIG * Seite 3

Unliebsame Mitglieder bleiben im Paulinerverein
Leipzig - Urteil im Prozess Paulinerverein gegen Paulinerverein! Das Leipziger Landgericht entschied unter Aktenzeichen 06 08 29/07, dass vier Mitglieder nicht einfach so ausgeschlossen werden dürfen. Ein vereinsschädigendes Verhalten konnte der Richter nicht feststellen, heißt es in der Urteilsbegründung. Hintergrund war ein Streit über Stasi-Anschuldigungen gegen den Vorsitzenden des Vereins.

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LVZ, Montag, 25. Juni 2007

Ausgeschlossene Pauliner siegen vor Gericht

Vereinschef behält sich Schritte gegen Urteil vor

Ende November 2006 wurden Dietrich und Eckhard Koch, Sonja Hess und Henrike Dietze wegen „vereinsschädigendem Verhalten“ aus dem Paulinerverein ausgeschlossen. Das wollten die vier nicht auf sich sitzen lassen und so zogen sie vor Gericht. Das Landgericht Leipzig befand nun, dass ein vereinsschädigendes Verhalten nicht gegeben sei. Der Ausschluss, von der Mitgliederversammlung mit 75% der Stimmen beschlossen, wurde für rechtsunwirksam erklärt. Für Henrike Dietze ist das Urteil eine Genugtuung. „Mehrheitsmeinungen müssen nicht gesetzes- und auch nicht satzungskonform sein“, kommentierte sie das Urteil. Alle Fragen der vier kritischen Mitglieder an Paulinervereinsvorsitzenden Ulrich Stötzner, die unter anderen zu dem Zerwürfnis geführt hatten, seien berechtigt gewesen.

„Das Ausschlussverfahren sei das Ergebnis einer ganzen Kette von Behinderungen unserer Vereinsarbeit, unter anderem durch Prozesse, die Veranlassung des Rücktritts von Professor Günter Blobel und permanente öffentliche Schmähungen des Vorstands“, so der Vereinsschef. „Dies in Summe hatte die Mitglieder zu ihrer Entscheidung bewogen.“

Stötzner hält den Vereinsbeschluss nach unverändert für satzungsgemäß. Man behalte sich rechtliche Schritte vor, müsse aber erst die Urteilsbegründung zur Kenntnis nehmen. Stötzner zeigt sich zudem verwundert, dass Dietrich und Eckhard Koch, Sonja Hess und Henrike Dietze die Mitgliedschaft einklagen, haben sie doch mit „Pro Universitätskirche“ mittlerweile ihren eigenen Verein gegründet. Im übrigen schade so ein Streit, noch dazu vor Gericht ausgetragen, dem eigentlichen Ansinnen des Vereins, für den Neubau am Augustusplatz eine möglichst umfassende Erinnerung an die 1968 gesprengte Universitätskirche zu erreichen.

tom

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Geschrieben von Koch, Dietrich am 27. Juni 2007 10:15:16:

LVZ, 25.7.2007

Ausgeschlossene Pauliner siegen vor Gericht
Vereinschef behält sich Schritte gegen Urteil vor

„Können Sie sich vorstellen, dass die Stasi mich für eine Aufgabe innerhalb der Absperrung für geeignet befunden hätte?“ ist der einzige Vorwurf, der mir in der Mitgliederversammlung zum Ausschluss gemacht wurde. Ich betone: der einzige Vorwurf. Ich halte das für eine für den „Paulinerverein“ ehrenvolle Frage und würde mir wünschen, dass alle Mitglieder mit „Nein“ antworten könnten. Leider kann es der Vorsitzende Ulrich Stötzner nicht. Allein deshalb wurde ich ausgeschlossen.

Wenn Stötzner nun in der LVZ vom 25.7.2007 sagt, „das Ausschlussverfahren sei das Ergebnis einer ganzen Kette von Behinderungen unserer Vereinsarbeit, unter anderem durch Prozesse, die Veranlassung des Rücktritts von Professor Günter Blobel und permanente öffentliche Schmähungen des Vorstands“, so belügt er damit die Öffentlichkeit. Nichts davon wurde mir im Ausschlussverfahren vorgeworfen, weder in der allen Mitgliedern zugegangenen schriftlichen Anschuldigung, noch in der Ausschlußversammlung. All dies kann man im Urteil nachlesen.

Stötzner will nur von seinem eigenen Verhalten am Tage der Sprengung ablenken. Dies zu kommentieren, kann aber einem Vereinsmitglied nicht aus Gründen des Vereinsinteresses untersagt werden, wie das Urteil des Landgerichts festgestellt hat. Deshalb ist weiterhin zu fragen: Was hat Stötzner am Tage der Sprengung auf dem Karl-Marx-Platz innerhalb der Absperrung und später in der Probstheidaer Sandgrube bei der Verkippung der Überreste der Universitätskirche St. Pauli gemacht?"

Aber nehmen wir einmal – kontrafaktisch – an, Stötzner sage die Wahrheit. Dann wären wir wegen des gewonnenen Prozesses ausgeschlossen worden, der die Vorstandswahl unter Frau Schödl als rechtswidrig ausgewiesen hatte. Das ist abenteuerlich. Stötzner verkennt, daß das Gericht dem Verein unrechtmäßiges Handeln bescheinigt hat. Der Verein sollte daraus die Lehre ziehen, sich in Zukunft an Recht und Gesetz zu halten. Im übrigen haben damals Sonja Heß und ich geklagt, nicht aber mein Bruder oder Frau Dietze. Wieso werden diese – nach Stötzner – nun auch noch gleich mit ausgeschlossen. Frau Dietze war damals nicht einmal Mitglied des PVs, hat also mit all dem nichts zu tun. Wäre all dies Gegenstand des Ausschlußverfahrens gewesen, hätten wir ebenfalls gewonnen; denn ein Gericht wird uns nicht wegen eines gewonnen Prozesses ausschließen. Aber: Um nicht von all dem ging es im Ausschlußverfahren, sondern allein um Reaktionen auf das Verhalten Stötzners am Tage der Sprengung.

Daß Stötzner gegen das Urteil in Berufung geht, glaube ich nicht. Es sei denn, er wolle den Streit noch eine Weile weitertreiben. Denn auch in einer Berufung kann er nur verlieren. Es ist ja nicht seine private Kasse, die die nicht gerade niedrigen Verfahrenskosten zu tragen hat.

In der Wahlversammlung am 9. Juni 2007 ging er mit keinem Wort auf die umfangreichen Ausführungen des Vorsitzenden Richters am Landgericht zwei Tage zuvor ein, in denen er die im Urteil ausgeführten Gründe dargelegt hatte. Stötzner sagte auch kein Wort über sein Verhalten am Tage der Sprengung. Niemand stellte in der Versammlung eine einzige Frage zum Ausschluß-Prozeß oder zu Stötzners Verhalten am Tage der Sprengung. Das verwundert mich doch sehr. Einen Gegenkandidaten gab es auch nicht; wer hätte kritische Fragen stellen können, war ja ausgeschlossen. Da verwundern 93 % der Stimmen nicht mehr.

Schade, daß die LVZ weder meinen Bruder, noch Frau Heß, noch mich gefragt hat. Audiatur et altera pars!

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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 28. Juni 2007


Seite 18 - LESERBRIEFE

Kritik an Vereinsvorsitzendem

Zum Beitrag „Ausgeschlossene Pauliner siegen vor Gericht“ vom 25. Juni:

Die vom Paulinervereinsvorsitzender Ulrich Stötzner aufgestellten Behauptungen, „das Ausschlussverfahren sei das Ergebnis einer ganzen Kette von Behinderungen unserer Vereinsarbeit, unter anderem durch Prozesse, die Veranlassung des Rücktritts von Professor Günter Blobel und permanente öffentliche Schmähungen des Vorstands“, sind allesamt völlig falsch.
Wenn Stötzner auch nach Kenntnis der Urteilsbegründung diese falschen Anschuldigungen weiterhin vertritt und verbreitet sowie vorgibt, unseren Ausschluss immer noch für satzungsgemäß zu halten, so schadet er weiterhin dem Verein und ist ungeeignet, ihn zu führen.

Eckhard Koch, 01465 Dresden

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LESERBRIEF an die Leipziger Volkszeitung
zu „Ausgeschlossene Pauliner siegen vor Gericht
Vereinschef behält sich Schritte gegen Urteil vor"

Herr Dr. Stoetzner irrt, wenn er in der LVZ behauptet, dass die zu Unrecht ausgeschlossenen Mitglieder sich in den Verein "einklagen" wollten. Die ausgeschlossenen Mitglieder haben vor dem Leipziger Landgericht feststellen lassen, dass eine Vereinsschaedigung nicht vorgelegen hat und die willkuerlichen Ausschluesse nicht legitim und damit unwirksam waren. (LG Leipzig AZ 06 0 829/07)

Wenn Herr Stoetzner dem Richter in der muendlichen Verhandlung gut zugehoert haette, wuesste er auch zu berichten, dass der Richter es fuer legitim gehalten hat, dass die juengere Generation mit Fragen an die aeltere Generation herantritt, was diese denn am Tag der Sprengung getan hat. Ich hatte Herrn Dr. Stoetzner 50 Fragen dazu gestellt, was genau er am Tag der Sprengung innerhalb der hermetisch abgesicherten Absperrung und waehrend der Verkippung der Paulinerkirche gemacht hat, zu denen er bisher jedoch beharrlich fein geschwiegen hat.

Das Gericht hat die Klaeger unterdessen darin bestaetigt, „hier einen doch nicht unwesentlichen Umstand zu kommentieren" und schliesslich darueber hinaus sogar erlaeutert, dass die Aussagen der Klaeger auch inhaltlich keinen Ausschluss rechtfertigen, „weil Vereinsinteressen weniger durch die Reaktion als vielmehr durch den Umstand beeintraechtigt werden koennten, der diese Reaktion ausgeloest hat." (LG Leipzig AZ 06 0 829/07)

Festzustellen bleibt, dass die ausgeschlossenen Mitglieder sich fuer das Satzungsziel, den Wiederaufbau der Universitaetskirche oeffentlich und nachdruecklich eingesetzt haben, waehrend Herr Dr. Stoetzner den Wiederaufbau „ad acta" legen wollte. Es waere schoen, wenn er sich dazu oeffentlich auessern wuerde, ob dies mit seiner Biographie zusammenhaengt.

Dr. Sonja Heß
137 ½ Bonita Street
Arcadia, CA 91006
Sonja_Hess@web.de

____________

50 Fragen an Herrn Dr. Stötzner

Sehr geehrter Herr Dr. Stötzner,

durch die LVZ-Artikel vom 27.5. und 2.6.2005 ist in der Öffentlichkeit eine Reihe von Fragen entstanden, die durch Ihre öffentliche Erklärung vom 3.6.2005 noch keine ausreichenden Antworten erhalten haben. Sie werden mir sicher zustimmen, daß Sie als Vorsitzender der "Bürgerinitiative für den Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum in Leipzig e. V." verpflichtet sind, alle Fragen zu Ihrem Verhalten am Tag der Sprengung und an Ihrer heutigen Satzungstreue zu beantworten, und so mögliche Zweifel der Öffentlichkeit auszuräumen. Dazu gehört ein detaillierter öffentlicher Bericht über alle Umstände Ihres Wirkens am Tag der Sprengung. Um nicht falsch verstanden zu werden, sage ich ausdrücklich, daß ich Sie weder beschuldige noch anklage, sondern nur Fragen zusammengestellt habe, die der Aufklärung dienen sollen. Da ich auch keine eigenen unangenehmen Erfahrungen bei der Sprengung gemacht habe, bin ich gänzlich unbefangen. Die Fragen sollen daher auch zur Verständigung zwischen den Generationen beitragen.

Sie waren nach Ihren Äußerungen beauftragt, am 30. Mai 1968 mit Hilfe von Seismografen die Stärke der Sprengung zu messen am Eckhaus von Blumen-Hanisch, entlang der Goethestraße bis zum Studentenwohnheim und in der Oper.
(1) Wer war der Auftraggeber?
(2) Wozu sollten die seismografischen Messungen dienen? Die geäußerte Meinung, es sei darum gegangen, Schäden an Gebäuden - etwa der Drehbühne der Oper - festzustellen, ist nicht verständlich; denn Schäden an Gebäuden werden durch Gutachten von Bausachverständigen festgestellt, nicht aber durch Seismografen, welche bekanntlich Transversal- und Longitudinalwellen messen.
(3) Warum wurden seismografische Messungen bis zum Studentenwohnheim Goethestraße ausgeführt, nicht aber an den viel näher liegenden Gebäuden in der Grimmaischen Straße oder in der Nikolaikirche?
(4) Würde man, wenn Befürchtungen von Gebäudeschäden durch die Sprengung bestehen, nicht vorher abschätzen, ob Gefahren existieren? Als Geophysiker würde man aus der Kenntnis des Sprengungsverlaufs, der stürzenden Gebäudemassen und der Ausbreitungsbedingungen Abschätzungen über die zu erwartenden Gebäudeerschütterungen vornehmen. Mit bekannten Erfahrungsdaten über die Gefährdung von Gebäuden bei Erschütterungen könnten dann Auswirkungen der Kirchensprengung prognostiziert werden.
(5) Haben Sie oder andere derartige vorherige Abschätzungen vorgeschlagen?
(6) Haben Sie oder andere derartige Berechnungen oder Abschätzungen vorgenommen?
(7) Könnten in einem solchen Fall die von Ihnen angegebenen seismografischen Messungen der Überprüfung der prognostizierten Erschütterungen dienen oder gedient haben?
(8) Sind Ihnen die schriftlichen Berichte über Ihren Auftrag in Zusammenhang mit der Kirchensprengung zugänglich?
(9) Welchen Verteiler hatten Ihre Berichte über Ihre Arbeiten in Zusammenhang mit der Kirchensprengung?
(10) Welche Geheimhaltungsstufe (GVS, VVS, NfD oder eine andere) hatten Ihre Berichte? Angesichts der besonderen Sensibilität der Sicherheitsorgane der DDR, die sich schon in den Tagen vor der Sprengung gezeigt hatte, kann man wohl davon ausgehen, daß das MfS und die anderen Sicherheitsorgane nur besonders ausgewählte Personen in den Bereich innerhalb der Absperrungen ließen.
(11) Wurden Sie vorher vom MfS in dieser Hinsicht besonders überprüft, oder gehörten Sie zum Kreis derjenigen, die ohnehin vom MfS als politisch besonders zuverlässig eingestuft worden waren?

Sie werden zitiert, daß die Sprengung verteilt war "auf 18 Zeitstufen der 23 Millisekunden-Kurzzeitzünder und anschließend auf elf Zeitstufen von Einhalbsekunden-Zeitzünder".
(12) Woher haben Sie diese Detailinformationen?
(13) Waren diese Informationen für Ihre seismografischen Messungen erforderlich?
(14) Haben Sie solche Messungen der Stärke der Sprengung an Gebäuden früher schon gemacht? Wenn ja, wann und wo?
(15) Haben Sie solche Messungen später gemacht, z. B. bei der Sprengung des Augusteums? Man würde annehmen, daß Sie zur Überwachung Ihrer wissenschaftlichen Messungen in einem der Gebäude bei den Seismographen, beispielsweise der Oper, saßen.
(16) Warum waren Sie nicht bei Ihren Seismografen, sondern weit entfernt an der diagonal entgegengesetzten Ecke des Karl-Marx-Platzes beim Europahochhaus in einem Überwachungswagen?
(17) Was war Ihre Aufgabe an der diagonal entgegengesetzten Ecke des Karl-Marx-Platzes beim Europahochhaus in einem Überwachungswagen?
(18) Wie viel weitere Personen waren in dem Wagen?
(19) Waren in dem Wagen Mitarbeiter des MfS oder andere Sicherheitskräfte?
(20) Waren Sie als Truppführer der "Chef" in diesem Wagen?
(21) Wie viele Mitarbeiter des VEB Geophysik waren insgesamt an den Aufgaben in Zusammenhang mit der Kirchensprengung beteiligt?
(22) Wer war der Mitarbeiter mit dem Helm neben Ihnen? Welche Aufgaben hatte er? Unterstand er Ihnen?
(23) Warum trug der Mitarbeiter auf dem einen Foto neben Ihnen einen Schutzhelm? Trugen Sie ebenfalls einen Schutzhelm? Sie haben Fotos der Sprengung gemacht, bei denen im Vordergrund Sicherheitskräfte in Uniformen - Volkspolizei und NVA oder MfS - und in Zivil zu sehen sind. Diese sind sehr nah, teilweise direkt zu erkennen und schauen teilweise direkt in Richtung des Fotoaufnahme, haben also bemerkt, daß sie selbst fotografiert werden.
(24) Wie kann es sein, daß Sie Aufnahmen von der Sprengung der Universitätskirche mit dies bemerkenden Sicherheitsorganen im Vordergrund machen konnten, ohne daß die Sicherheitsorgane eingegriffen haben? Es ist bekannt, daß anderen, die in der Zeit der Sprengungsvorbereitungen Fotos machten, die Filme von Sicherheitsorganen weggenommen wurden, und daß solche Fotografen, insbesondere wenn auf den Aufnahmen auch Uniformierte zu sehen waren, vom MfS verfolgt und teilweise angeklagt wurden.
(25) Wieso konnten Sie ohne solche staatlichen Gegenmaßnahmen fotografieren?
(26) Ist daraus nicht zu folgern, daß Sie im Auftrag von Staatsorganen die Sprengung fotografiert haben?
(27) Wo haben Sie die Aufnahmen entwickeln lassen?
(28) Wo befindet sich der Film heute?
(29) Was für Aufnahmen befinden sich vor und nach den Aufnahmen der Sprengung auf diesem
Film?
(30) Wer hat damals Abzüge von den von Ihnen angefertigten Sprengungsfotos erhalten? Sie haben in der LVZ weiterhin gesagt, daß das Kulturgut schleunigst in Probstheida abgekippt wurde und Sie hinausfuhren und sich zwei Steine des Heinsberg-Epitaphs sicherten.
(31) Was haben Sie nach der Sprengung gemacht? Sind Sie gleich zur Verkippung nach Probstheida gefahren, oder sind Sie zunächst zurück zu den Seismografen und haben diese abgebaut und ausgewertet?
(32) Was war das Ergebnis Ihrer Messung der Stärke der Sprengung?

Das Verkippungsgelände in Probstheida war eingezäunt und wurde von Sicherheitskräften mit Hunden streng bewacht, um "Souvenirjäger" abzuwehren.
(33) Wie war es Ihnen dennoch möglich, an die 2 Teile des Heinsberg-Epitaphs zu kommen?
(34) Wie bereits öffentlich gemutmaßt wurde, lag das Heinsberg-Epitaph auf dem Augustusplatz unter viel anderem Sprengungsschutt, so daß es nicht schon am 30.5.1968 nach Probstheida transportiert werden konnte.
(35) An welchem Tag konnten Sie die zwei Relikte bergen?
(36) Wurde das Epitaph vor der Abkippung zerkleinert?
(37) Haben Sie das Epitaph auf dem LKW entdeckt und von dort Teile geborgen?
(38) War das Epitaph schon abgekippt und wurde die weitere Verkippung für Sie unterbrochen, damit Sie Teile bergen konnten? Das Heinsberg-Epitaph ist wohl das eindrucksvollste der wenigen mitgesprengten Epitaphien.
(39) War es Zufall, daß Sie gerade Steine dieses besonders wertvollen Stückes bergen konnten?
(40) Oder waren Sie tagelang so häufig oder ständig an der Verkippungsstelle, daß Sie das Heinsberg-Epitaph aussuchen konnten?
(41) Ihre Dissertation beschäftigte sich mit "Ingenieur-geophysik zur Lösung felsmechanischer Aufgaben". Hatte Ihr Job bei der Sprengung damit etwas zu tun?
(42) Waren Sie auf der Verkippungsstelle mit einer offiziellen Aufgabe betraut, beispielsweise als Geophysiker?
(43) Falls Sie nicht mit einer offiziellen Aufgabe betraut waren, wie war es dann möglich, daß Sie aus einem eingezäunten und bewachten Gelände zwei Stücke bergen konnten, darunter ein viele Kilogramm schweres größeres Stück?
(44) Haben Sie Fotografien vom Abkippen des Sprengungsgutes gemacht?

Sie haben in Ihrer Erklärung vom 3.6.2005 im Internet gesagt: "Wer den Artikel vom 27. Mai 2005 in der LVZ aufmerksam gelesen hat, konnte darin die Gründe für die Anfertigung der Fotos finden." Tatsächlich sind die Gründe aber daraus nicht zu entnehmen, insbesondere nicht, warum Sie nicht von den Sicherheitskräften gehindert und verfolgt wurden.
(45) Finden Sie nicht, daß die Öffentlichkeit, insbesondere die Bürgerinitiative für den Wiederaufbau, einen Anspruch auf eine genaue Information hat, um sich selbst ein Bild über Ihre Nähe oder Ferne zu staatlichen Organen machen zu können?
(46) Finden Sie nicht, daß Ihre Erklärung, Sie hätten damals Ihren "Job gemacht", ganz unzureichend ist, um einen Vorwurf der Staatsnähe bei der Kirchensprengung zu entkräften?
(47) Haben Sie sich einmal vergegenwärtigt, wer so alles in den beiden deutschen Diktaturen sich darauf berufen hat, nur seinen Job gemacht zu haben?
(48) Ist Ihnen klar, daß eine derartige Rechtfertigung dazu führt, daß zum Schluß nur der Diktator an der Spitze schuldig ist, während alle anderen nur ihren Job gemacht haben?

Sie haben in der LVZ vom 27.5.2005 erklärt, daß die Bürgerinitiative für den Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum" "den in der Vereinssatzung festgeschriebenen Wiederaufbau ad acta legen muß".
(49) Sind Sie sich dessen bewußt, daß eine derartige Äußerung der Satzung und der Beschlußlage des Vereins widerspricht?

Ihre Sprengungsfotos sind schon früher veröffentlicht worden, ohne daß es öffentlich zu so kritischen Nachfragen gekommen ist wie jetzt.
(50) Könnte es sein, daß Ihre öffentliche Erklärung des Ad-acta-Legens gegen das satzungsgemäße Vereinsziel die Aufmerksamkeit für Ihr Wirken auf staatlicher Seite am Tage der Sprengung geschärft hat?

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Sonja Heß

 

Hier können Sie den Urteilstext lesen.

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Quelle: http://paulinerkirche.phpbbx.de/viewtopic,p,113.html#113
Eckhard Koch, Beitrag verfasst am: 17.10.2007 17:18

Titel: Völlig unzureichend

Um zu sehen, wieso diese Mitteilung unzureichend ist, zitiere ich sie im vollen Wortlaut, gebe eine öffentliche Meinungsäußerung von Herrn Dr. Stötzner wieder und zitiere einen weiteren Satz aus dem Urteil des Landgerichts.

Mitteilung des Vereins vom 12.10.07: "In der Pressemitteilung vom 28.11.2006, die auf der Seite www.paulinerverein.de veröffentlicht wurde, heißt es u.a.
"Am 25. November fand die ordentliche Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative zum Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum in Leipzig e.V. (Paulinerverein) statt....... Der stellvertretende Vorsitzende Dr. Eckhard Koch, Dresden sowie die Mitglieder Dr. Henrike Dietze, Leipzig, Dr. Sonja Heß, Bethesda und Dr. Dietrich Koch, Mülheim wurden aufgrund von grober Verletzung der Interessen des Vereins per eindeutigem Beschluß der Mitgliederversammlung mit mehr als zweidrittel bis dreiviertel der Stimmen ausgeschlossen."
Die ausgeschlossenen Mitglieder reichten daraufhin Klage beim Landgericht Leipzig ein. Das Leipziger Landgericht stellte in seinem Urteil vom 21.06.2007 fest, dass die Vereinsinteressen durch den stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Eckhard Koch und die Mitglieder Dr. Henrike Dietze, Dr. Sonja Heß und Dr. Dietrich Koch, Mülheim nicht verletzt wurden. In der Urteilsbegründung heißt es dazu u.a.
"Die Klage ist auch begründet. Dabei ist anerkannt, dass die formalen [im Urteil steht "formellen"] Voraussetzungen für einen Vereinsausschluss uneingeschränkt voller gerichtlicher Kontrolle unterliegen, während die Frage, ob ein bestimmtes Verhalten von dem ausschließenden Vereinsorgan zutreffend als Ausschlussgrund bewertet wurde, wegen der Vereinsautonomie nur eingeschränkt gerichtlicher Überprüfung unterliegt."
Der Vorstand beschloß, nicht in Berufung zu gehen."

Gegenüber der LVZ vom 25.06.07, also wenige Tage nach dem Urteil, hat Stötzner geäußert, dass er den Vereinsbeschluss [über die Ausschlüsse] unverändert für satzungsgemäß hält und dazu ausgeführt: " Das Ausschlussverfahren war das Ergebnis einer ganzen Kette von Behinderungen unserer Vereinsarbeit, unter anderem durch Prozesse, die Veranlassung des Rücktritts von Professor Günter Blobel und permanente öffentliche Schmähungen des Vorstands. Dies in Summe hatte die Mitglieder zu ihrer Entscheidung bewogen".

Das dürfte den uneingeweihten Leser zu folgender falschen Meinung verführen: Eigentlich waren die Rauswürfe schon berechtigt und hatten lediglich aus formalen Gründen vor dem Landgericht keinen Bestand (laut Duden bedeutet formal: nur der Form nach, ohne eigentliche Entsprechung in der Wirklichkeit).

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Alle von Stötzner gegenüber der LVZ genannten Ausschlussgründe sind falsche Tatsachenbehauptungen. Sie wurden im Ausschlussverfahren auch nicht genannt. Vielmehr ist der Vereinsausschluss überhaupt nicht begründet worden. Im Urteil des Landgerichts steht deshalb: "Fehlt jegliche Begründung für den Vorwurf eines schuldhaften und den Verein nachhaltig schädigenden Verhaltens, ist der Ausschluss schon aus formellen Gründen nicht wirksam." Man kann zwar darüber spekulieren, was "die Mitglieder zu ihrer Entscheidung bewogen" hatte, Tatsachen waren es jedenfalls nicht.

Der Mitteilung des Vereins ist nicht zu entnehmen, dass das Gericht im Rahmen seiner durch die Vereinsautonomie beschränkten Möglichkeiten eine inhaltliche Überprüfung vorgenommen hat. Das Gericht hat in seinem Urteil dazu längere Ausführungen gemacht und ist abschließend zu der Feststellung gekommen: "Neben den formellen Mängeln würden die beanstandeten Äußerungen es daher auch inhaltlich nicht rechtfertigen, die vier Kläger wegen ihrer Kritik am damaligen Verhalten des Herrn Dr. Stötzner aus dem Verein auszuschließen, weil Vereinsinteressen weniger durch die Reaktion als vielmehr durch den Umstand beeinträchtigt werden können, der diese Reaktionen ausgelöst hat." Das heißt doch wohl, wenn jemand aus dem Verein hätte ausgeschlossen werden müssen, dann am ehesten Herr Dr. Stötzner selbst. Das ist eine Feststellung des Landgerichts (nicht meine eigene, ich habe mich dazu nie geäußert) .


Quelle: http://paulinerkirche.phpbbx.de/viewtopic,p,319.html#319
Verfasst am: 30.11.2007 12:51

Koch Dietrich
Wohnort: 45479 Mülheim an der Ruhr

Titel: Prozeß gegen den Paulinerverein

Vor dem Leipziger Amtsgericht ging der Prozeß von zwei Mitgliedern gegen den Paulinerverein weiter. Die klagenden Mitglieder halten die Einladung für die Versammlung am 17.9.2005 für nicht ordnungsgemäß und Beschlüsse für unwirksam.
Vor etwa einem Jahr konnten die zur Vernehmung erschienen Zeugen wegen eines Einspruchs des Anwaltes des Vereinsvorsitzenden nicht gehört werden. Nunmehr fand die Zeugenvernehmung statt. Alle drei Zeugen sagten aus, sie wären zur Mitgliederversammlung erschienen, wenn sie gewußt hätten, daß es um den Ausschluß von vier Mitgliedern geht. Dieser Tagesordnungspunkt stand nicht in der Einladung und wurde erst zum Schluß der Veranstaltung angesetzt. Dies ist nach Auffassung der Kläger nicht rechtens, da die Satzung keine Initiativanträge kennt.
RA Wintzer vom Vorstand hat nunmehr drei Zeugen benannt, wonach das Ausschlußthema aus der Mitte der Versammung gekommen wäre. Dies wird erstens von den Klägern bestritten und zweitens für unerheblich angesehen, da die Satzung solche neuen Tagesordnungspunkte nicht zulasse. Außerdem besage das Protokoll der Versammlung klar, daß die Ausschlußanträge durch Dr. Jonas aufgrund eines vom Vorstandsmitglied Hassenrück verlesenen Briefes gestellt worden seien. RA Wintzer entgegnete, heute würde das Protokoll anders geschrieben werden als vor zwei Jahren. Ein Kläger erwiderte, das Protokoll gebe den tatsächlichen Verlauf wieder und dürfe nicht nach zwei Jahren wahrheitswidrig umformuliert werden.
RA Wintzer bestritt weiterhin das Rechtsschutzinteresse der Kläger, da ihr Ausschluß durch das Landgericht aufgehoben sei.

Richter Kauf will am 21.12.07, 13 Uhr eine Entscheidung verkünden.

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Quelle: http://paulinerkirche.phpbbx.de/viewtopic,p,330.html#330
Verfasst am: 01.12.2007 12:53

Eckhard Koch
Wohnort: Dresden

Titel: Prozeß gegen den Paulinerverein

Ich bin einer der beiden Kläger. Ich habe durchaus begriffen, "dass das Ausschlussverfahren vom Gericht längst aufgehoben wurde und die 4 weiterhin Mitglieder des Vereins sind." Zweifel habe ich aber daran, ob z. B. der Vereinsvorsitzende Dr. Stötzner das so richtig verinnerlicht hat. Denn schon kurz nach dem Urteil des Landgerichts hat er gegenüber der LVZ geäußert, dass er den Vereinsausschluss unverändert für satzungsgemäß hält, und er hat dafür neue, völlig unhaltbare Vorwürfe erhoben.

Warum macht er das und versucht, den Abschluss des Verfahrens vor dem Amtsgericht immer weiter zu verzögern? Ich war damals, vor zwei Jahren, durchaus nicht scharf darauf zu klagen. Aber mir blieb nichts anderes übrig, wenn ich meiner Verantwortung als stellvertretender Vereinsvorsitzender gerecht werden wollte. Die ungerechtfertigten Angriffe gegen mich, mit denen Herr Dr. Jonas Mitte Juni 2005 begann, störten den Vereinsfrieden und die Vereinsarbeit. Ich habe mich deshalb um eine schnellstmögliche Klärung bemüht, erst innerhalb des Vorstandes und innerhalb des Vereins. Erst danach habe ich die Klage eingereicht. Sie hat leider die Herren Drs. Stötzner und Jonas nicht davon abgehalten, die Ausschlüsse weiterzubetreiben und damit dem Verein weiterhin Schaden zuzufügen. Stötzner hatte es vergangenen Mittwoch in der Hand, die Einsicht zu zeigen, die man von ihm nach dem Urteil des Landgerichts erwarten könnte, und das Verfahren vor dem Amtsgericht zu beenden.

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Verfasst am: 02.12.2007 17:45

Henrike Dietze
Wohnort: Leipzig

Titel: Meine Meinung dazu

Die Herren Stötzner und Jonas hatten vor einem Jahr (oder sogar länger her?) meines Erachtens den Antrag auf Vertagung des Verfahrens gestellt, um das Urteil des Landgerichtes im inzwischen anhängigen Verfahren zum Ausschluss abzuwarten, das sie ja zu gewinnen meinten. Und danach wollten sie sagen, es gebe kein Rechtsschutzbedürfnis mehr, was sie nun auch nach dem für sie verlorenen Verfahren angaben. Die beiden Kläger seien ja nun nach wie vor Mitglied im Verein.

Trotz des verlorenen Verfahrens vor dem Landgericht bestehe das Rechtsschutzinteresse auch jetzt noch, so der Richter. Ich habe nur nicht verstanden, warum es noch besteht, und ob es auch noch bestehen würde, wenn die Feststellungsklage, dass der Ausschluss rechtsunwirksam ist, verloren gegangen wäre.

Im übrigen - außer der Bemerkung der Gegenseite, dass dann das Protokoll anders "aufbereitet" worden wäre, hat mich die Aussage von Herrn Dr. Stötzner, dass der Ausschluss aus formalen Gründen rechtsunwirksam sei, mehr als befremdet. Das Landgericht hatte sehr eindeutig in der Urteilsbegründung dargelegt, dass der Ausschluss auch deshalb rechtsunwirksam ist, weil wir dem Verein eben nicht geschadet haben. Schadensverursacher sei ein anderer gewesen, der, der seine Mitwirkung an der Sprengung zuerst - vor der Wahl - verschwiegen und danach über die LVZ öffentlich gemacht hatte. Wir hätten nur auf diese Veröffentlichung reagiert. Das kann man ja aber alles in dem Urteil nachlesen. Da ich es jetzt nicht hier habe, sehe man mir bitte eventuelle Ungenauigkeiten in der Wiedergabe von Argumenten der Urteilsbegründung nach.

Jetzt geht es - immer noch - um die Einladung zu der Versammlung, auf der die Einleitung des Ausschlussverfahrens aus dem Hut gezaubert wurde. Denn in der Tagesordnung war nichts dergleichen vermerkt. Und deswegen - so der Richter - gibt es eben ein grundsätzliches Rechtsschutzbedürfnis, wurde die Klage zugelassen.

Es ist doch sehr erheblich, ob der beabsichtigte Ausschluss von Mitgliedern / die Einleitung eines Ausschlussverfahrens in der Tagesordnung steht oder nicht. Oder etwa nicht?

Dass das Verfahren um fast ein Jahr vertagt wurde, ist nicht das Problem der Kläger, sondern des Vorstandes, der die Vertagung beantragt und sich verkalkuliert hatte.

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Verfasst am: 02.12.2007 19:42

Koch Dietrich
Wohnort: 45479 Mülheim an der Ruhr

Titel: Prozeß gegen den Paulinerverein

Ich erwarte eine grundsätzliche Klärung, wie eine gerechtfertigte Tagesordnung zustandekommt. Dafür gibt es jedenfalls ein Rechtsschutzbedürfnis.
Im Falle eines Verlustes der Ausschlußklage wäre für die jetzigen Kläger die Aktivlegitimation für die Klage entfallen und damit die Klage verloren gewesen.


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